Bistum Basel

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Differenzen zwischen Homosexuellen und Kirche bei «Regenbogenpastoral»

Das Bistum Basel hat letzte Woche für Furore gesorgt. Ein schwuler Theologe, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, erhält keine bischöfliche Missio, sprich: Er darf nicht in einer psychiatrischen Klinik arbeiten. Die Reaktionen waren eher unerfreut. Der Seelsorger Christian Leutenegger hat einen wütenden Leserbrief an die Tageszeitungen geschickt. Das Bistum Basel wehrt sich nun.

Francesca Trento, kath.ch

«Ich habe mich über das Projekt ‹Regenbogenpastoral› sehr gefreut», sagte der Christian Leutenegger gegenüber kath.ch. «Aber die kürzliche Verweigerung der Missio an einen schwulen Seelsorger macht mich wütend.»

«Wäre ich offiziell ehrlich, wäre ich runiert.»

«Sind diese hehren Grundsätze, zitiert aus dem Flyer ‹Regenbogenpastoral› des Bistums Basel nicht einmal das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind?», leitet Leutenegger den Brief ein. Er wirft dem Bistum Basel vor, mit dem neuen Angebot «Regenbogenpastoral» fortschrittlich unterwegs sein zu wollen und sich in der Öffentlichkeit feiern zu lassen. Aber «bei der erstbesten Gelegenheit, die Ernsthaftigkeit des Anliegens unter Beweis zu stellen, wird einem schwulen Seelsorger, der in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, die Arbeitserlaubnis (bischöfliche Missio) verweigert», so Leutenegger im Brief.

«Das hinterlässt bei mir einen schalen Nachgeschmack.»

«Wenn jemand inoffiziell mit seinem Partner lebt, bekommt er die Missio», so Leutenegger. «Wer aber ehrlich ist und seiner Partnerschaft einen verbindlichen und offiziellen Rahmen gibt, ist im Kirchenberuf runiert.» Und genau dies prangert er an. Wenn sich jemand offiziell in einer Partnerschaft eintragen lässt, zeige dies doch, dass eine ernsthafte, monogame Beziehung geführt werde. Wieso die Kirche, die doch für Monogamie und Ehrlichkeit stehe, dies nicht akzeptiert, sei für ihn unverständlich. «Je ehrlicher man ist, desto mehr Haken stellt einem die Kirche. Das hinterlässt bei mir einen schalen Nachgeschmack.»

Bistum Basel zeigt Verständnis

Das Bistum Basel sieht die Spannung zwischen kirchlichen Normen und der Anerkennung von Homosexualität in der Gesellschaft von heute ebenso, wie Hansruedi Huber, Mediensprecher, gegenüber kath.ch versichert. «Bischof Felix Gmür schmerzt diese Kluft », so Huber, weiter. «Unserem Bischof liegt die Weiterentwicklung der Kirche sehr am Herzen. Das zeigt auch die Entstehung der ‹Regenbogenpastoral›», so Huber weiter. Nur habe er nicht überall denselben Spielraum. Für gewisse Veränderungen von Normen könne er sich einsetzen, aber das geltende kirchliche Recht müsse er trotzdem gewährleisten.

Ähnlich sei es beim Engagement für Frauen in der Kirche, so Huber weiter. «Im Bistum Basel gibt es zum Beispiel Frauen in allen Führungsebenen. Dass es dennoch keine Priesterinnen gibt, ist kein ‘Etikettenschwindel’, sondern schlicht ein weltkirchlicher Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist.»

«Infantile» katholische Kirche

Für den Ex-Katholiken, nun reformierten Pfarrer Josef Hochstrasser, ist der Entscheid ebenso unverständlich. «Ich finde das infantil», so Hochstrasser gegenüber Tele1 (14. Juni). «Man darf doch nicht ständig den Papi fragen müssen, ‘was sagt er dazu?’ Ein Bischof müsste selbstbewusster sein und sagen, auch ein Homosexueller kann gute Seelsorge betreiben.»

«Alle, die in einem Unternehmen arbeiten, wissen, dass sie sich gegenüber dem Arbeitgeber loyal verhalten müssen», kontert Huber diese Kritik. In der Kirche sei das nicht anders. Bischof Felix Gmür engagiere sich deshalb auf verschiedenen Ebenen und bringe sich in Rom ein. «Wenn der ehemalige Katholik Hochstrasser Loyalität als ‘infantil’ bezeichnet, spricht das für sich. Eine Organisation bringt man nicht weiter, wenn man sie verlässt und von aussen kritisiert.»

«Als schwuler Mann kann ich gerne auf das Angebot verzichten.»

Für den katholischen Seelsorger Leutenegger ist indes klar: «Solange die Kirche ihre internen Probleme nicht löst, soll sie auch nicht solche Fortschritte nach Aussen predigen. In seinem Leserbrief ging das Adamim-Mitglied so weit, dass er auf das Angebot der Regenbogenpastoral lieber verzichte. «Als schwuler Mann kann ich auf obiges Angebot gerne verzichten, wenn es das Bistum nicht mal schafft, für die eigenen Mitarbeiter die schön formulierten Grundsätze in die Tat umzusetzen.»

Die Kirche disqualifiziere sich dadurch als Gesprächspartner gleich selbst, schloss Leutenegger seinen Leserbrief. Er rate der Kirche, das «Regenbogenpastoral»-Angebot lieber bleiben zu lassen, solange sie dem gesellschaftlichen Wandel hinterherhinke.

Nicht «im Keim ersticken»

Diese Frustration versteht man in Solothurn gut. Das Bistum bleibe aber an dem Projekt dran, auch wenn Leutenegger der Kirche rät, diese Angebote lieber bleiben zu lassen, solange der interne Streit nicht endlich vom Tisch sei. «Es ist schade, wenn ein entwicklungsorientierter Schritt wie die ‹Regenbogenpastoral› im Keim erstickt wird, nur weil es sich eben erst um einen kleinen Entwicklungsschritt in die richtige Richtung handelt.»