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Bischof Felix trifft Flüchtlinge im Offenen Pfarrhaus Aarau

Bischof Felix hat zum Jahr der Barmherzigkeit das Offene Pfarrhaus in Aarau besucht. Mit dabei waren neben den Mitarbeitenden des Offenen Pfarrhauses vier Asylsuchende. Diese berichteten von ihrem Leben, ihren Wünschen und Nöten in der Schweiz.

Francesca Trento, kath.ch

Gleich neben dem Bahnhof steht ein ehemaliges Herrenhaus. Davor ist ein Platz mit Kastanien. Heute dient es als Offenes Pfarrhaus. «Offen war es schon immer», meinte Esther Wyss. Sie ist momentan noch Leiterin des Offenen Pfarrhauses, wird ihr Amt jedoch bald an Jan Götschi übergeben. «Früher konnte man hier noch 24 Stunde an der Tür klingeln. Jetzt ist das anders.»

«Contact»

Jetzt kämen hier vor allem Flüchtlinge zusammen. Zwei Mal pro Woche gebe es den «Contact». Ein Treffen mit Kaffee und Kuchen. Dieser Treffpunkt, meinte eine Asylbewerberin beim Besuch des Bischofs, sei für sie nach zwei Jahren ohne Kontakte und voller Einsamkeit ein Geschenk gewesen. «Ich floh aus Sri Lanka, weil ich dort als Hebamme und Krankenschwester arbeitete und Menschen pflegte, die die Regierung nicht gepflegt haben wollte.» Sie habe Glück, nicht tot zu sein, wie sie gegenüber kath.ch sagte. In der Schweiz habe sie lange niemanden gekannt, sich nicht austauschen können. «Jetzt kann ich meine Freunde gar nicht mehr zählen», meint sie fröhlich. Trotzdem habe sie noch immer keine Aufenthaltsbewilligung, noch keine Arbeit. Und Arbeit sei unter anderem das Tor zur Integration.

Wir wollen was zurückgeben. Aber ohne Arbeit geht das nicht.

«Um Arbeit zu kriegen, um sich zu integrieren, muss man die Sprache lernen», so Max Heimgartner. Er engagierte sich vor ein paar Jahren als erster in Aarau, Flüchtlingen Deutsch beizubringen. «Deutsch ist ein Muss für Integration. Und Integration ist das, was alle Asylsuchende suchen», so Heimgartner. Bei diesen Worten nickten alle vier Asylsuchenden vehement. «Wir sind dankbar, dass wir hier sein dürfen und wollen etwas zurückgeben. Aber ohne Arbeit geht das nicht», fügte der Asylsuchende aus Tibet hinzu.

Offener Brief

Ihre Dankbarkeit und den Wunsch nach Integration fassten sie vor einem Jahr in einem Offenen Brief des Clubs Asyl Aarau an die Bevölkerung des Kantons Aargau. Das Parlament habe den Brief ebenso erhalten, so Rahel Wunderli, Leiterin des Clubs Asyl und des Asyl mit Bildung, Bewegung und Beschäftigung (BBB). «Eine Antwort gab es nie.» Sowohl der Club Asyl und das BBB gehören zum Offenen Pfarrhaus Aarau.  Im Brief bedankten sich die Asylsuchenden zuerst, dass sie hier eine Chance zum leben haben. Weiter baten die Flüchtlinge in diesem Brief um Akzeptanz und eine Möglichkeit zur Integration. Dafür brauche es beide Parteien. Im Brief stand mehrmals «kommt uns doch besuchen».

Werbung für Barmherzigkeit

Mittlerweile ist aus dem One-Man-Deutschkurs das «Netzwerk Asyl Aargau» entstanden. Es hat vier Festangestellte und 27 freiwillige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Doch noch lange nicht in jedem Kanton gibt es solche Projekte. Wiese es so etwas nicht in Solothurn gebe, wurde der Bischof gefragt. «Ich bin ein katholischer Bischof, kein reformierter Kirchenpräsident, der befehlen kann», meinte er schmunzelnd. Das Einzige, was er tun könne, sei «Werbung» dafür, sich für Flüchtlinge einzusetzen.

Das habe ich schon vor dem Papst getan

Dieser Besuch sei eine Art Werbung, so der Bischof weiter. Auch seine Aufnahme von Flüchtlingsfamilien sei eine Aufmunterung an das Volk gewesen, barmherzig zu sein. «Wie der Papst», wurde aus der Runde eingeräumt. «Das habe ich schon vor dem Papst mit dem Jahr der Barmherzigkeit getan», meinte er schmunzelnd. Er tue dies wegen dem Evangelium.

Was ist mit den Uma’s?

Die vier Asylsuchenden stammen aus Sri Lanka, Tibet oder Eritrea. Alle sprechen mehr oder weniger gut Deutsch, engagieren sich im offenen Pfarrhaus, sind alle erwachsen. Was Jan Götschi noch mehr Sorgen bereitet, sind die Uma’s, die minderjährigen Flüchtlinge, die alleine, ohne Familien hier sind. Bischof Felix Gmür fragte dann in die Runde, in der mehrere in der Jugendarbeit tätig sind, wieso Uma’s nicht in Jugendverbände aufgenommen würden? Für Jugendliche in der Pubertät sei es schwierig, sich in solche Vereine zu integrieren, so Wyss. «In die Jubla stossen meistens Kinder hinzu und wachsen dann in eine praktisch geschlossene Gruppe zusammen», meinte sie weiter, die mit dem «Blauring Aarau» in festem Kontakt stehe. Sie hätten vor zwei Jahren zwei Uma-Mädchen in ein Lager mitgenommen. Das habe alles andere als gut geklappt.

Barmherzigkeit ist Hilfe zur Selbsthilfe

Bischof Felix Gmür brachte dann das Thema der Barmherzigkeit ins Spiel. «Barmherzigkeit ist Hilfe zur Selbsthilfe. Barmherzigkeit ist Hilfe in dem Moment, mit den Umständen, die nun mal sind.»«» Solche Hürden, wie das Alter der Jugendliche, dürften die Barmherzigkeit nicht einschränken. Man müsse bei der Unterstützung von Menschen dort ansetzen, worin sie gut sind. «Die Kirche muss nicht immer handeln, sondern auch vermitteln. Wenn wir Potenzial erkennen und dieses vermitteln, könne die Integration gefördert werden. Trotz Pubertät oder Sprachhürden.» So wäre es zum Beispiel sinnvoll, jemanden, der gut im Fussball ist, in den Fussballverein zu schicken oder Musikerinnen in einen Chor zu begleiten.

Gelebte Barmherzigkeit

Anschliessend wurden die Anwesenden ins Contact-Treffen eingeladen. Dieses Mal gab es mehr als Kaffee und Kuchen. «Eine Ausnahme», meinte Jan Götschi. «Heute hat extra ein junger Asylsuchender gekocht. Er war in seinem Heimatland Koch. Das vorhandene Wissen und Können also richtig eingesetzt», sagte er stolz. Gelebte Barmherzigkeit.

 

 

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