Bistum Basel
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Musik für den Glauben - Interview mit Thomas Scheibel

Thomas Scheibel ist Jugendseelsorger der kath. Pfarreien St. Antonius, Kleindöttingen und St. Peter und Paul, Leuggern und für die musikalische Gestaltung des Bistumsjugendtreffens verantwortlich. Er beantwortet Fragen zum Thema Musik und Jugendliche.

Wie sieht Ihre Tätigkeit aus? Was verbindet Sie mit der Musik?

Als Jugendseelsorger habe ich viele unterschiedliche Aufgaben: Religionsunterricht, Firmvorbereitung, Präses bei Jungwacht und Blauring, diverse Anlässe und Projekte.

In den Religionsstunden, im Lager und auf Reisen wird dabei immer auch gesungen und musiziert. Ein Lager ohne einen Lagersong (den ich in der Regel selbst komponiere) oder ohne einen Liederabend am Lagerfeuer ist undenkbar!

Die Musik war schon von Kindheit an mein liebstes Hobby. Ich habe in der örtlichen Blaskapelle mitgespielt, im Kirchenorchester musiziert, in einem Studentenchor auch anspruchsvolle geistliche Werke gesungen.

Von Haus aus bin ich Schlagzeuger, Gitarre, E-Bass, Klavier und Gesang gehören aber auch zu meinem Repertoire. Während meines Studiums konnte ich mir dann noch weitere Fähigkeiten wie Tonsatz und Chorleitung aneignen. Die Band „Ephatha“ ist dann aus einer Ministrantengruppe entstanden.

Ich habe mich nie auf nur ein Instrument oder eine musikalische Stilrichtung festgelegt, sondern habe mit unterschiedlichsten Leuten und Ensembles ganz verschiedene Musikstile interpretiert, komponiert, arrangiert – von Volksliedern und Blasmusik bis zur Mozart-Messe! Ich finde es spannend, immer wieder neu die passenden Lieder und Töne für einen Gottesdienst zu finden und so die richtige Stimmung zu erzeugen. An der Kirchenmusik reizt mich, dass sie – im Gegensatz zu einem Konzert – immer im Wechselspiel von Anlass, Band und Gemeinde steht und ein Gottesdienst nie bis ins letzte planbar ist.

Was war der schönste Auftritt?

Weil die Band „Ephatha“ im Dezember auf ein 25jähriges Bestehen zurückblickt (d. h. wir sind älter als die meisten Jugendlichen, die am Treffen teilnehmen werden!) denke ich im Moment sehr viel an die Nervosität vor den ersten Gottesdiensten und Konzerten. Und natürlich denke ich auch an einige ganz besondere Erlebnisse zurück, z. B. an die Konzerte bei Katholikentagen in Karlsruhe und Hamburg und an die beiden CD-Aufnahmen. Ganz besonders eindrucksvoll waren die musikalische Gestaltung der Papstmesse beim Schweizer Jugendtreffen 2004 in Bern, bei der ein Teil unserer Band mitwirken konnte, sowie die beiden Musicalaufführungen „Mara sucht Weihnachten“ und „Der kleine Tag“. Und es ist natürlich toll, wenn wir mit unserer Musik besondere Räume zum Klingen bringen dürfen, wie z. B. die Klosterkirche in Einsiedeln, den Dom in St. Blasien, das Münster in Konstanz – und natürlich auch die Kathedrale in Solothurn!

Wie wichtig ist Musik für die Kirche?

Enorm wichtig! Was wäre ein Fest ohne Musik? Umso wichtiger scheint es mir, dass man die Kirchenmusik nicht auf bestimmte Stile und Instrumente einengt, sondern eine wahrhaft „katholische“ Vielfalt pflegt und bei jedem Anlass neu überlegt, welche Musik braucht es da. Über Musik lassen sich viele Menschen ansprechen, denen Worte, Gesten und Rituale der Kirche eher fremd geworden sind.

Kann man über die Musik auch die Jugendlichen für die Kirche begeistern?

