Bistum Basel

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Frieden und Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung

Pfingsten ist ein Wunder Jahr für Jahr. In unseren Kirchen, kleinen und grossen, bläst der gleiche Geist auf uns. Wir gehören zusammen. Und wir gehören hinaus in die Welt: auch in ihr wirkt der Geist Gottes.

Ein doppeltes Wunder wird an Pfingsten lebendig. In einer Welt, die auseinanderstrebt, gehen wir aufeinander zu. Und in Gemeinden, die sich nur mit sich selbst beschäftigen könnten, werden wir hinausgeschickt in die Welt.

An Pfingsten 1989 in Basel, bei der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung, war dieses doppelte Wunder ganz stark zu spüren. Die Aufbrüche in Mittel- und Osteuropa brachten Bewegung in einen zweigeteilten Kontinent. Das grössere Europa, bis zum Ural und zum Kaukasus, hatte man zwar gerade in der Schweiz nie ganz vergessenen. Aber selten wurde es so eindrucksvoll als kirchliche Gemeinschaft sichtbar wie an Pfingsten 1989 in Basel.

Viele Schwestern und Brüder aus mittel- und osteuropäischen Ländern nahmen teil und brachten sich ein. Wir gehören zusammen, das wurde im Singen, Beten und Feiern, im Hören auf das Wort und im Teilen so vieler unterschiedlicher Gaben und Begabungen erfahren. Solche Momente machen dankbar und zuversichtlich. Sie bleiben ein Leben lang in Erinnerung.

Das ist das eine Wunder, das kirchliche Wunder von Pfingsten 1989 in Basel: Kirche europaweit und weltoffen über Grenzen hinweg vom Geist bewegt und geeint.

Das andere Wunder war und ist die weitgehend friedliche politische und gesellschaftliche Wende in Europa. Was ein halbes Jahr später Realität wurde in vielen Staaten, eine friedliche Revolution, deutete sich an Pfingsten 1989 schon an. Mit viel Hoffnung und nicht weniger Furcht: das Gleichgewicht des Schreckens mit Massenvernichtungswaffen auf beiden Seiten schien sich nicht auflösen zu können ohne Opfer und Zerstörung. Dass es anders kam, war nicht abgemacht. Es war und ist ein Wunder.

Dieses zweite Wunder, das politische Wunder von 1989 kann gar nicht genug in Erinnerung gerufen werden. Es widersprach und widerspricht dem «Lauf der Dinge». So wie der Geist von Pfingsten. Ihm verdankt es sich, nicht nur dort, aber sehr sichtbar auch dort, wo kirchlich Engagierte friedensbildend wirkten.

Nicht erst 30 Jahre später sind Ernüchterung und Enttäuschung eingetreten. Alte und neue Konflikte, alte und neue Ungerechtigkeiten, zunehmender Verfall einer zunehmend unübersichtlichen Welt prägen das öffentliche Bewusstsein. Europa geht es nicht gut, und den Kirchen geht es nicht gut in Europa. Die Ökumene hat ihre weiten Schwingen wieder eingefaltet, sie scheint auf steinigen Pfaden zu pilgern, mit wunden Füssen.

Das zumindest ist das Bild, das wir uns machen und das sich festsetzt. Das doppelte Pfingstwunder von Basel 1989 wird aus diesem Bild ausgeblendet. Aber kann man Wunder zurücknehmen? Wo Wunder geschehen sind, drängen sie zum dankbaren Erinnern und zum mutigen Aufbruch. Zum Leben aus den Wundern Gottes heraus. «Ich will erzählen von all deinen Wundern» betet der Psalmist. Immer und immer wieder.

Und dann ändert sich der Blick. Wir sehen dann die wunderbare Enzyklika Laudato si 26 Jahre nach Basel 1989 – es ist ganz offensichtlich, wie sehr dieser grosse Wurf eines kirchlichen Lehrtexts zum gemeinsamen Haus der Erde von der Ersten ökumenischen Versammlung beeinflusst ist. Wir sehen, wie hellsichtig die ökumenische Versammlung von Pfingsten 1989 schon früh den menschengemachten Klimawandel zu einem Hauptthema gemacht hat – in Zusammenarbeit mit der Europäischen Physikalischen Gesellschaft. Kirche – und Welt, auch hier. An vielen kirchlichen Orten werden die Anstösse von damals umgesetzt, im Alltag. Freilich kommt dann der Teufel im Detail. Aber zählt nicht eher der Geist, der Teufel austreibt und Teufelskreise aufbricht?

Es geht weiter. So wie die Apostelgeschichte nach Pfingsten weitergeht. Pfingsten steht in Kapitel 2. Es folgen noch 26 weitere Kapitel – mit wundervollen Durchbrüchen, mit mutigen Versöhnungen, mit der Ausbreitung des Evangeliums und dem Wachsen der jungen Kirche. Und mit Rückschlägen, Gefangenschaft, einem Erdbeben, einem Schiffbruch.

Folgen wir den weiteren Kapiteln der Geschichte des Basler Pfingstwunders von 1989: «Frieden und Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung». Und schreiben wir daran mit. Der Geist führt uns die Feder.

Pfarrer Dr. sc. Otto Schäfer
Im Auftrag der AGCK Schweiz

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