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Priorin Irene Gassmann predigt am Patronatsfest: «Hoffnung wächst in der Bedrängnis»

Irene Gassmann, Priorin Kloster Fahr
Irene Gassmann, Priorin Kloster Fahr

Das Fest der Märtyer und Stadtheiligen von Solothurn,  St.Urs und St.Viktor, stand im Zeichen der Hoffnung und kirchlichen Entfaltung. Bischof Felix Gmür lud Priorin Irene Gassmann ein, die Festpredigt zu halten:

 

Liebe Schwestern und Brüder

«Die Hoffnung stirbt zuletzt». Diese Redewendung ist uns vertraut. Erinnern Sie sich, wann Sie diese Aussage letztmals gehört oder selber ausgesprochen haben? «Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagte mir kürzlich eine krebskranke Frau. Menschen mit der Diagnose «unheilbar» haben oftmals eine unglaublich grosse Hoffnung. Ich bin immer wieder berührt und erstaunt über die Hoffnung und Lebenskraft, die kranke Menschen in sich tragen und ausstrahlen. Ja, Hoffnung wächst in der Bedrängnis. Diese Erfahrung machte auch Paulus und gab sie an die Christen in Rom weiter. Wir haben es heute in der Lesung gehört. Paulus schreibt: «Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung» (Röm 5,3-4). Hoffnung ist etwas «Zartes» und somit etwas zu dem wir Sorge tragen müssen. Auch dessen war sich Paulus bewusst und ermahnt uns in der Lesung: «Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.» (Röm 5,5). Gottes Geist wohnt in unserem Herzen. Als Getaufte tragen wir diese Geistkraft in uns, sie ist der Grund unserer Hoffnung. Wie oft vergessen wir dies; denken wir nicht daran - Gott aber ist treu.

Diese Erfahrung verdichtet Silja Walter in einem ihrer Texte, in einem Osterlied:

«Grösser als alle Bedrängnis ist deine Treue, Herr. Du sprengtest unser Gefängnis, du bringst uns das Neue, Herr. Dein Leben will singen aus Tod und Misslingen.»

Gottes Treue trägt uns in aller und jeder Bedrängnis. Und in dieser Bedrängnis wächst die Hoffnung, Hoffnung auf das Neue. «Die Hoffnung stirbt zuletzt» das könnte durchaus auch als Leitmotiv über dem Leben der Heiligen Urs, Viktor und Verena stehen. Diese Soldaten und ihre Gefährtinnen und Gefährten aus der Thebais waren von einer grossen Hoffnung erfüllt. Anders kann ich mir nicht vorstellen, dass sie den Weg über die Alpen bis zu uns gefunden hätten. Sie haben Strapazen und auch Verspottung auf sich genommen. Sie haben Gottes Geistkraft und Treue erfahren und sie haben auch ihm diese Treue gehalten bis in den Tod.

«Hoffnung» - Was ist eigentlich «Hoffnung»? Wir sprechen viel von Hoffnung. Wir hoffen auf dies oder jenes, so zum Beispiel auf schönes Wetter, auf Genesung in einer Krankheit, auf eine erfolgreiche Prüfung. Wir reden von Hoffnung, aber wie können wir Hoffnung beschreiben? Was ist Hoffnung? Paulus schreibt an anderer Stelle an die Christen in Rom: «Hoffnung aber, die man erfüllt sieht, ist keine Hoffnung.» (Röm 8,24). Wenn wir von Hoffnung sprechen, haben wir, wenn wir ehrlich sind, oft ganz klare Vorstellungen wie etwas ausgehen soll. Oder wir hoffen, dass etwas so bleibt wie es ist und sich nicht verändert. Aber so ist «Hoffnung» nicht, sagt uns Paulus ganz klar. Das ist keine Hoffnung, das sind Wünsche, manchmal sogar ganz fromme Wünsche. Vaclav Havel, der ehemalige tschechische Staatspräsident, legt eine weitere Spur wie wir Hoffnung verstehen können. Er sagte einmal: Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Das ist Hoffnung, die trägt: Vertrauen darauf, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht!

Unser Ordensvater, der heilige Benedikt, gibt uns in seiner Regel eine Reihe von Werkzeugen mit auf den Weg der Gottsuche. Eines davon spricht von der Hoffnung: «Seine Hoffnung Gott anvertrauen». Wenn wir unsere Hoffnung Gott anvertrauen und nicht auf unsere eigenen Vorstellungen setzen, kann das Wunder der Hoffnung in uns wachsen. Einen ähnlichen Schlüssel zur Hoffnung gibt uns Jesus im heutigen Evangelium:

«Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht».

Ist es nicht auch so mit der Hoffnung? Wenn wir darauf fixiert sind, wie etwas auszugehen hat, dann geben wir der Hoffnung wenig oder keine Chance zur Entfaltung. Jesus ermutigt uns, unsere fixen Vorstellungen von Hoffnung loszulassen, offen zu sein für Unerwartetes, für Neues. Das zeigt er uns mit dem einfachen Bild eines Weizenkorns. Der brasilianische Bischof, Dom Helder Camara, formulierte einmal: «Hoffnung, die das Risiko scheut, ist keine Hoffnung». Wagen wir es, unserer Hoffnung Raum zugeben für das Risiko, für das Überraschende in unserem persönlichen Leben, aber auch für unsere Kirche.

Irene Gassmann, Priorin Kloster Fahr

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