Ja und nein. Die Musik ist sicher kein „Geheimtipp“, mit dem man Jugendliche wieder in Scharen in die Kirche bringen kann. Ich denke eher umgekehrt: die richtige Musik kann helfen, Berührungsängste abzubauen, Stimmungen zu erzeugen, ein Gemeinschaftsgefühl zu verstärken – und das funktioniert bei jüngeren und älteren Menschen gleichermassen. Nach Firmgottesdiensten, Konzerten u.ä. bekommen wir stets Rückmeldungen von Menschen in allen Altersstufen, was uns natürlich besonders freut. Ich denke aber nicht, dass Jugendliche wegen unserer Musik in die Kirche kommen, denn der Stil der meisten „rise up“-Lieder ist ja nicht die Musik, die sie im Alltag gerne hören. Aber oftmals ist der Text dieser Lieder einfach näher an unserer Zeit und unserer Alltagssprache als viele traditionelle KG-Lieder. Und natürlich wissen wir inzwischen auch recht gut, welche Lieder bei welchem Publikum gut „funktionieren“.

Sie waren bei vielen Jugendtreffen dabei. Welche Art von Musik ist gefragt? Nur Pop/Rock oder kann man die Jugendlichen auch mit klassischen Werken überzeugen?

Obwohl ich selber auch ein Verehrer der klassischen Musik bin und mit meinen Chören auch viele anspruchsvolle Werke aufführe, fände ich solche Musik bei einem Jugendtreffen eher problematisch. Es braucht viel Hilfestellung, damit die Jugendlichen einen Zugang zu solchen Werken finden, weil allein schon die Orgel als Instrument fremd geworden ist (auch das gilt meiner Meinung nach wieder für Jugendliche und Erwachsene gleichermassen). Auch passt die eventmässige Stimmung beim Jugendtreffen in der Regel nicht dazu. Ich habe aber sehr wohl erlebt, wie unsere Kirchenmusikerin in Waldshut mit Firmanden das Werk „8:33“ von John Cage oder eine ganz moderne Passion aufgeführt hat. Oder wie Jugendliche bei einem Taizé-Gebet durchaus offen sind für diese ästhetisch wertvollen Gesänge und hinterher sagen können „die Musik war schön“.

Für den Gottesdienst in Solothurn haben wir sogenannte „Neue Geistliche Lieder“ aus dem „rise up“-Liederbuch gewählt. Hier kommen Sprache und Musik dem Bedürfnis der Jugendlichen entgegen ohne aber allzu oberflächlich zu sein.

Welche Tipps haben Sie für eine gute Jugendseelsorge?

Auch  nach 14 Jahren als Jugendseelsorger bin ich immer noch am Ausprobieren. Vieles habe ich als gelungen erlebt, manche Dinge gingen mehrfach eher daneben oder mussten auch mal aufgegeben werden.

Grundsätzlich glaube ich, dass man als Jugendseelsorger vor allem echt sein sollte. Man muss ein ehrliches Interesse an den Fragen und Ansichten der Jugendlichen mitbringen. Aber statt immer nur „cool“ sein zu wollen, darf man dann auch seine eigenen Ansichten, Fragen… einbringen.

Wenn Sie für Papst Franziskus etwas spielen dürften, welches Stück würden Sie wählen?

Bei Weihbischof Denis kenne ich inzwischen seine Lieblingslieder, bei Franziskus ist das schon etwas schwieriger… Vielleicht täusche ich mich in ihm, und er würde sich über ein Lied im Rhythmus seiner südamerikanischen Heimat freuen? Viel eher aber glaube ich, dass ich etwas ganz Schlichtes auswählen würde, was sich nur mit einer Gitarre und einer Flöte begleiten lässt – vielleicht einen Kanon, der erst das Mitsingen Vieler zu einem richtigen Kunstwerk wird. Mir fällt da ein Lied ein, das eine mir völlig unbekannte Deutsche Komponistin auf einen Text des sehr bekannten Dichters und Theologen Thomas Laubach für den Katholikentag in Mannheim im letzten Jahr geschrieben hat und das auch inhaltlich gut zu Papst Franziskus passen würde. Vielleicht kann ich es ihm ja tatsächlich mal vorspielen:

(c) alle Rechte beim tvd-Verlag Düsseldorf http://www.tvd-verlag.de/
Text: Thomas Laubach, Musik: Daniela Dicker

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