Bistum Basel

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Erstkommunion in Coronazeiten

Vor einem Jahr haben wir an dieser Stelle bedauert, dass die Erstkommunion 2020 an vielen Orten ausfallen oder  verschoben werden musste wegen des kompletten Lockdowns und infolge des Gottesdienstverbots in der Osterzeit. Inzwischen sind Gottesdienste wieder erlaubt, aber nur für maximal 50 Personen. Das bringt eine tiefgreifende Veränderung des Weissen Sonntags mit sich.

Von Dr. Stefan Leimgruber

Es werden nur Erstkommunionfeiern in kleineren Gruppen möglich sein, mit höchstens 50 Personen. Das heisst, mit ca. acht bis zehn Erstkommunionkindern, deren Eltern und Paten, vielleicht noch die Geschwister sind die Gottesdienste bereits ausgefüllt. Anstelle der grösseren Feiern in  vollen Kirchen werden mehrere solcher  Erstkommunionen mit jeweils 50 Personen gefeiert. Man wird auf manche traditionelle Festlichkeiten mit Menschenansammlungen verzichten, etwa die Begleitung einer Dorfmusik, grössere Umzüge und nach den Feiern wird es keinen Begrüssungsapéro geben. Jedenfalls sieht es gegenwärtig so aus. Die Frage stellt sich, ob mit diesen kleineren Feiern nicht neue Möglichkeiten für ein  tiefergehendes Erleben der Erstkommunion gegeben sind.

Neue Chancen in kleineren Gruppen

Die markante Veränderung spielt sich in der Erfahrung der Kinder ab. Sie begegnen Jesus Christus nicht in einer Grossgruppe mit einigen äusserlichen Festlichkeiten, sondern vermehrt und vielleicht inniger in der Kleingruppe. Das festliche Brimborium wird grösstenteils entfallen, inklusive ein grosses Essen mit der Verwandtschaft und ein erlebnisorientierter Ausflug. Die Geschenke werden angepasst. Die Aufregung für Kinder in einer locker mit 50 Personen besetzten Kirche dürfte kleiner sein als wenn grosse Pfarreien und viele Bekannte dabei sind. Die Ablenkung von Fotografen und vielfältigen Dekorationen könnte auf das Wesentliche umgelenkt werden: Auf den Empfang des Leibes Christi und die Aufnahme des Geistes Jesu im Herzen. Er ist doch die Hauptperson bei der Erstkommunion. Er lädt die Kommunikanten erstmals an seinen Tisch. Und sie dürfen erstmals seine Gäste sein. Er bringt ihnen eine frohmachende Botschaft für das ganze Leben. Er gibt ihnen Orientierung und Halt. Seine Worte gilt es aufzunehmen und zu beherzigen. Er schenkt sich ihnen unter der zeichenhaften Gestalt des gesegneten und geheiligten Lebensbrots.

Herausforderung bereits in der Katechese

Was coronabedingt zu vermeiden ist, sind grosse Ansammlungen von Menschen, denn solche Treffen erhöhen das Infektionsrisiko. Vielerorts gibt es eine Maskenpflicht - zumal für Erwachsene, und es wird überlegt, wieweit mit Kindern gesungen werden kann. Die katechetische Vorbereitung auf die Erstkommunion wird sich 2021 eher in kleineren Gruppen abspielen. Der Unterricht im Freien wird neu erprobt, und es gibt vermehrtes Stationen-Lernen. Dazu werden Parcours erstellt, wo die Kinder einzeln an den Lernorten vorbeigehen und dort Aufgaben lösen können. Da viele Kinder bereits ein Handy haben, können Lieder und bestimmte Aufgaben mit Apps erprobt werden.

Das Thema Brot gehört zu den Basics einer Erstkommunionvorbereitung. Brot wird in seinen vielfachen Bezügen in Gesprächen erarbeitet: Der Werdegang des Brots, Brot als Nahrungsmittel und im übertragenen Sinne als Lebensunterhalt: sein Brot verdienen, aber auch Hunger wird thematisiert,  weiter ist auf das gesegnete Brot und das geheiligte Brot als Leib Christi hinzuweisen. Die Katechetinnen sind zu vermehrtem Kleingruppenunterricht herausgefordert. Individualisiertes Lernen ist angesagt, selbst wenn es mehr Zeit und Kraft in Anspruch nimmt.

Stärkere Verantwortung der Eltern und Erziehenden

Gerade weil die Pandemie zahlreiche Einschränkungen mit sich bringt und vielerorts eine Verkürzung der Katechese bewirkt, braucht es ein grösseres Engagement und Zeugnis der Eltern. Es ist gut, wenn Kinder erleben, dass die Person Jesus Christus für Vater und Mutter eine wichtige Rolle im Leben spielt; es macht Sinn,  wenn Kinder erfahren, dass die Eltern sich an Gott wenden und beim Essen sich nicht gedankenlos auf die Gaben stürzen. Und es hilft den Kindern, eine Beziehung zu Jesus aufzubauen, wenn sie spüren, dass Eltern und Paten aus dieser Beziehung leben. Für Kinder wird die religiöse Erziehung auf die Erstkommunion erst stimmig, wenn sie wahrnehmen, welche Bedeutung die Kommunion für die Eltern hat. Oft helfen die Patin bzw. der Pate oder weitere Bezugspersonen bei der religiösen Erziehung mit, wenn sie den Kindern biblische Geschichten erzählen und sie zu Kindergottesdiensten begleiten. Wer lehrt die Kinder beten, wenn nicht Mutter und Vater? Wenn das Kind bei ihnen und den Geschwistern und weiteren Kindern ablesen kann, wie beten geht, dann bleibt das Gebet nichts Fremdes, sondern kann ins Leben aufgenommen werden. Gewiss, später werden die einstigen Kinder zu einer  persönlichen Entscheidung gelangen, ob und wie stark sie Leben und Glauben verbinden wollen.

Die Bedeutung der Grosseltern für die religiöse Erziehung

Vor drei Jahrzehnten hat der evangelische Religionspädagoge Ulrich Schwab die erstaunliche Erkenntnis gewonnen, dass die Grosseltern in vielen Familien eine nachhaltige Wirkung auf die religiöse Erziehung der Grosskinder haben. Dies gilt auch für den Weg zur Erstkommunion. Weil viele Eltern in dieser Lebensphase beruflich stark eingebunden und gefordert sind, delegieren manche diesen Part (mehr oder weniger bewusst) an die Grosseltern (oder den Religionsunterricht), die öfter Zeit für die Kinderbetreuung haben und insgesamt wichtige Gesprächspartner der Kinder sind. Nicht selten erzählt die Grossmutter den Kindern Geschichten, auch biblische Geschichten, werden Kapellen und Kirchen besucht und dort mit ihnen Kerzen angezündet. Zahlreiche Grosskinder lernen bei ihren Grosseltern,  wie das Kreuzzeichen geht und wie sie beten. Gewiss, die Coronapandemie behindert auch den Kontakt mit den Grosseltern, insbesondere wenn sie fortgeschrittenen Alters und in Pflegeheimen sind. Viele Grosseltern gehören aber zu den «jungen Alten» und können durchaus mit den Kindern in Kontakt stehen. Es ist erkannt worden, wie lebenswichtig die sozialen Kontakte über die  Generationen hinweg sind. Die für viele schwere Zeit macht erfinderisch. Erstkommunion 2021 muss nicht entfallen, aber Vorbereitung und (mehrere) Feiern werden in neuen kleineren Dimensionen geschehen. Für die Kinder vielleicht gewinnbringender!

 

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