Bistum Basel

Artikel im Warenkorb hinzugefügt

Warenkorb anzeigen

Gott habe ich nie in Frage gestellt!

Weihbischof Denis Theurillat
Weihbischof Denis Theurillat

Der bekennende Jurassier, Denis Theurillat, feiert heute sein 20-jähriges Jubiläum als Weihbischof des Bistums Basel. «Bischöfe müssen heute mutiger und kommunikativer sein als früher und mit dem Fortschritt mithalten können», betont er im Interview.

Von Hansruedi Huber

 

Sie sind in Epauvillers aufgewachsen, in der Nähe des mittelalterlichen Städtchens St. Ursanne. Was hat Sie geprägt?

Meine Eltern führten einen Bauernhof. Dort wuchs ich zusammen mit einer Schwester und drei Brüdern auf. Mein Vater war Gemeindepräsident des damals über tausend Einwohner umfassenden Bauerndorfes. Und ja, es gab eine Kirche mit einem Priester, der viel betete und auch etwas autoritär war, aber respektiert. Diese Kirche steht immer noch in der Mitte des Dorfes und damals auch in der Mitte meines Herzens. Wenn ich ausser Reichweite unseres Hofes war, wussten meine Eltern, dass sie mich in der Kirche finden konnten.

Wollten Sie schon damals Priester werden?

Ja, unbedingt. Das war mir bereits mit sechs Jahren klar und hat sich nicht mehr verändert. Selbstverständlich habe ich mit meinen Freunden über die Berufung reflektiert – ganz besonders nach der Matura. Es blieb aber der rote Faden. Schliesslich ging es vor allem um die Frage, ob ich  Ordens- oder Weltpriester werden soll. Weil ich gerne mit Menschen unterwegs bin, habe ich mich für den Weltpriester entschieden.

Ist die Kirche für Sie auch heute immer noch Heimat?

Ja, ich fühle mich immer noch umfassend zu Hause. Das Bild ist im Laufe der Jahre noch klarer geworden: Die Kirche ist eine Versammlung von Menschen, die zusammen auf dem Weg zu Gott ist. Die zentrale Person ist Jesus Christus, der uns diesen Weg zum Vater zeigt. Es ist auch das Kreuz als Schnittpunkt zwischen der horizontalen Ebene der Menschen und der vertikalen göttlichen Ebene.

Sie ist aber seit Jahren auch ein Ort der Auseinandersetzungen..

Das ändert nichts an der Bedeutung der Kirche. Auf dem Weg sein, heisst manchmal auch zu streiten.

Aber es gibt viele Streitpunkte und der Graben zwischen Bewahrern und Fortschrittlichen ist gross..

Das stimmt, die Situation ist schwer ertragbar. Aber so wie Gott ein Geheimnis ist, verfügt auch die Kirche über geheimnisvolle Seiten. Zum Beispiel ist interessant, dass die Kardinäle nach den grossen Päpsten Johannes Paul II und Benedikt XVI im Konklave gebetet haben und dann einen Papst wie Franziskus gewählt haben. Er ist ein fantastischer Papst, der viele Türen öffnet, ohne den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Er ist ein Wegbereiter, der auf das Gespräch und synodale Prozesse setzt. Es gibt Grund zur Hoffnung!

Doch die Zeit drängt, zum Beispiel bei der Gleichstellung der Frauen..

Wir sollten nicht in zeitlichen Massstäben taktieren, sondern mit dem Heiligen Geist und dem Willen der Kirche vorwärts gehen. Und dieser Wille ist spürbar!

Wie denn?

Ich glaube, es ist an der Zeit, dass der Papst die Bischöfe zu einer Synode oder einem Konzil einberuft, um die Frage der Frauenordination zu besprechen.

Haben Sie angesichts all der Kriege und Streitereien in der Welt manchmal Zweifel an Gott und der Kirche?

Ja, es gibt Momente, wo ich Gott frage, weshalb er das zulasse und nicht interveniere? Aber gerade beim Stellen dieser Frage spüre ich jeweils die Gegenwart Gottes. Er ist und bleibt ein Geheimnis, aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, die Existenz Gottes in Frage zu stellen. Auch meine Berufung zum Priester und zum Weihbischof nicht.

