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Heute noch Jugendpastoral?

Stephan Leimgruber Stephan Leimgruber

Das diesjährige Bistumsjugendtreffen findet am 14. September 2014 in Solothurn statt. Eine gute Gelegenheit, um über die Jugendpastoral zu sprechen. Stephan Leimgruber, Spiritual des Seminars St. Beat, kennt sich auch in der Jugendpastoral aus und war bereit, einige Fragen zu beantworten.

Immer weniger Menschen fühlen sich der Kirche zugehörig, besonders die Jugendlichen haben oft andere Interessen. Braucht es überhaupt noch eine spezielle Jugendpastoral?

Wenn die Kirche ihren Auftrag erfüllen will, die Menschen anzusprechen, mit ihr das Leben zu teilen und sie mit Gott in Beziehung zu bringen, dann muss sie sich an alle Generationen richten, auch und besonders an die Jugend. Zwar haben sich einige Jugendliche aus verschiedenen Gründen von der Kirche distanziert, aber es wäre unverantwortlich, die Jugend abzuschreiben und den Dialog mit ihr zu verweigern. Die Lateinamerikanische Bischofskonferenz hat sogar in Puebla eine „Option für die Jugend“ getroffen und sich vorrangig mit ihr befasst.  Das wäre auch bei uns ein Signal für einen Neuaufbruch der Kirche und ein Zeichen ihrer Jugendlichkeit.

Wie sollte diese Jugendpastoral aussehen? Was bietet die Katholische Kirche, das andere nicht haben?

Das Konzept einer Jugendpastoral enthält in der Regel eine zündende Idee oder ein Thema wie zum Beispiel „Die prophetische Kraft der Jugend“ (Otmar Fuchs), „Dienst an der Jugend“ (Würzburger Synode). Sie analysiert die Situation der Jugend und fragt nach deren Bedürfnissen, Nöten und Sehnsüchten, um dann Handlungsperspektiven zu entwickeln und konkrete Impulse für eine Belebung der bisherigen Jugendarbeit zu geben. Ein solches Konzept stellt sich der Frage, was kann ein Dekanat, ein pastoraler Raum oder eine Diözese für die und mit den Jugendlichen  tun. Es überlegt, welche Ressourcen an Mitarbeitenden stehen zur Verfügung. Gibt es neue Orte und Räume der Jugendpastoral?  Wie kann die ehrenamtliche Mitarbeit aktiviert werden. Wie ist es möglich, die Selbständigkeit der Jugend zu achten und sie in Gespräche über den Sinn des Lebens zu verwickeln? Die katholische Kirche hat viel aus ihrer Tradition zu bieten, u.a. Sommerlager,  gemeinschaftliche Feiern, überzeugende Leitbilder und nicht zuletzt die Eucharistie als Quelle des Lebens.

Wie kann man Jugendliche am besten erreichen?

Was heisst „erreichen“?  Es sind freie Menschen, die sich durchaus ansprechen lassen, nur möchten sie nicht bevormundet und instrumentalisiert werden. Besser ist es, auf grosse Leitbilder wie Giovanni Bosco oder Philipp Neri hinzuweisen, oder vielleicht Romano Guardini, die in anderen Zeiten junge Menschen fasziniert und begeistert  haben und zu grossen Jugendseelsorgern geworden sind. Heute ist eine grundsätzlich dialogische Jugendarbeit angesagt, die jungen Menschen als Partnerinnen und Partner auf Augenhöhe ernst nimmt, die Räume eröffnet, Personen anbietet, Projekte und Events vorschlägt. Besonders für die heutige Zeit ist, dass viele Jugendliche die Kirche nur insoweit wahrnehmen, als ihre Angebote mit  den Interessen der Jugendlichen konvergent sind.

Schlecht finde ich, wenn man junge Menschen mit Geld ködert. In einer innerschweizer Gemeinde gibt man den Ministrantinnen und Ministranten fünf Franken pro Messe. Das lenkt ihre Aufmerksamkeit in eine falsche Richtung, die nicht für die Frohbotschaft Christi steht. Jugendarbeit braucht Menschen: Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder, die aus freien Stücken bereit sind, sich sozial zu engagieren, etwas gemeinsam zu unternehmen oder auch spirituelle Angebote wahrzunehmen.

Es gibt internationale Jugendtreffen, weshalb sollten die Jugendlichen auch am Bistumsjugendtreffen teilnehmen?

Vom 9.-11. Mai 2014 hat in Schwyz das Bistumstreffen der Jugendlichen stattgefunden. (Ähnlich gibt es in St. Gallen einen Jugendtag.) Etwa 600 Jugendliche haben sich drei Tage lang auf den Weg gemacht und miteinander gesprochen, gefeiert und gebetet, ja bis in den Morgen hinein abgetanzt. Bischöfe und Äbte liessen sich in Interviews und Diskussionen mit Jugendlichen verwickeln und nach den Gründen ihrer Hoffnung befragen. Es war erfreulich, einer aufgestellten Jugend zu begegnen, welche das Evangelium liest und sensibel ist für tiefere Dimensionen der Weltgeschichte. Es gab viele Gründe, weshalb man dorthin gehen kann: das Programm, die Chance, andere Jugendliche zu treffen, die Plattformen zur Auseinandersetzung, die Erlebnisräume. In Taizé und an Weltjugendtagen und auch in nicht wenige Pfarreien und Jugendgruppen kann man ähnliche Erfahrungen machen.

Papst Franziskus ist bei vielen Menschen positiv aufgefallen. Ist das bei den Jugendlichen auch so?

Ja, viele Jugendliche zeigen grosse Achtung gegenüber Papst Franziskus. Diesem fliegen die Sympathien nur so zu, weil er ein einfacher Mensch ist, weil er sich für die Armen einsetzt und selbst arm lebt, weil er die Menschen in offener Weise anspricht, weil er keinen verurteilt und um die Sorgen vieler weiss: um Drogen, Alkohol und Kinderprostitution. Für mich ist es ein Glücksfall, dass die gegenwärtige Kirche so viel Rückenwind von ihm erhält. Er ist ein authentischer Christ für das dritte Jahrtausend. Seine Rede von der „verbeulten Kirche“ hat mir und vielen gefallen, weil sich diese Kirche in den Schmutz der Strassen begeben soll, um mit den Menschen Solidarität zu erleben.

Haben Sie noch Anregungen zum Thema Jugendpastoral?

Natürlich müsste man vor Ort sein, um gezielte Impulse für die konkrete Jugendarbeit auf christlichem Hintergrund geben zu können. Insgesamt wäre es für mich gut, wenn sich alle kirchlich Mitarbeitenden echt um die Jugend kümmerten und überlegen, was jetzt auf der Tagesordnung steht. Zum einen wären die bisherigen Jugendgruppen zu unterstützen und zu fördern, auch das Vereinsleben und andere gruppenartigen Unternehmungen, zum andern neue Ideen zu entwickeln. Ich habe gute Erfahrungen gemacht im Religionsunterricht mit jungen Menschen, auf Reisen nach Assisi, Taizé und nach Rom. Es gibt durchaus Interesse für „Tiefenbohrungen“ in der heutigen Welt.

Stephan Leimgruber ist Prof. em für Religionspädagogik München und derzeit Spiritual und geistlicher Begleiter am Seminar St. Beat in Luzern.

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