Bistum Basel

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Bischof Felix weiht Pascal Eng zum Priester

Pascal Eng
Foto: José R. Martinez

Lieber Pascal
Lieber Schwestern und Brüder

Jeden Gottesdienst, vielleicht sogar jeden Tag, beginnen wir mit den Worten «im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes». Wir rufen die Dreifaltigkeit an. Und heute, am Sonntag der Dreifaltigkeit, wirst Du zum Priester geweiht, Pascal! Was hat denn ein Priester mit der Dreifaltigkeit zu tun? Viele Christen würden sagen, der Dienst des Priesters besteht darin, die Sakramente zu spenden. Das ist richtig, aber noch bevor der künftige Priester verspricht, die Sakramente zu spenden, verspricht er, das Evangelium und den katholischen Glauben zu verkündigen, und in Wort und Tat zu bezeugen. Die erste Aufgabe des Priester ist also die Bezeugung und Verkündigung des Evangeliums. Das tut er unter anderem mit Worten. Und diese Worte - wenn sie das Evangelium verkündigen - verkündigen den dreifaltigen Gott: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Jetzt heisst es aber im zweiten Gebot, Du sollst Dir kein Bild machen von Gott - und und wir reden vom Vater!

Viele von Ihnen kennen Zeichnungen und Bilder mit einem Vater, meistens ist er alt und hat einen weissen Bart, manchmal ist er runzelig, aber oft sympathisch. Ein Bild. Und das Wort «Vater» selbst ist auch ein Bild – ein Sprachbild. Aber durch das Sprachbild verstehen wir etwas: Wir verstehen, dass Gott jemand ist, der vor uns ist - einer, von dem wir abhängen - dass Gott einer ist, der schafft und sich in Güte zuwendet. Und richtigerweise sagt das vierte Laterankonzil, dass unser Sprechen von Gott immer eher unangemessen sei als angemessen - oder etwas krass formuliert: Alles, was wir über Gott sagen, ist eher falsch als richtig. Deswegen haben die grossen Theologen der Geschichte unserer Kirche - zum Beispiel der heilige Thomas von Aquin - am Ende lieber geschwiegen. Und doch müssen wir reden. Wir reden also weiterhin von Gott, dem «Vater».

Aber die Heilige Schrift – und vorallem der Prophet Jesaja – scheut sich nicht, Gott auch «Mutter» zu nennen.

In Jesaja 3, Kapitel 66, nennt er Gott dort «Mutter», wo es um Erziehung geht und um Tröstung. Die Menschen machen also Erfahrungen, dass es Tätigkeiten oder Haltungen gibt, die vielleicht eher den Frauen zugesprochen werden, andere eher den Männern. Jesaja spricht auch von Gott, der «Mutter», wenn es ums Gebähren geht. Schon immer wusste man, dass Bilder wichtig, gut und notwendig sind, aber dass wir sie ergänzen dürfen - ja ergänzen müssen. Und so heisst es auch in einem der Hochgebete der Präfation: «Du liebst – Gott - Deine Kinder wie ein guter Vater und wie eine liebende Mutter!». Wichtig ist, von Gott zu sprechen, und ihn als gut, liebend und lebendig zu bezeugen. Dasselbe gilt für den Sohn: Der Sohn ist zunächst «Sohn», weil er vom Vater abhängt, aber dieser Sohn Jesus Christus ist so innig mit dem Vater (der auch Mutter ist) verbunden - und nie von ihm getrennt - dass er schon von Anfang an bei Gott war. Und ein Zeugnis davon haben wir in der Lesung aus dem Buch der Sprüche, 8. Kapitel, gehört: Dort wird Gott «Weisheit» genannt.

Die Weisheit gilt als die erste Tochter Gottes! Es wird in poetischer Sprache beschrieben wie dieses kleine Töchterlein noch bevor die Erde geschaffen wurde bei Gott war und im Garten des Universums spielte, und dass es ihr eine Freude war, bei Gott zu spielen – und dass es ihr eine Freude ist, bei den Menschen zu sein.

Jesus hat dann vorgelebt, wie es ihm eine Freude ist, bei den Menschen zu sein. Dieser Jesus hatte eine solch grosse Freude, bei den Menschen zu sein, dass seinen Jüngern auf dem Weg nach Emmaus das Herz brannte als er mit ihnen sprach. Das ist ein Primizspruch. Ich hoffe also, dass Du fähig und immer mehr Willens bist, über Gott den Vater in der Sprache des spielenden Töchterleins und mit der Freude des Sohnes so zu reden, so dass den Menschen das Herz brennt! Dass sie spüren, Gott hat mich gern! Und gleichermassen ist es mit der dritten Person der Dreifaltigkeit, dem Heiligen Geist:

Der Heilige Geist ist weder männlich, noch weiblich: Er ist ein tosendes Brausen, ein Wind, ein Sturm, eine tosende Kraft, ein Säuseln - aber immer eine Energie, die Leben spendet! Wenn vom Wind in meteorogolischer Absicht die Rede ist, dann hat er - der Ruach - im alten Testament das grammatische Geschlecht «männlich», aber in 9 von 10 Fällen ist von dieser Ruach, mit dem grammatischen Geschlecht «weiblich», die Rede, wenn es um das Lebenspenden geht, wenn es um das Weitergeben des Lebens geht.

Hier ist also das Bild vom Heiligen Geist nicht vollkommen. Es ist die Aufgabe des Priesters, dies vollkommener zu machen. So dass die Menschen es verstehen und Ihr Herz brennen kann. Ich wünsche Dir, lieber Pascal, dass Du unseren Dreifaltigen Gott, der immer grösser ist, als wir uns vorstellen und denken können, und dessen Bilder wir immer ergänzen dürfen, dass Du diesen Gott den Menschen bringst, und dass es Dir eine Freude ist, diesen Gott mit Deinem Leben und Deinem Tun zu bezeugen.

Dazu wirst Du geweiht. Zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen.

Amen.

Felix Gmür, Bischof von Basel

(Predigt wörtlich zitiert)

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