Bistum Basel
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Der Unfall hat meine Lebenseinstellung verändert.

Der gebürtige Jurassier, Weihbischof Denis Theurillat, ist 65ig und feiert nächstes Jahr sein 40ig-jähriges Priesterjubiläum. Im Mai erlitt der Bischof einen Unfall, der ihm mehrere Monate Spital- und Reha-Aufenthalt bescherte. Die plötzliche Auszeit hat seine Einstellung zum Leben verändert.

 

Was hat sich am 29. Mai ereignet?

Ich war in Bern und in Eile unterwegs zu einem Sitzungstermin. Auf einer Treppe im Bahnhof Bern habe ich eine Stufe übersehen, stürzte und landete mit zwei Brüchen und Bänderrissen auf der Notfallstation. Anschliessend war ich monatelang in der Reha.

Was hat der Unfall bei Ihnen ausgelöst?

Zuerst der Schock, aus dem Leben und der Normalität herausgerissen zu sein und sich ohnmächtig dem „Schicksal“ fügen zu müssen. Im Gegensatz zu vielen Menschen, die ich in den letzten vierzig Jahren als Priester begleitet hatte, wusste ich natürlich, dass ich nach einigen Monaten wieder gesund sein werde. Aber die Tage im Spital waren lang, und ich hatte Mühe, mich mit der Situation abzufinden, dass für die Anderen das Leben einfach weiterging. Ich wurde gezwungen darüber nachzudenken, was in meinem Leben wirklich wichtig ist.

Zu welcher Erkenntnis kamen Sie?

Ein Leben zu führen, das mehr dem Willen Gottes entspricht. Ich erkannte im Unfall einen Hinweis dazu, mehr Verantwortung für mein Leben zu übernehmen.

Wo denken Sie, dass Sie den Willen Gottes zu wenig erfüllt haben?

Als Seelsorgende sind wir Diener des Herrn und zählen unsere Zeit nicht. Wir arbeiten oft ohne Pausen und sieben Tage pro Woche, weil wir unser Leben für diese Berufung hingeben. Aber ich habe zu viel gearbeitet. Müdigkeit und Stress sollten nicht zur Normalität werden. Ich hatte vergessen, dass mein Leben Gott gehört, und dass ich dazu Sorge tragen und es nähren muss.

An welche Nahrung denken Sie?

Spirituelle Lektüre, Meditation, Austausch mit Menschen und manchmal auch Schreiben für mich selbst.

Können Sie sich als Bischof mit den Menschen zu wenig austauschen?

Es gibt viel Austausch,  aber das Programm ist so voll, dass in den Begegnungen oft kein Raum für Hingabe und Tiefe möglich ist. Manchmal möchte ich wieder ein einfacher Pfarrer sein. In dieser Funktion fühlte ich mich von morgens bis abends mit den Menschen verbunden. Diese Verbundenheit ist für mich enorm wichtig.

Wäre denn ein Rücktritt als Bischof möglich, um wieder als Pfarrer tätig zu sein?

Ob Papst Franziskus einverstanden wäre, weiss ich nicht. Heute bin ich Bischof und will den Menschen als Bischof begegnen. Ich habe mir vorgenommen, den nötigen Raum dafür zu schaffen.

Wie wollen Sie unmittelbar vorgehen?

Ich bin zwar 65ig, aber noch nicht 90ig: Der Herr möge mir helfen, die Prioritäten neu zu gewichten und besser mit den vorhandenen Ressourcen abzustimmen.

Welche Weichenstellung könnte sich daraus ergeben?

Gott und die Menschen sollen noch mehr im Zentrum stehen. Ich könnte mir vorstellen, den Akzent vom Bistum in ein Kloster zu verlegen: Als Spiritual hätte ich dort mehr Zeit zum Beten, Schreiben und Gespräche führen. Ich möchte vertieft über das Geheimnis von Tod und Auferstehung meditieren. Aber auch damit müsste Papst Franziskus einverstanden sein.

Bischof Denis Theurillat

Leitsatz: "Das Evangelium wagen!"

1976 Priesterweihe

1997 Ernennung zum Bischofsvikar für den Jura Pastoral

2000 Bischofsweihe

2011 Wahl zum Mitglied des SBK-Präsidiums

10 Jahre Jugendbischof für die Schweiz und zwei Jahre Jugendbischof für die Romandie

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