Bistum Basel
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Bischof Felix gibt Jugendlichen das Wort

Die katholische Kirche will stärker auf die Jugend zugehen. Derzeit läuft eine Umfrage im Internet. An Pfingsten sollen die Resultate in den Pfarreien breit gestreut werden. Den Auftakt dieser Aktion bildete in Solothurn eine Diskussionsrunde am Mittwoch, 16. März, die vier Jugendliche und den Basler Bischof Felix Gmür zusammenbrachte. Dabei wurde deutlich, dass die Berührungspunkte von Kirche und Jugend nicht immer offenkundig sind.

Georges Scherrer von kath.ch

Das Treffen fand im Rahmen des kirchlichen Projekts «Chance Kirchenberufe» statt, das von den drei deutschsprachigen Bistümern in der Schweiz durchgeführt wird. Zu diesem Projekt gehört eine Umfrage, an welcher sich Jugendliche zu den Werten äussern können, die ihnen wichtig sind. Die Resultate sollen symbolträchtig am kirchlichen Hochfest Pfingsten veröffentlicht werden.

Freundschaft steht an erster Stelle

An der Umfrage haben bereits 450 Jugendliche teilgenommen. Eine erste provisorische Auswertung hat ergeben, dass an erster Stelle auf die Frage «Was ist dir wichtig?» mit «Freundschaft» geantwortet wird. Es folgen «Familie», «Liebe» und «Ehrlichkeit». Gott taucht an neunter Stelle hinter Freiheit und Spass auf. Eine weitere Frage lautet: «Was geht dir beim Wort Kirche durch den Kopf?» Die vier Spitzenplätze belegen die Begriffe gläubig, sozial, veraltet und spannend.

Kein exklusiver Club

«Was soll die Kirche bieten, damit du dazugehören willst?», lautet eine weitere Frage. Die Kirche soll zuallererst für «Gemeinschaft», «Glaubwürdigkeit» und «Offenheit» stehen. Auf weiteren Rängen finden sich «Lebenssinn» und «Tradition» und dann etwas abgeschlagen «Abenteuer», «Experimente» und «Exklusivität».

Vier Jugendliche, die an der Umfrage teilgenommen haben, wurden zum Gespräch mit Bischof Felix Gmür nach Solothurn eingeladen. Anfänglich harzte die Diskussion. Der Bischof ging offen und offensiv auf seine jungen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner zu. Diese zeigten sich anfänglich zurückhaltend. Doch nach kurzer Zeit wich die Furcht vor dem «hohen Würdenträger der katholischen Kirche», wie eine Teilnehmerin gegenüber kath.ch sagte.

Bischof Felix: Jugend soll sich einbringen

Als Mittelsmann zwischen Bischof und Jugend und Gesprächsleiter wirkte der Bundespräses von Jungwacht Blauring, Valentin Beck. Sehr schnell kam von der Jugendseite der Vorwurf an die Kirche, diese gehe zu wenig auf die Jugend zu. Dieser Vorwurf wirkte fast als roter Faden durch die Diskussion. Bischof Gmür erklärte den Jugendlichen, sie müssten «ihre Stimme stärker erheben». Das könne etwa über die Jugendverbände geschehen.

Kirche ermöglicht vielschichtige Beziehungen

Für die Jugend kann Kirche zweierlei bedeuten, kam als Antwort. Sie engagiert sich für die Kirche oder sie geht in die Kirche, um «abzuschalten», wie die 21-jährige Sabine Minnig aus Bern darlegte. Die Jugend stehe heute vor einer riesigen Vielfalt an Angeboten, was viele junge Menschen überfordere. Lea Willauer, 23 Jahre alt und aus Wetzikon ZH stammend, bezeichnete Kirche als einen Ort der Gemeinschaft, der vielschichtige Beziehungen ermögliche, etwa beim Musizieren oder im Gottesdienst. Aus den Worten der Jugendlichen war aber zu entnehmen, dass der christliche Glaube eher ein Mauerblümchen-Dasein friste, mit der Zeit aber durchaus an Raum gewinnen könne.

Kirche, Glaube – und Jesus?

Die Diskussion drehte sich auch um die Frage: Welche Werte sind der Jugend wichtig? Johannes Tschudi (21), der in Sursee LU lebt, meinte, ein Christ könne sich durchaus für Menschenrechte und Tierschutz einsetzen. Der Mensch könne aber jene Wertehaltung, die für ihn wichtig ist, auch ausserhalb der Kirche holen. Diese Aussage konnte der Bischof nicht auf sich sitzen lassen und erklärte, «Kirche ist immer ein Blick auf noch mehr».

Der Christ müsse in seiner Einschätzung die ganze Schöpfung einfassen. Oder, wie es der junge Teilnehmer aus Sursee anschliessend zusammenfasste: «Es braucht etwas dahinter, das sagt, das ist das Richtige, zum Beispiel der Glaube und nicht die Selbstsucht.» Der Einsatz in Kirche und Welt «ist nicht für mich, sondern für die Anderen». Der Bischof bemerkte zur Wertediskussion, dass immer wieder von Kirche und Glaube gesprochen worden sei, der Name Jesus aber gar nicht genannt wurde.

Mangelnder Informationsfluss zwischen Generationen

Die Kirche müsse sich wandeln. Die 18-jährige Andrea Keusch aus Boswil AG meinte, die Gesellschaft ändere sich, die Kirche müsse sich mit den Gottesdiensten anpassen. Die Aargauerin erhielt Unterstützung von Lea Willauer aus Wetzikon, die sagte: «Ich wünsche, dass die Kirche uns entgegenkommt und nicht wir uns anpassen müssen.»

Als Jugendgruppe hängt man in der Luft

In der Diskussionsrunde wurde deutlich, dass Jugendliche durchaus in der Kirche aktiv sind, aber in Pfarreien und Kirchgemeinden zuweilen auf wenig Verständnis stiessen. Die Jugend werde von der Kirche «nicht abgeholt», beklagte Sabine Minnig. Als Jugendgruppe «hängt man in der Luft. Wir sind akzeptiert.» Wenn Jugendliche etwas auf die Beine stellen, dann hat die Pfarrei «keine Ressourcen», meinte Johannes Tschudi. Auf den Einwand von Bischof Gmür, die Kirche habe Anlaufstellen und die Jugendlichen müssten sich wehren, erklärt Andrea Keusch: «Ich weiss nicht, ob man als Jugendliche den Anlaufpunkt sieht.» (gs)

Kampagne "Chance Kirchenberufe"
Umfrage "Was will ich?"

 

 

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