Gott ist ein Geheimnis und immer grösser und anders als wir uns vorstellen können. Sind für Sie auch andere Religionen als Weg zu Gott denkbar?

Nein, aber es ist mir wichtig, dass wir uns respektvoll begegnen und voneinander lernen. Ich erlebe den Dialog zwischen den Religionen und zwischen den christlichen Konfessionen als äusserst wichtig und inspirierend. Wir sind alle auf dem Weg zu Gott und es sollte keinen Wettbewerb geben.

Welche andere Religion liegt Ihnen abgesehen vom Judentum besonders nahe?

Wir leben hier auch mit dem Islam. Das Gebet der Muslime ist für mich ebenfalls ein Zeugnis.

Wie hat sich die Rolle des Bischofs seit Ihrer Wahl im Jahre 2000 verändert?

Die gesellschaftlichen Entwicklungen und die fortschreitende Säkularisierung haben die Kirche durchgeschüttelt und sie herausgefordert über ihr Wirken nachzudenken und neue Wege zu gehen. Wir sind mitten in einem Prozess, der sich auf alle Mitglieder der Kirche auswirkt – auch auf die Bischöfe!

Konkret für Sie?

Es ist heute entscheidender denn je, mit den Menschen unmittelbar unterwegs zu sein und sie dort abzuholen, wo sie sind. Je schneller sich die Gesellschaft entwickelt, desto wesentlicher wird auch das Bewusstsein, dass Gott unser Zentrum ist. Mein Gegenüber soll spüren, dass die frohe Botschaft in mir wohnt und dass ich das Evangelium wage und weitergehen will. Die Bischöfe müssen heute mutiger und kommunikativer sein als früher.

Was möchten Sie bis zu Ihrer Pensionierung noch erreichen?

Ich möchte das Leben der Seelsorgenden vor Ort noch stärker teilen und mich für die Kirchenentwicklung engagieren. Als Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz liegt mir die Förderung der Kollegialität unter den Bischöfen sehr am Herzen.

Und auf der persönlichen Ebene?

Hier wünsche ich mir ein besseres Gleichgewicht zwischen Gebet und Arbeit sowie eine grössere Präsenz bei Menschen in Not. Zudem möchte ich mehr Zeit haben, mich auf meine Ewigkeit vorzubereiten.

 

 

Zur Person

Denis Theurillat, am 21. September 1950 in Epauvillers (JU) geboren, studierte in den Kollegien Saint-Charles in Porrentruy (JU) und Saint-Maurice (VS) sowie an der Universität Freiburg (CH), wo er 1975 mit dem Lizentiat in Theologie abschloss. Am 28. Juni 1975 wurde er in Delémont zum Diakon und am 16. Mai 1976 in Saignelégier zum Priester geweiht. Nach Vikariaten in Bassecourt (1976-80) und Saint-Imier (1980-83) war er ab 1985 als Priester im Pastoralraum TRAMATA ( Tramelan – Malleray-Tavannes ) tätig. 1997 wurde Denis Theurillat Bischofsvikar für den französischsprachigen Teil des Bistums Basel und am 17. April 2000 Weihbischof des Bistums Basels. Am 22. Juni 2000 empfing er von Bischof Kurt Koch die Bischofsweihe in der Kathedrale in Solothurn. Denis Theurillat ist zudem Titularbischof von Tubulbaka und residierender Domherr des Standes Bern. Er ist Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz. Während 12 Jahren war er Jugendbischof für die Schweiz. Aktuell ist er zuständig für die Frauenfrage und die Ökumene. Besonders am Herzen liegen dem Weihbischof die Orden und Religionsgemeinschaften, für die er im Rahmen des Bistums Basel verantwortlich zeichnet.

Diese Webseite benutzt Cookies für Statistiken, zur Seitenoptimierung und für zielgerichtetes Marketing. Mit der weiteren Benutzung dieser Seite akzeptieren Sie den Einsatz von Cookies zu diesen Zwecken. Lesen Sie hier mehr.