Bistum Basel
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Krankensonntag, 1. März 2015

Zum Tag der Kranken am 1. März 2015 wenden sich die Schweizer Bischöfe an die Kranken im Spital und auch zuhause. Durch Körperliches Leiden, Schmerzen sowie lebensbedrohliche Diagnosen stürzen Menschen oft in eine Krise. Sie spüren sich oft matt, ausgebrannt, allein gelassen, angewiesen auf Hilfe und Unterstützung und erfahren teilweise auch Unverständnis. Vielen Kranken stellen sich dadurch auch existentielle Fragen: Warum bin ich krank? Werde ich gesund? Welchen Sinn haben meine Schmerzen und mein Leiden? Ist mit dem Tod alles aus? Was bringt mir der Glaube? Nach christlicher Überzeugung sorgt sich Gott um  Menschen, damit sie leben können, hier und jetzt und über den Tod hinaus. Diese Sorge Gottes um die Menschen ist in Jesus Christus sichtbar geworden: in der Art und Weise, wie er sich den kranken Menschen zugewandt hat. Wie er sich mit kranken, leidenden Menschen identifiziert, zeigt sich auch in seinen Wort der Gerichtsrede: „Ich war krank, und ihr habt mich besucht“ (Mt 25,36). Am 1. März wenden sich deshalb die Schweizer Bischöfe mit einem Wort an die Kranken:

 

Wort der Bischöfe zum Krankensonntag 2015, 1. März 2015
 

Das Gerede vom lebensunwerten Leben ist eine „grosse Lüge“ (Papst Franziskus)

Liebe Brüder und Schwestern,

Mit einem Zitat aus dem Buch des grossen Dulders Hiob beginnt Papst Franziskus seine berührende Botschaft zum XXIII. Welttag der Kranken 2015: „Auge war ich für den Blinden, dem Lahmen wurde ich zum Fuss.“ (Ijob 29,15). Papst Franziskus geht das Thema aus der Perspektive der „sapientia cordis“, der „Weisheit des Herzens“ an, weil diese Erkenntnis „eine vom Heiligen Geist eingegebene Geistes- und Herzenshaltung“ ist, „voll Erbarmen und reich an guten Früchten“ (Jak 3,17).

Mit einem weiteren Schriftwort aus Psalm 90,12 „Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz“ zeigt er auf, in welchem Kontext er seine diesjährige Botschaft verstanden wissen will. Papst Franziskus prangert eine wachsende Akzeptanz der Sterbehilfe in Form von Euthanasie und Beihilfe zum Suizid an. „Welch grosse Lüge verbirgt sich (...) hinter gewissen Äusserungen, die so beharrlich die »Lebensqualität« betonen, um zu dem Glauben zu verleiten, ein von schwerer Krankheit befallenes Leben sei nicht wert, gelebt zu werden!“ (ebd.)

Der Papst plädiert für eine intensive Zuwendung zu den Kranken. Tatsächlich zeigt die Erfahrung, dass Suizidgedanken und das Gefühl, nur noch zur Last zu fallen, bei den Kranken nachlassen oder ganz verschwinden, wenn sie eine liebevolle Zuwendung und Wertschätzung erfahren. „Unsere Welt vergisst manchmal den besonderen Wert der am Krankenbett verbrachten Zeit“, schreibt Papst Franziskus. Für ihn ist diese Zeit „eine heilige Zeit“ (ebd.) Deshalb fordert er uns auf: „Bitten wir in lebendigem Glauben den Heiligen Geist, dass ER uns die Gnade schenke, den Wert der oftmals schweigenden Begleitung zu erkennen“. Oft können wir für Schwerkranke und Sterbende nichts anderes mehr tun als einfach für sie da zu sein, zu schweigen und ihre Hand zu halten. Das aber ist sehr viel!

Angenommenes und geteiltes Leid können nach Franziskus zu einer Quelle jener Weisheit des Herzens werden, von der er eingangs gesprochen hat, obwohl „der Mensch mit seiner Intelligenz nicht fähig ist, es (das Leiden) bis zum Grunde zu begreifen.“ (ebd.).

Ärztliche und pflegende Kunst ist heutzutage so fortgeschritten und sensibilisiert, dass kein Schwerkranker unerträgliche Leiden befürchten muss. Auch Schwerstkranken kann durch eine adäquate palliative Behandlung, Pflege und Begleitung eine angemessene Lebensqualität erhalten bleiben. Sie ermöglicht und fördert seelische Reifungsprozesse, Kontakte und bewusstes Abschiednehmen, die so wichtig sind in der letzten Phase unseres Lebens. Das Sterben soll eingebettet sein in ein von Liebe und Mitmenschlichkeit geprägtes Umfeld. Dabei sollten alle Beteiligten erkennen, dass Sterben keine Niederlage bedeutet, sondern zum Leben gehört wie die Geburt.

Für viele Menschen wird eine schwere Erkrankung, die auch zu ihrem Tod führen kann, zu einem Prozess der Reifung und Vollendung. Wie oft wird eine Krankheit, die zum Tode führt, zu einem Weg der Versöhnung mit sich selbst, mit Gott und den Mitmenschen, die im eigenen Leben von Bedeutung waren. Solche Prozesse brauchen Zeit, Zuwendung und Begleitung. Niemand sollte sich dieser Möglichkeiten durch eine vorsätzliche Tötung begeben, die Angehörige und Freunde ohnmächtig zurücklassen. Die Formel lautet deshalb: Zuwendung und Begleitung statt Euthanasie, Suizidbeihilfe und Beziehungsabbruch.

Papst Franziskus hebt hervor, dass wir auch im Leiden die Erfahrung der Gnade Gottes machen können. Er würdigt und dankt allen Menschen, die sich aufopferungsvoll um Kranke bemühen und sie bis zuletzt liebevoll begleiten und pflegen. Er tut dies umso mehr, als viele Kranke nicht mehr in der Lage sind, sich bei ihren Angehörigen und Pflegenden bedanken zu können. Die Schweizer Bischöfe schliessen sich diesem Dank an. Sie machen sich das Gebet zu eigen, das Papst Franziskus am Ende seiner Botschaft an die Jungfrau Maria richtet:

 „O Maria, Sitz der Weisheit, tritt Du als unsere Mutter für alle Kranken ein und für die, welche sie pflegen. Gib, dass wir im Dienst am leidenden Nächsten und durch die eigene Erfahrung des Schmerzes die wahre Weisheit des Herzens aufnehmen und in uns wachsen lassen können!“ (ebd.)

Im Namen der Schweizer Bischofskonferenz

+Marian Eleganti, Weihbischof von Chur

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