Bistum Basel
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Die Spitalseelsorge - Für andere da sein

Die Sorge um Kranke im Spital, in Pflege- und Altersheimen, Reha-Einrichtungen und in der Pfarrei ist eine der zentralen Aufgaben der Seelsorge: dazu gehören die Verkündigung, die Feier der Liturgie und der Sakramente, aber auch Gesprächsangebote und die Begleitung von Menschen in Not.

In den grösseren Spitälern und Kliniken sind eigene Spitalseelsorger/innen tätig.

Wie sieht aber diese Tätigkeit genau aus? Lucia Hauser arbeitet selbst als Spitalseelsorgerin und Supervisorin und war bereit, einen Einblick in ihre Arbeit zu gewähren.

Lucia Hauser ist Spitalseelsorgerin Lucia Hauser ist Spitalseelsorgerin

Wie sieht die Arbeit eines Spitalseelsorgers/einer Spitalseelsorgerin aus?

Spitalseelsorgende haben ihren Arbeitsplatz im Spital. Sie besuchen kranke Menschen, viele davon nur einmal, andere, die längere Zeit im Spital sind, begleiten sie über mehrere Wochen hinweg, in Krisenzeiten sehen sie sie täglich, oftmals bis zu deren Tod. Seelsorgende im Spital hören zu, helfen nachdenken, wie neue Situationen bewältigt werden können.

Sie bieten auch Angehörigen ihre Begleitung an, die durch die Krankheit oder den Unfall eines nahen Menschen herausgefordert und erschüttert sind. Spitalseelsorgende machen Fortbildungen für einzelne Berufsgruppen oder Stationen. Sie engagieren sich in ethischen Gesprächen oder in Ethikforen. Spitalseelsorgende rekrutieren Freiwillige, bilden sie aus und begleiten sie. Sie gestalten Gottesdienste im Spital, Segnungs- und Abschiedsrituale bei und mit  den Kranken.

Wo sind die Schwierigkeiten in dieser Tätigkeit?

Seelsorge gibt es nicht auf Verordnung. Das ist auch gut so. Jeder kann den seelsorgerliche Kontakt wünschen oder ablehnen. Manchmal rufen uns Ärzte oder Pflegende, weil sie glauben, wir könnten der Patientin helfen. Oft aber bringen wir die dichten Pläne durcheinander. Patienten müssen gewaschen, gepflegt, gelagert, bewegt, therapiert, untersucht und behandelt werden. Manchmal müssen wir fast darum kämpfen, dass der Seele einer Patientin auch noch etwas Zeit zugestanden wird. Zeit, die sie mit der Seelsorgenden verbringen kann. Andererseits gibt es immer mehr Pflegende und auch Medizinerinnen, die erkennen, dass die Seele einen grossen Anteil an der Bewältigung von Krankheit und an der Heilung hat. Seelsorge kann helfen, diese inneren Kräfte zu nutzen. Aber natürlich müssen wir uns mit der Tatsache auseinandersetzen, dass der Glaube kein Medikament ist, das Gesundung garantiert.

Schwierig an unserer Tätigkeit ist, dass wir täglich mit Krankheit, Leiden und Sterben konfrontiert sind. Auch wenn viele Menschen, die wir begleiten, Heilung erfahren, so sind es dennoch viele, die wir auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleiten.

Die Bereitschaftsdienste für Notfälle verlangen grosse Flexibilität und mentale und physische Stärke, wenn wir über Stunden bei Menschen sind, die gerade durch einen Unfall oder den Tod eines Angehörigen eine persönliche Katastrophe erleben.

Immer mehr Menschen entfernen sich von der Kirche: Braucht es die Spitalseelsorge überhaupt noch? Wird sie von den Patienten geschätzt?

Wir besuchen Menschen unabhängig von ihrer Konfession oder Religion. Oft wird uns gerade zu Anfang schon gesagt: „Hören Sie ich bin nicht mehr in der Kirche.“ Oft heisst es dann: „Aber Sie dürfen mich gerne besuchen, wenn Sie mich nicht missionieren wollen.“ Auch diese Menschen begegnen uns mit viel Vertrauen und erzählen erstaunlich offen aus ihrem Leben, von Fragen, die sie bewegen oder Entscheidungen, vor denen sie stehen. Am Ende bedanken sie sich für den Besuch, übrigens auch die Muslime und Hindus, wenn eine sprachliche Verständigung möglich ist.

