Bistum Basel
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"Das Potential der Jugendlichen wirkungsvoll integrieren"

Das diesjährige Bistumsjugendtreffen findet am 14. September 2014 in Solothurn statt. Eine gute Gelegenheit, um über die Jugendpastoral zu sprechen. Viktor Diethelm Schwingruber ist Co-Fachstellenleiter askja, Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit der röm.-kath. Landeskirche des Kantons Luzern und berichtet über das Bistumsjugendtreffen und die Arbeit mit den Jugendlichen.

Wie kann man Jugendliche von der Kirche überzeugen?

Getaufte Jugendliche sind Mitglieder der Kirche, gefirmte Jugendliche sind Kirche. Anstatt in Überzeugungsarbeit zu investieren, sollte die Kirche an der Jugend als mitgestaltende Altersgruppe Interesse zeigen. Dem Interesse folgend werden Partizipations- und Gestaltungsmöglichkeiten, in denen jugendadäquates Kirchenleben ermöglicht wird, bereitgestellt.

Wenn die Kirche das Potenzial der Jugend, mit ihren vorhandenen Ressourcen, Ansichten, Vorstellungen etc. wirkungsvoll integriert, anstatt sie aus einer defizitorientierten Haltung zu therapieren versuchen, kann sie sich ins Spiel bringen. Ihren grossen Fundus für die Zeitspanne Jugend, in der Sinn- und Glaubensfragen eine neue Qualität erhalten, sollte die Kirche vermehrt als kompetente Dialogpartnerin anbieten. Ohne gleich die zweckgebundene Absicht einer möglichst hohen Kirchenidentifikation anzustreben.

Wenn Jugendliche erleben, dass sie ernst genommen werden, ihnen Gestaltungsspielraum zugemutet wird, sie mit ihren Vorstellungen und Ansichten angenommen sind, folgt das Engagement in der Kirche. Erfreulicherweise zeigen viele Beispiele in der Jugendpastoral, dass dies gelingt.

Warum braucht es ein Bistumsjugendtreffen?

Aus meiner Sicht zielt das Bistumsjugendtreffen auf zwei Punkte hin:

  • Jugendliche des Bistums treffen sich mit ihrem Bischof und erleben so die ekklesiologische Ortskirche. Ein Schritt aus der bisher erlebten Kirche als Pfarrei/Pastoralraum in Richtung Universalkirche. Dies entspricht der biographisch erlebten Ausweitung des „Lebensraumes“. Umgekehrt begegnet der Bischof seinen Kirchenmitgliedern der Altersgruppe Jugend und erhält dadurch einen direkten Einblick in deren „Glaubens- / Stimmungen“. Das Bistumstreffen hofft folglich auf die gegenseitig inspirierende Wirkung der Begegnung.
  • Jugendliche des Bistums begegnen sich und erleben, dass Glaube und Kirche in den verschiedenen Regionen bei Jugendlichen Thema sind. Sich für Glauben und Kirche zu interessieren, Freizeit dafür einzusetzen, sich auszutauschen und zu engagieren wird durch das Treffen bestärkt; ein wichtiger Aspekt der kath. Kirche erlebbar: Kirche verbindet über regionale, kantonale und nationale Grenzen hinweg.

Wie gestaltet man ein Bistumsjugendtreffen möglichst attraktiv?

Indem man die real zur Verfügung stehenden Ressourcen möglichst gut einsetzt. Wichtig erscheint mir dabei, dass es authentisch ausgestaltet wird. Jugendliche haben ein ausgeprägtes Sensorium in diesem Bereich. Schnell erkennen sie, wenn das Dargebrachte „Show“ ist und gar nicht der Wirklichkeit entspricht. Weder Anbiederung durch Nachahmung von Jugendtrends noch übersteigerte Selbstdarstellung sind angebracht. Vielmehr soll durch kreative Methoden erfahrbar werden, was den Organisierenden wichtig ist. Attraktivität erreicht man m. A. n. im Kontext Kirche weniger durch pompöse Eventkultur als durch Tiefgang, Authentizität und Konfrontation, auf die Jugendliche reagieren können. Jugendliche, die sich auf das Bistumsjugendtreffen einlassen, erwarten kein Hip-Hop Konzert, sondern Kirche. Kirche, die sich zeigt, die sich befragen lässt, die inspiriert und Deutungsoptionen für das Leben bietet.

