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Zum Gedenktag von Marguerite Bays, der Heiligen von nebenan

Marguerite Bays
Marguerite Bays war Patin zahlreicher Kinder

Am 27. Juni gedenkt die Kirche der am 13. Oktober 2019 in Rom von Papst Franziskus  kanonisierten Heiligen aus der französischsprachigen Schweiz. Marguerite Bays (1815-1879) hat gestrickt, genäht und war in bäuerlichen Verhältnissen aufgewachsen. Vor 81 Jahren ist sie im 64. Altersjahr verstorben. 

Von Stephan Leimgruber, Prof. em. theol., im Interview mit Dr. Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte an der Univesität Luzern.
 

Marguerite Bays gilt als «Heilige zum Anfassen», «Heilige von nebenan», «Heilige des Alltags». Herr Professor Dr. Markus Ries, sie haben sich näher mit ihrer Biographie und ihrem Wirken befasst. Sind die genannten Charakterisierungen der Heiligen Marguerite zutreffend?
Eine solche Beschreibung erleichtert heute natürlich den Zugang: Heilige sind ja oft vereinfachend und in ziemlich überholter Weise verstanden als Gestalten „auf dem Sockel“. Wird nun jemand als Mensch auf Augenhöhe dargestellt, so schafft das Nähe und Beziehungsmöglichkeit. Gewiss: Marguerite Bays lebte in einfachen Verhältnissen – wie viele andere in ihrem Dorf auch. Etwas Besonderes war ihre Frömmigkeit; dadurch war sie schon in der Zeit selbst eine ungewöhnliche Frau.

Im Unterschied zu vielen heilig gesprochenen Frauen war die Heilige Marguerite keine Akademikerin und keine Ordensfrau. Sie zirkulierte nicht in «besseren Kreisen» der kirchlichen Obrigkeit. Was waren denn Kennzeichen ihres Arbeitens und Wirkens, ihres Glaubens und Betens?
„Akademikerin“ ist nicht überdurchschnittlich häufig ein Attribut heiliger Frauen. Bei Marguerite Bays fallen ihre ausgeglichene Lebensführung, ihre Ehrlichkeit und ihre Hilfsbereitschaft ins Auge. Kennzeichen ihres Lebens waren darüber hinaus ihre Krankheit und dann besonders ihre Religiosität.

Eine gewisse Nähe hatte die westschweizer Heilige zu Franziskus. Zwei Ähnlichkeiten gibt es in ihrem Leben zu Franziskus: Zum einen die Liebe zur Menschwerdung dargestellt in der Krippe. Sie bastelte selbst eine Krippe und erfreute sich des Kindes Jesu. Franziskus hat in Creccio erstmals unsere heutige Krippendarstellung inszeniert mit Ochs und Esel. War es der Christus der Armen, der sie begeisterte? Oder war es die Katechese, in der sie tätig war?
Ja, die Beziehung zum heiligen Franziskus ist deutlich zu beobachten. Die primäre Verbindung sehe ich dabei eher nicht in der Krippe, sondern im Versuch, Christus auf den Spuren des Heiligen aus Assisi zu folgen. Er ging konsequent den Weg der Armut, der Einfachheit und der Fürsorge. Mit dieser Haltung dürfte Marguerite durch Kapuziner in Verbindung gekommen sein. Im Jahr 1861 ließ sie sich als Terziarin in den Dritten Orden des hl. Franziskus aufnehmen.

Das zweite Kennzeichen einer gewissen Verwandtschaft zu Franziskus sind die Wundmale. Franziskus erhielt sie in La Verna, Marguerite im Zusammenhang mit dem Christusgedenken am Freitag als dem Tag des Sterbens Jesu. Wie erklären Sie Sich die Stigmata?
Die Stigmata entziehen sich vereinfachten Erklärungen und Deutungen. Kirchengeschichtlich fällt auf, dass Berichte darüber in den verschiedenen Epochen unterschiedlich häufig auftreten. Der hl. Franziskus machte als erster diese Erfahrung, ihm folgten bis heute rund 400 weitere Personen. Sechs von sieben solcher Zeugnisse stammen von Frauen; im 19. Jahrhundert – also in der Zeit der hl. Marguerite - waren es sogar ausschließlich Frauen.

Die neu kanonisierte Heilige arbeitete zuhause in traditionellen Berufen wie Näherin, Strickerin und Bäuerin. Auch ihre Frömmigkeit war eher an traditionellen Mustern orientiert. Sehen Sie darin ein gutes Omen für die heutige Zeit und die Bewährung des Glaubens in einer weltlich gewordenen Welt?
Diese Berufe waren damals gängig und sehr verbreitet, heute hingegen werden unsere Kleider und immer mehr auch unsere Lebensmittel auf anderen Kontinenten produziert. Auch die Frömmigkeit war durchaus zeitgemäß und nicht etwa rückwärtsgewandt. Man  kann also im Blick sowohl auf die alltägliche Arbeit als auch auf die Religiosität davon sprechen, dass die hl. Marguerite mit der Zeit ging – mit der damaligen Zeit. Ich lese es als Aufforderung für uns kirchliche Menschen, dass wir der Welt und der Zeit voraus sein sollen – nicht dem Vergangenen nostalgisch nachhängen.

Die Heilige Marguerite Bays gilt als Fürsprecherin für Bergsteigerinnen und Bergsteiger aufgrund eines Seilrisses und der Rettung eines Bergsteigers von vieren. Sie kann also angerufen werden, wenn Menschen in Bergnot sind. Wann überhaupt ist das Bittgebet am Platz? Sind da nicht magische Reste des Vertrauensglaubens?
Das Bittgebet ist immer am Platz; es gehört zu einer intakten Beziehung zu Gott. Vertrauensglauben ist Ausdruck von Hoffnung und damit einer christlichen Haupttugend. Fürbittendes Vertrauen öffnet sich dem Wirken Gottes. Magie ist etwas ganz anderes: Eine Person, die magische Handlungen vollzieht, bildet sich ein, aus eigenem Vermögen irgendwelche obskuren Kräfte mobilisieren zu können.

Was sind die Chancen einer heiligen Frau für heutige Menschen, die die sich um einen aktuellen und zeitgemässen, mündigen  Glauben bemühen und zugleich Suchende und Fragende sind?
Eine heilige Person erinnert und ermutigt uns im Blick auf die eigene Berufung, nämlich: in Gemeinschaft mit Gott zu leben, seine und ihre Nähe zu suchen, zu bezeugen und in die Tat umzusetzen. Und schließlich: Hoffnungsvoll, vertrauend und geradezu vorwegnehmend ausgerichtet zu sein auf das, was kommen wird.

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