Bistum Basel
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Im Gespräch mit Pastoralraumleitern

Immer mehr Pastoralräume werden errichtet. Wie ergeht es dabei den Pastoralraumleitern, was sind ihre Erfahrungen? In einer Serie geben uns vier Pastoralraumleiter Auskunft.

Urs Corradini ist Pastoraulraumleiter des Pastoralraums Mittleres Entlebuch.

Die Katholische Kirche in der Schweiz hat immer weniger Seelsorgende, um alle Bedürfnisse der Gläubigen abdecken zu können. Sie befindet sich in einem Entwicklungsprozess, wo sie gezwungen ist, neue Ideen einzubringen. Das Bistum Basel hat dazu den PEP „den Glauben ins Spiel bringen“ ins Leben gerufen. Wie schätzen Sie das Entwicklungspotential dieses Pastoralplans ein?

Der PEP hat zukunftsweisende Perspektiven formuliert und dabei wesentliche Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils aufgegriffen. Da liegt viel Potential drin. Die entscheidende Frage ist, ob sich genügend Mitchristen dafür gewinnen lassen. Wir haben ja nicht nur immer weniger Seelsorgende, sondern auch immer weniger Getaufte, die das kirchliche Leben aktiv mitgestalten.

Es werden immer mehr Pastoralräume errichtet. Sie sind Pastoralraumleiter. Wie funktioniert so ein Pastoralraum und wie sieht Ihre Tätigkeit aus?

Unser Pastoralraum (Mittleres Entlebuch) besteht aus einer grossen und zwei kleinen Pfarreien. Zusammen mit einem Leitenden Priester ist mir die Leitung der drei Pfarreien und des Pastoralraums übertragen worden. Der Pastoralraum wird spürbar in den pfarreiübergreifenden Teams und Gremien, die z.T. noch im Aufbau sind – unser Pastoralraum wird am 17. Februar ein Jahr alt. Der „Regionale Kirchenrat“ beschäftigt sich auf staatskirchenrechtlicher Seite mit gemeinsamen Themen und funktioniert sehr gut; es herrscht ein gutes Einvernehmen zwischen den drei Kirchenräten, deren Präsidenten und Kirchmeier den Regionalen Kirchenrat bilden. Das Pastoralraumteam ist sehr klein, da wir wenig Personal haben; durch das Mitwirken der drei Pfarreisekretärinnen haben wir das nötige Know How im Team, um die Pastoral für die drei Pfarreien zu gestalten. Meine Tätigkeit als Pastoralraumleiter sehe ich v.a. in der Vernetzung der verschiedenen Teams und in der Sicherstellung des Informationsflusses. Hier sind wir immer noch am Suchen von geeigneten Rhythmen und Abläufen.

Es gibt auch kritische Stimmen zu den Pastoralräumen, etwa, dass die Gläubigen ihre Pfarreien verlieren. Welche Ängste haben Sie gespürt und haben sich diese schlussendlich bewahrheitet?

Da ich erst kurz vor Abschluss der Errichtungsphase hierhergekommen bin, kann ich nichts zu konkreten Ängsten sagen. Der künftige Pastoralraum war von seinen natürlichen Grenzen her unbestritten; und die bereits bestehende Zusammenarbeit der drei Pfarreien v.a. im liturgischen Bereich erleichterte die Erarbeitung des Konzeptes. Die Pfarreien leben im errichteten Pastoralraum weitgehend weiter wie zuvor; das kirchliche Leben spielt sich v.a. vor Ort ab. Die grosse Herausforderung sehe ich darin, allen drei Pfarreien als Gemeindeleiter gerecht zu werden. Ich wohne in der grössten Pfarrei, so dass in den beiden kleineren manchmal der Eindruck besteht, sie würden von aussen geleitet. Je mehr Präsenz ich an Anlässen, bei Vereinen und natürlich in der Liturgie habe, umso mehr lernen mich die Menschen in meiner Rolle als Gemeindeleiter kennen. Damit dies leistbar ist, müssen vermehrt Synergien gesucht und pastorale Aktivitäten koordiniert werden. Das gefällt nicht allen Pfarreiangehörigen, die teilweise am Gewohnten festhalten wollen.

Wo sehen Sie die Chancen eines Pastoralraums, wo gibt es noch Schwierigkeiten?

Die Errichtung eines Pastoralraumes ist mit der Erarbeitung eines Pastoralkonzeptes verbunden. Das ist die grösste Chance für die Pastoral: Aufgrund einer Situationsanalyse wird gemeinsam mit verschiedenen kirchlichen Akteuren ein Konzept für eine Pastoral erarbeitet, die auf die Herausforderungen vor Ort abgestimmt ist. Die grösste Schwierigkeit ist, Synergien zu finden und die organisatorischen Aufgaben so anzugehen, dass sie auch mit weniger Personal leistbar ist. Die zweite Schwierigkeit ist – mit oder ohne Pastoralräume –, Menschen für ein kirchliches Engagement zu gewinnen.

Es sind noch nicht alle Pastoralräume errichtet, was für Tipps können Sie geben?

Es braucht viel Zeit, bis sich die Menschen und Gremien in künftigen Pastoralräumen kennenlernen können und die Chancen der Zusammenarbeit entdecken. Dazu müssen Gelegenheiten geschaffen werden, etwa in Teilprojekten zugunsten eines künftigen Pastoralraumes. Und dann geht es darum, das kirchliche Personal für die Pfarreien zu finden, das fähig und willens ist, die Zusammenarbeit im künftigen Pastoralraum aufzunehmen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Katholischen Kirche in der Schweiz? Wird sie ihre Ressourcen noch mehr bündeln müssen?

Die Kirche wird kleiner werden und ihre Ressourcen weiter bündeln müssen. Nichts desto trotz wird sie weiterhin den Glauben ins Spiel bringen, und dieser ist ein Geschenk, das nach wie vor vielen Menschen Freude macht und echte Lebenshilfe bedeutet.

Zum Schluss, was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit oder an der Kirche ganz besonders?

Es ist eine grosse Bereicherung, mit vielen verschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten: Priestern, Katechetinnen, Sakristanen, Sekretärinnen, Kirchenräten, Pfarreiräten, Vereinsvorständen, Gemeindevertreterinnen etc. – auch wenn es nicht immer reibungslos geht. Das ist ein Erlebnis von „Miteinander Kirche sein“.

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