Bistum Basel
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Im Gespräch mit Pastoralraumleitern

Immer mehr Pastoralräume werden errichtet. Wie ergeht es dabei den Pastoralraumleitern, was sind ihre Erfahrungen? In einer Serie geben uns vier Pastoralraumleiter Auskunft.

Adrian Wicki ist Pastoraulraumleiter des Pastoralraums Gäu.

Die Katholische Kirche in der Schweiz hat immer weniger Seelsorgende, um alle Bedürfnisse der Gläubigen abdecken zu können. Sie befindet sich in einem Entwicklungsprozess, wo sie gezwungen ist, neue Ideen einzubringen. Das Bistum Basel hat dazu den PEP „den Glauben ins Spiel bringen“ ins Leben gerufen. Wie schätzen Sie das Entwicklungspotential dieses Pastoralplans ein?

Der Pastoralplan schafft eine Grundlage für die Entwicklung und lässt einen relativ grossen Freiraum für die konkrete Umsetzung. Insofern ist das Entwicklungspotential sehr gross. Was dann konkret daraus entstehen kann, das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel den Fähigkeiten des Personals, oder der Veränderungsbereitschaft der Gläubigen. Den Glauben wirklich neu ins Spiel zu bringen braucht Mut, Kreativität und die Fähigkeit loszulassen.

Es werden immer mehr Pastoralräume errichtet. Sie sind Pastoralraumleiter. Wie funktioniert so ein Pastoralraum und wie sieht Ihre Tätigkeit aus?

Im Moment sind wir in unserem noch ganz jungen Pastoralraum daran das Pastoralkonzept Schritt für Schritt umzusetzen und den Pastoralraum aufzubauen . Wir sind ein Raum mit fünf ländlichen Pfarreien, die alle eine ähnliche Grösse haben und seit Jahrhunderten eigenständige Kirchgemeinden und Pfarreien sind, da braucht es vor allem viel Zeit und Geduld. Eine der im Moment wichtigsten Tätigkeiten ist der Teamaufbau. Es geht darum, die im Zweckverband angestellten SeelsorgerInnen zu einem Team werden zu lassen. Zudem bin ich im Moment ständig mit personellen Fragen beschäftigt. Wir suchen aktuell dringend einen leitenden Priester und wir haben auch eine neue Stelle in der Jugendseelsorge konzipiert, die es nun mit einer geeigneten Person zu besetzen gilt.

Adrian Wicki Adrian Wicki

Es gibt auch kritische Stimmen zu den Pastoralräumen, etwa, dass die Gläubigen ihre Pfarreien verlieren. Welche Ängste haben Sie gespürt und haben sich diese schlussendlich bewahrheitet?

Die Menschen in den Pfarreien spüren, dass die personellen Ressourcen des Bistums kleiner werden und dass es nicht mehr selbstverständlich ist, dass jede Pfarrei automatisch eine(n) Seelsorger(in) findet. Das löst natürlich Ängste aus, dass das Pfarreileben ohne Seelsorger(in) langsam verschwindet. Gerade solche Ängste sind aber die besten Argumente für eine verstärkte Zusammenarbeit der Pfarreien. Es geht darum Wege zu suchen, wie die Lebendigkeit einer Pfarrei unabhängiger von den hauptamtlichen SeelsorgerInnen erhalten werden kann.

Wo sehen Sie die Chancen eines Pastoralraums, wo gibt es noch Schwierigkeiten?

Die Chancen liegen sicher darin, den Glauben eben gemeinsam ins Spiel zu bringen. Gerade für die ehrenamtlich Engagierten, die es immer noch sehr zahlreich gibt, ist es eine sehr ermutigende Erfahrung plötzlich mit so vielen anderen Engagierten aus anderen Pfarreien zusammenzukommen. Wir haben in unserem Pastoralraum mit insgesamt ca. 5000 Katholiken zum Beispiel sage und schreibe 150 Kinder und Jugendliche, die als Ministranten in den Pfarreien einen wichtigen Dienst leisten. Solche Zahlen beeindrucken und machen Energie frei zum Beispiel in die Ministrantenpastoral etwas zu investieren.

Es sind noch nicht alle Pastoralräume errichtet, was für Tipps können Sie geben?

Einfach mal anfangen! Man kann nicht mehr als Fehler machen, aber das ist weniger schlimm, als stehen zu bleiben.

Wie sehen Sie die Zukunft der Katholischen Kirche in der Schweiz? Wird sie ihre Ressourcen noch mehr bündeln müssen?

Auf jeden Fall! Die Zahl der Gläubigen wird weiter (langsam) zurückgehen und parallel dazu wird es immer weniger SeelsorgerInnen geben. Ein grosses Problem, das zudem auf uns zukommt, ist das Infrastrukturproblem. In unserem Pastoralraum gibt es zum Beispiel 5 Kirchen mit insgesamt um die 2000 Sitzplätzen und das für 5000 Katholiken und einem durchschnittlichen Gottesdienstbesuch von knapp 10%. Streng genommen haben wir drei Kirchen zu viel. Ich bin überzeugt, dass wir diese Diskussion in den nächsten 20 Jahren intensiv werden führen müssen. Umso wichtiger scheint es mir zu sein, den Glauben wirklich neu ins Spiel zu bringen.

Zum Schluss, was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit oder an der Kirche ganz besonders?

Die Projektierung des Pastoralraumes hat mir Freude gemacht, auch wenn ich aus heutiger Sicht wohl einiges wieder ganz anders angehen würde. Grundsätzlich bin ich mit meiner Arbeit als Gemeinde- und Pastoralraumleiter sehr zufrieden. Ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen, der mir bessere Rahmenbedingungen bieten könnte. Ich kann zu Hause arbeiten und mir meine Zeit selber einteilen. Ich komme mit den unterschiedlichsten Menschen in den unterschiedlichsten Situationen zusammen und habe dabei jederzeit das ideale Umfeld den Glauben kreativ ins Spiel zu bringen. Was will man mehr?

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