Bistum Basel

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«Während einer Visitation kann ich der Gemeinschaft auf den Puls fühlen»

Bischof Felix hat per 1. Juni 2017 Weihbischof Denis Theurillat neu zum Bischofsvikar für Orden und religiöse Gemeinschaften ernannt. Im Interview berichtet Weihbischof Denis, inwiefern ihn dieses neue Amt bewegen, erfüllen und herausfordern wird.

Interview: Anouk Hiedl

Weihbischof Denis, bisher hatten Sie das Spezialmandat für Orden und religiöse Gemeinschaften inne. Fühlen Sie sich einem Orden oder einer Gemeinschaft besonders verbunden?

+Denis Theurillat: Ja, ich hatte dieses Spezialmandat zwei Jahre lang inne. Orden und religiöse Gemeinschaften waren mir in meinem Leben und meinem Amt immer sehr wichtig. Dabei bin ich mit keiner Gemeinschaft stärker verbunden als mit anderen: Mit einigen pflege ich jedoch einen besonders guten Kontakt.

Per 1. Juni sind Sie als Bischofsvikar für Orden und religiöse Gemeinschaften tätig. Was erwarten Sie von Ihrer neuen Funktion? Was wird im Vergleich zum Spezialmandat anders oder neu?

Das Spezialmandat kam zu meinen anderen Mandaten hinzu, z. B. in der Liturgie oder in der Taufpastoral. Ich tat, was ich konnte. Ich erwarte, nun etwas mehr Zeit zu haben, den Orden und religiösen Gemeinschaften zu dienen und werde mich vermehrt auf diese anvertraute Mission konzentrieren. Die Verantwortung dafür, so scheint mir, ist und bleibt immer noch dieselbe. Ich möchte betonen, dass ich dabei nicht allein bin. Schwester Nadja Bühlmann vom Kloster Baldegg arbeitet als Ordensfrau und Juristin mit mir zusammen. Dafür bin ich ihr und auch dem bischöflichen Ordinariat sehr dankbar.

Sie geben die Leitung des Bereichs Pastoral und Bildung an Barbara Kückelmann ab. Weshalb konzentrieren Sie sich nun auf Orden und religiöse Gemeinschaften?

Mit Bedauern verlasse ich das Bischofsvikariat für Pastoral und Bildung. Es gibt dort so viel zu tun und weiterzuverfolgen. Im Grunde sind alle Bereiche spannend – nicht einfach, aber spannend! Ich bedaure mein Weggehen auch, weil ich dort in den letzten sechs Jahren und nur zu 40% gerne im Fünferteam gearbeitet habe. Teamarbeit ist mir sehr wichtig – eine gute Gelegenheit, meinem Team der letzten Jahre hier ein offenherziges Merci auszusprechen. Ich verlasse es, weil es mir unmöglich wurde, alles umzusetzen, was von mir verlangt wurde – dies u. a. auch, weil es im Bistum Basel nur noch einen Weihbischof gibt. Deshalb musste ich wählen. Ohne die Verantwortung für das Vikariat Pastoral und Bildung werde ich wohl mehr Zeit fürs Bischofsvikariat für Orden und religiöse Gemeinschaften haben. Wir werden sehen.

Was muss man sich unter Ihren Visitationen vorstellen?

Für meinen Auftrag ist es mir wichtig, dass ich mit jeder Gemeinschaft Kontakt aufnehmen und mich zumindest beim ersten Treffen auch mit dem oder der Oberen austauschen kann. Gemeinschaften, die dem Diözesanbischof direkt unterstellt sind, ist die Visitation kirchenrechtlich vorgeschrieben. Eine Visitation findet in der Regel vor der (Wieder-)Wahl von Oberen statt. Dabei spricht der Bischof mit allen Klostermitgliedern. Jede/-r kann ihm alles anvertrauen, was sie oder er auf dem Herzen hat. Während einer Visitation kann ich der Gemeinschaft auf den Puls fühlen und die (Wieder-)Wahl mit vorbereiten – eine anspruchsvolle und wichtige Mission.

Wie entscheiden Sie, wann Sie wo zur Feier von Liturgie und kirchlichen Festen vor Ort sind?

Dies kommt auf die Gemeinschaft an. Für gewisse Wünsche, Jubiläen, Feste und Trauerfeiern fragen die Gemeinschaften an, umgekehrt kommt es seltener vor.

Handelt es sich bei Ihrem Auftrag um eine Aufsichtsfunktion?

Nein, ich sehe diesen nicht als Überwachungsmittel. Die Gemeinschaften führen und gestalten ihr Leben. Sie sind unabhängig – und das ist gut so. Da sie aber zum Bistum gehören, ist es sehr wichtig, dass die Gemeinschaft sowie das Bistum und der Bischof gut miteinander kommunizieren. Die entsprechende Arbeit ist für beide Seiten interessant.

Wie gehen Sie bei Krisen vor, z. B. der Schliessung  von Klöstern?

Definieren wir zuerst, was wir unter einer Krise verstehen. Von welcher Art Krise sprechen wir – ist es eine personelle oder finanzielle Krise? Wie auch immer, wie überall lässt man sich dazu auf erste Begegnungen und eine Situationsanalyse ein, um zu sehen, wie man weiterkommen kann. Dabei gibt es stets gleich viele Lösungswege wie Krisensituationen. Es ist sehr selten, dass ein Kloster als Folge einer Krise geschlossen wird , aber es kommt in der Tat vor. Der Grund dafür ist leider meistens, dass die Zahl der Mitglieder zu tief sinkt, um das Gemeinschaftsleben fortzuführen..

Was haben Sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen?

Ich weiss nicht, wie lange ich diese anvertraute Aufgabe ausführen werde, zudem bin ich kein Spezialist dafür. Über meine Vorsätze habe ich noch nicht gross nachgedacht, ich wünsche mir aber, alle Gemeinschaften und ihr Leben besser kennenzulernen, ihre Ideale besser zu verstehen und sie bereichernd zu begleiten, sofern dies gewünscht bzw. gefragt wird.

Was könnte schwierig werden?

Positiv, konstruktiv, dynamisch und zugleich realistisch zu bleiben, egal wie es um die Gemeinschaft steht, die ich besuche. Für einige stellt sich die Frage, was die Zukunft bringt. Die Antwort darauf ist nicht immer einfach, da die Gemeinschaft die Situation akzeptieren muss – und ich auch. Ist dies der Fall, wird es einfacher.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich vor allem auf mein Privileg, Männern und Frauen des Gebets und der Tat begegnen zu dürfen. All ihr Denken und Teilen ist in ihrer Gott gewidmeten Lebensart verwurzelt – vor diesem Erfahrungsschatz verneige ich mich mit Respekt und Dankbarkeit.

Weiterführende Links

kath.ch, 15.5.2017, Interview mit Barbara Kückelmann, Stv. Leitung der Abteilung Pastoral und Bildung: «In der Industrie wären wir die Abteilung Forschung und Entwicklung»

Bistum Basel, 5.4.2017, News: Reorganisation in der Diözesankurie

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