Ich glaube, man darf sagen, die Menschen, die Erfahrungen mit Spitalseelsorge machen durften, schätzen sie meist sehr. Das zeigt auch eine Studie, bei der Patienten und Patientinnen in der deutschsprachigen Schweiz mehrere Wochen nach dem Spitalaustritt nach ihren Erfahrungen mit der Seelsorge befragt wurden. Die Zufriedenheit mit dem Gespräch wurde sehr hoch bewertet, ebenso die Wichtigkeit.

Sind Sie auch für das Personal eine mögliche Ansprechperson? Wenn ja, welche Probleme tauchen beim Klinikpersonal auf?

Das Personal besteht aus Menschen! Und diese sind mit grossen Herausforderungen konfrontiert, die es zu bewältigen gilt. Manche Mitarbeiterin nimmt die Unterstützung durch die Seelsorge gern in Anspruch. Aber es gibt auch viele Themen, die nichts mit dem Spital zu tun haben. Oft ist im Spital Seelsorge greifbarer und niederschwelliger als in den Pfarreien. So kommt man oft ganz beiläufig mit Fragen, etwa nach der Bedeutung von Taufe oder Trauung, nach dem Umgang mit Todesfällen in der Familie oder im Freundeskreis oder den Sorgen  mit pubertierenden Jugendlichen zu uns.

Dann gibt es aber auch Fragen, die durch das berufliche Umfeld ausgelöst werden und die z.B. ethischer Natur sind: Welche medizinischen Massnahmen sind vertretbar, wenn nicht sicher ist, ob ein Mensch noch einmal eine Lebensqualität erreicht, die ihn befriedigt? Andere leiden darunter, dass ihnen für die persönliche Zuwendung zu den Patientinnen immer weniger Zeit bleibt.

Wie reagieren die Angehörigen auf die Spitalseelsorge?

Die Seelsorgenden gehen vor allem auf Angehörige von Patienten und Patientinnen zu, die sehr lange im Spital sein müssen, sich in einem kritischen Zustand befinden oder vom Patienten selber um einen Kontakt mit der Familie gebeten wurden. Diese Angehörigen sind meist froh um den Kontakt zur Seelsorge, um sich in einer angstvollen Situation entlasten zu können und Unterstützung bei der Begleitung des Angehörigen zu erfahren.

Bestimmt gab es in Ihrer Arbeit berührende, schöne und auch schwierige Momente. Was war ein prägendes Erlebnis?

Stark beeindruckt hat mich die Begleitung einer Familie, die ihr zweites Kind erwartete. Die Eltern wussten, dass das Kind schwer behindert zur Welt kommen  würde und haben es trotzdem mit Freude und grosser Liebe willkommen geheissen. Der Bruder durfte es sehen und halten, auch die Grosseltern väterlicher- und mütterlicherseits. Im Kreis der Familie wurde es im Spital getauft. Als es nach wenigen Tagen starb, nahm das halbe Dorf an der Abdankung teilt und begleitete die Trauerfamilie zum Grab. Die positive Bewältigung des nicht erfolgreichen Lebens hat mich tief bewegt und in meiner Arbeit bestätigt.

Wie sehen Sie die Zukunft der Spitalseelsorge?

Die Spitalseelsorge wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen im Grenzbereich zwischen Medizin und Spiritualität, zwischen kirchlich ausgestaltetem Glauben und religiös Suchenden. Dazu müssen seitens der Spitalseelsorge konsequent Qualitätsstandards erfüllt werden. Wir brauchen ausreichendes Spezialwissen in Theologie und Psychologie, um im interprofessionellen Feld des Spitals ernst genommen zu werden. Wir müssen eine transparente persönliche Spiritualität entwickeln und leben und genügend Offenheit haben für Menschen, die ausserhalb der Kirchen ihre Spiritualität suchen und leben.

Wenn jemand die Dienste der Spitalseelsorge in Anspruch nehmen will, an wen kann er sich wenden?

Als Patient oder Patientin, kann man das Pflegepersonal bitten, einen Kontakt herzustellen oder man ruft die Telefonzentrale an und lässt sich verbinden. Angehörige können auch über die Zentrale Seelsorgende erreichen oder über die Nummer, die in Flyern oder im Internet angegeben sind.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.spitalseelsorge.ch

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