Was erwartet die Jugendlichen am diesjährigen Treffen?

Das diesjährige Bistumsjugendtreffen will die durch Bischof Felix Gmür geförderte Kultur des Dialogs aufnehmen. Der gemeinsame Gottesdienst am Anfang führt uns alle zusammen. Wir alle empfangen von Gott und stehen in der Verbundenheit mit dem Höchsten. Aus dieser geschenkten Kraft heraus wollen wir in den Dialog treten. „Kirche: Was sagst Du dazu?“ möchte den Austausch über Sichtweisen, Erwartungen, Hoffnungen, etc. provozieren. Mit der Methode des Word Cafés sollen diskussionsfreudige Jugendliche aufgrund verschiedener Fragen / Aussagen zur Kirche in den Dialog kommen. Dabei besteht kein Konsensziel. Vielmehr soll die Pluralität der Jugendlichen in Bezug auf Kirche sichtbar werden.

Das Gestaltungsatelier strebt dasselbe Ziel an, wendet dabei jedoch einen gestalterischen Dialog an. Ein Bild bzw. eine Skulptur kann Dinge aufzeigen, die nicht in Sprache gefasst werden können. Zudem möchten wir mit diesem Atelier Jugendliche ansprechen, die lieber ihre Sichtweisen kreativ darstellen als sprachlich ausformulieren.

Die weiteren Ateliers ermöglichen einen Einblick in die Vielgestaltigkeit der Kirche. Organisationen wie die Scalibrini aus Solothurn, die Bethlehem Mission Immensee sowie Spiele, welche im kirchlichen Kontext kreiert wurden, fördern ein erlebnisreiches Treffen.

Im gemeinsamen Schlusspunkt werden die „Resultate“ der Dialog-Ateliers besichtigt, wertgeschätzt und als Inspiration für die Zukunft mitgegeben.

Haben Sie Tipps oder Anregungen für eine gute Jugendpastoral?

Ich glaube nicht an die Wirksamkeit von „Rezepten“. Gegen ein Konzept, dass überall funktionieren soll, spricht die Diversität der Schöpfung und insbesondere der Menschen. Sicherlich muss auch in der Jugendpastoral generalisiert werden, um handlungsfähig zu bleiben und Orientierung zu erhalten. Doch will die Kirche ihre Stärke den Jugendlichen erfahrbar machen, ist sie auf Personen angewiesen. Mit Personen kommen verschiedene Charismen ins Spiel und damit ein wichtiger Faktor der Jugendpastoral. Kein Mensch und kein „Plan“ kann allen Jugendlichen ein entsprechendes und förderliches Gegenüber sein. Der Pluralität der Jugend (wie auch der Gesellschaft) soll mit einer wertschätzenden Betrachtung einhergehen. Die für die Jugendpastoral beauftragten Personen sollen ihr Charisma möglichst gut entfalten können. Aus der wertschätzenden Betrachtung heraus ergibt sich das Interesse für jene Jugendlichen, die nicht erreicht werden können. Ihnen Möglichkeiten zu erschliessen, erfordert ein Hinzuziehen von weiteren Charismen. Die für die Jugendpastoral wertvollsten Charismen sind ja in den Jugendlichen zu fördern: „Junge Menschen selbst müssen die ersten und unmittelbaren Apostel der Jugend werden und in eigener Verantwortung unter ihresgleichen apostolisch wirken, (...).“ (Dekret Apostolicam actuositatem – über das Laienapostolat)

Foto: Viktor Diethelm (c) http://www.lukath.ch/de/personen/mitarbeiter/welcome.php?personen_id=2290

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