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Kirche kann nicht anders als politisch sein

Was erwartet die römisch-katholische Kirche vom Staat? Was will der Staat von der Kirche? Diese Fragen standen über einer als Elefantenrunde bezeichneten Podiumsdiskussion zwischen einer Ständerätin und einem Bischof. Eine Betrachtung zu einem immer wieder genannten Gegensatz von Kirche und Politik, die aber, zumindest hierzulande, viele Gemeinsamkeiten kennen.

«Ständig, jeden Tag» ärgert sich Bischof Felix Gmür über Politikerinnen oder Politiker. Und die Wege in der Schweizer Politik seien unglaublich lang. Und Ständerätin Pascale Bruderer ärgerte sich über eine gerade gemachte Aussage des Bischofs über die Frage nach dem Priestertum für die Frau in der katholischen Kirche. Die beiden bestritten auf Einladung der römisch-katholischen Zentralkonferenz RKZ am Freitag, 26. Juni, in Muri AG eine Elefantenrunde. Das Wort steht für die – nicht immer sehr galant geführten – Diskussionen der Spitzen der Schweizer Parteien zu Wahlen oder Abstimmungsfragen.

Festsaal- statt Arenastimmung

Das Potenzial zu Elefanten im Sinn von grossen Tieren mit kraftvollem Auftritt haben sowohl die Aargauer Ständerätin, wie der Basler Bischof. Sie mussten aber nicht auf die Hinterbeine steigen, wie in einer Arena, sondern konnten sich, dem Festsaal des Klostergebäudes entsprechend, bedacht und feinsinnig zum Verhältnis von Kirche und Politik äussern. Ohne sich dabei etwas zu schenken. So machte Bischof Felix Gmür klar, dass er kein Verständnis dafür aufbringt, dass die Schweiz Wirtschaftsbeziehungen mit Staaten pflege, die Terrororganisationen unterstützten.

Seine Aussage, dass mit christlicher Stimme in der Weltpolitik kein Geschäft zu machen sei, konterte Pascale Bruderer jedoch umgehend. Die langjährige Bundesparlamentarierin lobte den Bischof für seine persönlichen Stellungnahmen zu brisanten politischen Themen und machte deutlich: Die Stimme der Kirche werde durchaus gehört. Das sei aber nur möglich, wenn sie sich auch in die Debatte einbringe. So wünschte sich die reformierte Ständerätin beispielsweise, dass sich die Bischofskonferenz viel häufiger zu politischen Themen äussern möge.

Kirche sind nicht nur die Bischöfe

Hier war es nun der Bischof, der widersprach und humorvoll anmerkte, dass die Meinung der Schweizer Bischöfe zu Tempoentscheiden auf der Autobahn wohl kaum jemand hören möchte. Zudem äussere sich die Kirche nicht allein durch die Stimme der Bischöfe, beziehungsweise der Bischofskonferenz. Kommissionen, Fachgruppen und Fachleute würden – je in ihren Themenbereichen – sehr wohl Stellung zu aktuellen politischen Fragen beziehen. Auch das sei Stimme der Kirche.

So ging diese Debatte unter der umsichtigen Leitung des Aargauer Kirchenratspräsidenten und RKZ-Vizepräsidenten Luc Humbel weiter, aufmerksam verfolgt von den Vertreterinnen und Vertretern der kantonalen Körperschaften der katholischen Kirche in der Schweiz.

Als Dialogpartner anbieten

Darf Kirche politisch sein? Diese immer wieder auftauchende Frage dürfte falsch gestellt sein. Denn Kirche kann mit ihren Glaubensinhalten gar nicht anders, als sich in das öffentliche, das politische Leben vor Ort einmischen: Soziale Gerechtigkeit, Achtung der Menschenwürde, Bewahrung der Schöpfung sind auch hochpolitische Themen. Sie werden dort lediglich unter anderen Namen verhandelt. Und Papst Franziskus macht deutlich vor, welche Kraft eine aus dem Glauben formulierte politische Stellungnahme haben kann. Doch wer so auftritt, muss für Entgegnungen, nicht nur wohlwollende, offen sein.

Gesprächsleiter Luc Humbel stellte in Muri auch die These auf, dass die Kirche in der Politik dann willkommen sei, wenn sie helfe, wenn sie materielle oder finanzielle Unterstützung leiste. Dass sie sich aber davor fürchte, in kontroversen Debatten Verbindungen mit nichtkirchlichen Meinungsträgern einzugehen. Pascale Bruderer erwartet von der Kirche auch gar nicht, dass sie sich als Koalitionspartner anbietet. Aber sie wünscht sich, dass die Kirchen in der Öffentlichkeit noch viel mehr über Pfarrei- und Kirchgemeindegrenzen hinaus in den politischen Dialog treten.

Martin Spilker, kath.ch

 

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