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Notfallseelsorge stärker gefragt

Ökumenische Notfallseelsorge
Wie ein Rettungsboot: Die Notfallseelsorge, sinnbildlich fotografiert vor einem Jahr aus Anlass des Landeskirchen-Jubiläumsjahrs. © Thomas Stucki

Notfallseelsorgende und Care Givers im Kanton Luzern haben im vergangenen Jahr 99 Einsätze geleistet, das ist ein neuer Höchststand. Am häufigsten gefragt waren die Teams erneut bei ausserordentlichen Todesfällen. Die Corona-Pandemie führte zu Anpassungen.

Von Dominik Thali 

Die Organisation Notfallseelsorge/Care Team kümmert sich in Notsituationen um Angehörige, unverletzte Beteiligte und Zeugen, sie leistet den Hinterbliebenen Beistand bei Suizid oder beim Überbringen von Todesnachrichten. 2020 wurden Mitglieder des Teams 99 Mal aufgeboten; das waren 9 Einsätze mehr als im Vorjahr. Dies ist ein neuer Höchststand seit der Gründung der Notfallseelsorge 2006. Die Einsatzzahlen sind inzwischen rund 50 Prozent höher als damals.

Die Corona-Pandemie führte zu Anpassungen. Es mussten Schutzmassnahmen umgesetzt werden, und einige Beratungen fanden telefonisch statt. Zudem stand die Notfallseelsorge/Care Team mit dem kantonalen Führungsstab in Verbindung, um Szenarien zur Bewältigung von übermässig vielen Todesfällen zu erörtern.

Mehr Verkehrsunfälle, weniger Suizide
Am häufigsten gerufen wurden Notfallseelsorgende und Care Givers im vergangenen Jahr wiederum bei ausserordentlichen Todesfällen (37, Vorjahr 36). Die Einsätze bei Suiziden sanken von 23 auf 15, bei Verkehrsunfällen stiegen sie von 6 auf 14. Der Aufwand an Personal und Stunden blieb mit 879 (863) ungefähr gleich. Das ergibt rund neun Stunden pro Einsatz. Bei manchen Einsätzen rücken mehr Notfallseelsorgende/Care Givers aus als die üblichen zwei. 2020 verzeichnete das Team einen Grosseinsatz, dies war ein Badeunfall in der Öffentlichkeit mit vielen Zeugen.

Aussergewöhnliche Todesfälle, von denen es 2020 etwa gleich viele gab wie im Jahr zuvor, sind beispielsweise plötzliches Herzversagen in der Öffentlichkeit oder daheim. In diesen Bereich fallen auch Todesfälle nach längerer Krankheit. Hier gelangen auch Aufgebote an die NFS/CT, die keine eigentlichen Care-Einsätze sind und früher von den ortsansässigen Pfarrämtern übernommen wurden. Notfallseelsorge/Care Team haben es immer wieder mit Betroffenen zu tun, die kaum ein soziales Netz und niemanden haben, der sie in der Not auffangen könnte.

NFS/CT stand wiederum auch bei vielen Suiziden (15) im Einsatz. Die Belastung der Angehörigen ist bei einem solchen Todesfall besonders gross, da neben dem meist unverhofften Todesfall immer auch Abklärungen durch Polizei und Untersuchungsbehörden stattfinden müssen.

Der Aufwand bleibt damit weiterhin gross, verglichen mit den früheren Jahren. Die Care-Arbeit hat sich weiter gefestigt und wird von den Betroffenen gerne in Anspruch genommen. Es werden, um professioneller arbeiten zu können, grundsätzlich Zweierteams aufgeboten. Im Oktober wurde die Alarmierung von Telefonanruf auf Notruf-App umgestellt.
 

Kontakt:
Christoph Beeler-Longobardi, Ballwil
076 310 62 88


Von den Kirchen mitgetragen

Die Organisation Ökumenische Notfallseelsorge/Care Team Kanton Luzern besteht in dieser Form seit rund acht Jahren, als sich die beiden Partner zusammenschlossen. Sie wird gemeinsam getragen von den drei Luzerner Landeskirchen und vom Kanton.

Aufgeboten werden die Notfallseelsorgenden und Care Givers vom Rettungsdienst 144, von der Polizei oder der Feuerwehr. 365 Tage, rund um die Uhr, sind zwei Seelsorgende/Care Givers auf Pikett. Die Zusammenarbeit mit den Blaulichtorganisationen ist sehr gut.

Die Leitung des NFS/Care-Teams teilen sich Christoph Beeler-Longobardi (Ballwil), Leiter des Pastoralraums Oberseetal, und Thomas Seitz (Luzern). Das Team besteht zurzeit aus 38 aktiven Mitarbeitenden. Von diesen sind 2 Frauen und 3 Männer in der Seelsorge tätig, die weiteren in anderen Bereichen, etwa der Pflege, Betreuung oder Coaching. Der Soll-Bestand beträgt 45 Mitarbeitende.

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