Bistum Basel

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Wir müssen neudenken und umdenken

Bischof Felix Gmür hat als Stiftungspräsident von Fastenopfer im August verschiedene Partnerorganisationen in der Amazonasregion Kolumbiens besucht. Sein dringlichstes Anliegen; den Menschen zuzuhören.

Fastenopfer, 16.9.2019

«Am eindrücklichsten», sagt Bischof Felix im Gespräch, «waren all die Menschen die ich getroffen habe. Oft interessiert sich ja niemand für sie und ihre Anliegen. Ich habe ihnen zugehört und gespürt wie sie sich darüber gefreut haben, habe aber auch gehört was sie bedrückt».

Die Reise führte ihn vom Norden an der Karibik, über die Kordilleren den Gebirgszug in der Mitte des Landes, bis in den Süden, am Rande des Amazonas. «In Kolumbien gibt es einen ungeheuren Reichtum an Menschen, an Lebensformen, Auffassungen, Gemeinschaften, die Biodiversität, ist um ein vielfaches grösser als bei uns. Bei ihnen wie bei uns besteht der Wunsch nach einem guten Leben, nach Gerechtigkeit und Dankbarkeit. Wir in der Schweiz haben funktionierende Institutionen. In vielen Ländern in denen Fastenopfer tätig ist, funktionieren Institutionen nicht oder nicht gut. Das wiederum fördert Korruption und begünstigt die Ausbeutung natürlicher Ressourcen».

Kolumbianische Kohle für Holland und Deutschland

Unter anderem besuchte Bischof Felix die Mine El Cerrejón. Eine der grössten Kohleminen der Welt, in der im Tagbau abgebaut wird. 69’000 Hektaren gross, ursprünglich ein riesiges Waldgebiet. Die Menschen, welche vor dem Bau der Mine oft schon über Generationen dort lebten, verloren ihre Heimat.

Heute durchziehen tiefe Narben den riesigen Landstrich im Nordosten Kolumbiens, grosse Maschinen sind Tag und Nacht im Einsatz, tragen das Erdreich ab und fördern Kohle. Wenn Bischof Felix daran denkt stimmt es ihn nachdenklich. «Ein Drittel der Minengesellschaft gehört einer Firma, die im Bistum Basel, in Zug, angesiedelt ist. Die Kohle wird nach Holland und Deutschland exportiert. Es ist absurd zu sehen, dass es billiger ist Kohle in Kolumbien abzubauen und dann nach Europa zu exportieren. Das zeigt doch auch, dass in unserem System irgendwo der Wurm drin ist».

Rezepte, wie sich das auf die Schnelle ändern liesse, hat er nicht, aber klare Vorstellungen wie wir es anpacken können. «Ich habe vor Ort die Frage gestellt, ob es eine Art der Minenbetreibung gibt die nachhaltig ist? Sollte vermehrt Untertagbau betrieben werden, soll weniger abgebaut, langsamer abgebaut werden? Das kostet dann zwar mehr Geld. Aber es darf auch etwas kosten, denn es geht um die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen».

Ein Schwerpunkt der Fastenopfer-Partnerorganisationen in Kolumbien ist der Schutz von Land und Wasser. Wasser muss sauber bleiben und Land muss den Menschen Heimat geben und sie ernähren. Im Minenabbau wird sehr viel Wasser gebraucht und die Auswirkungen sind eklatant. «Bei der Kohlenmine El Cerrejòn, weit entfernt, ganz unten am Wasserlauf, wohnt eine indigene Gemeinschaft. Dort wird zwar keine Kohle mehr abgebaut, aber das Wasser ist dennoch verseucht und der Pegel ist deutlich gesunken. Ihr Wald geht kaputt, sie können nicht mehr fischen, sie verlieren ihre Lebensgrundlage». Müssen sie zudem ihr Land verlassen, verschlimmert das die Situation nur zu oft.

Solidarität und Zusammenhalt stärkt Gemeinschaften und kann sie vor Landenteignung schützen. Verhandeln sie doch gemeinsam, das verhindert, dass potentielle Landkäuferinnen und -käufer einen Keil zwischen sie treiben.

Auch die Lebensweise der indigenen matrilinearen Gemeinschaft hat Bischof Felix überzeugt: «Das Land gehört den Frauen. Das, was auf dem Land wächst, den Männern. Niemand kann alleine entscheiden, es braucht immer alle. Deshalb ist es so schwer diese Gemeinschaften zu spalten. Der Besitz ist so aufgeteilt, dass man aufeinander angewiesen bleibt».

Was es für den Wandel braucht

Den Abschluss seiner Reise bildete die Teilnahme an einer zweitägigen Vorbereitungssynode zur Amazonassynode in Bogota. Versammelt waren die Bischöfe aus dem Amazonasgebiet, Indigene, sowie Klima- und Umweltfachleute. Sie alle vereint die selbe Dringlichkeit, der Schutz des gemeinsamen Hauses.

Um eine Verbesserung zu erreichen ist Bischof Felix überzeugt, braucht es Verzicht oder zumindest Beschränkung. «Es ist sicher nicht leicht zu vermitteln, ökologische Themen sind nie leicht zu vermitteln. Doch wir müssen neudenken, umdenken, denn der Klimawandel hat auch bereits bei uns starke Auswirkungen. Hitzeperioden dauern länger, Regenperioden sind stärker, Gletscher schmelzen schneller».

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