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Umnutzung: Der Weg zu Christus führt nicht über ein Gebäude

Moschee Als Moschee umgenutzte Kirche in Palermo

Eine Bar, ein Nachtclub, ein Theater oder ein Museum. All das kann aus einer ehemaligen Kirche werden, wie eine Ausstellung in der katholischen Kirche Don Bosco zeigt. Was sie davon halten, sagten der Basler Bischof Felix Gmür, der ehemalige Münsterpfarrer und ein Stadtentwickler an einem Podiumsgespräch am Montag, 18. Januar, in Basel.

Von Regula Pfeifer, kath.ch

Wie Ungeheuer stehen graue Geräte im hellen Kirchenraum. Die Kirche in Neapel wurde zum Fitnesscenter umfunktioniert. Ebenfalls aus einer Kirche hervorgegangen sind ein eleganter Nachtclub in Mailand, die mit roten Teppichen ausgelegte Moschee in Palermo, die Disco-Bar in Pianezza, die antik möblierte Privatwohnung in Venedig, das rot bestuhlte Theater in L›Aquila und die riesige Magna Aula der Universität Bologna. Die Fotoausstellung in der Basler Kirche Don Bosco zeigt, was aus einer nicht mehr für Gottesdienste genutzten Kirche alles werden kann. Ein Thema, das auch Don Bosco betrifft.

Die Kirche hat 2012 den letzten Gottesdienst erlebt und wartet seither auf einen neuen Zweck. 50 Bilder des italienischen Fotografen Andrea Di Martino aus ganz Italien decken die Spannbreite der Möglichkeiten.

Nicht alle Vorschläge kamen aber gleich gut an bei den Podiumsteilnehmern vom Montagabend, die sich in Don Bosco vor rund hundert Interessierten den Fragen des Journalisten Patrick Griesser stellten. «Ich würde einer Umnutzung zu einer Moschee nie zustimmen», sagte der Bischof Felix Gmür mitten in der Diskussion. «Manche Moslems würden dies als Übernahmecoup verstehen», argumentierte er. Und das würde die Religionsgemeinschaften gegeneinander aufbringen, anstatt friedensfördernd zu wirken, zeigte sich Gmür überzeugt.

«Ich würde einer Umnutzung zu einer Moschee nie zustimmen»

Der ehemalige Basler Münster-Pfarrer Franz Christ verwies auf einen anderen Aspekt. Moscheen müssen auf Mekka ausgerichtet werden. Das Foto der Moschee in der Kirche Palermos zeige, so Christ: «Wenn die Moschee ihre Ausrichtung im Kircheninnern gegen Mekka hindrehen muss, entsteht etwas Verqueres.».

Bischof Gmür bezweifelte auch, ob eine Umnutzung zu einem Museum gut sei. «Kirchen sind keine Museen», sagte er. Hier bewies Christ mehr Verständnis und verwies auf ein gelungenes Beispiel in der Region.

Nein zu Fitnessclub und Bank

Kirchen in Museen oder Bibliotheken umzuwandeln – also als Orte des Denkens – finde er durchaus passend, sagte der Leiter Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt, Thomas Kessler. Mühe bekundete er mit einem Fitnessclub im Kirchengebäude. Da traf er sich mit dem Bischof.

Fast religiöse Körperkultur

Gewisse Nutzungsarten forderten ihn besonders heraus, sagte Gmür und erwähnte neben dem Fitnesscenter und eine Bank. «Im Fitnesscenter wird der Kult des Körpers fast religiös gefeiert und in der Bank der Kult des Geldes.» Das zeige, so der Bischof: «Wir sind pseudoreligiös geworden.» Dabei gehe es weniger um Säkularisierung, vielmehr um Pluralisierung, im Sinne: «Alles wird überall gemacht.»

Oasen der Ruhe

An der Ausstellung irritierte den Bischof, dass die Kirchen durch die Umnutzung einem Zweck zugeführt würden. «Die Kirche ist aber ein Ort zweckfreien Seins», so der Bischof. Hier müsse man nichts, weder beten noch kaufen. «Das Schöne am Kirchengebäude im städtischen Raum ist, dass es einfach da ist.» Es sei eine Oase der Ruhe. Ebenso empfanden das die anderen Podiumsteilnehmer. «Die Kirche ist oft der einzige Ort, wo Menschen zum Beten zur Ruhe kommen», sagte der frühere reformierte Münsterpfarrer. Da habe die Kirche eine grosse Verantwortung, wenn sie solche Räume schliessen wolle.

Auch für Kessler ist die Don Bosco-Kirche ein Ort der Ruhe für die Quartierbevölkerung. Das Bedürfnis nach Ruhe, Zweckfreiheit und Spiritualität ist nach seiner Einschätzung in letzter Zeit gewachsen. Kessler verweist auf die rege besuchten Angebote der Klöster. Die Kirchen rief er dazu auf, sich nicht voreilig abzumelden und betonte: «Auf keinen Fall möchte ich die Kirche kommerzialisieren.»

Christus und sein Gebäude

Die Stadt habe Wünsche, zahle hingegen nicht, entgegnete der Basler Bischof – was Kessler später relativierte. Tatsache sei, so Gmür: «Wir haben zu viele Gottesdienstorte.» Die kirchliche Struktur in der Stadt Basel sei auf 90’000 Menschen ausgerichtet, die immer in die Kirche kommen. «Jetzt haben wir 30’000 Menschen, die ab und zu in die Kirche kommen.»

Erhalt einer alten Kirche ist nicht unbedingt erstrebenswert

Es gehe darum, die Situation zu akzeptieren. Gleichzeitig nahm er der Frage nach den Kirchengebäuden etwas Wind aus den Segeln. «Wir sind dazu da, die Menschen zu Christus hin zu führen – mit oder ohne Gebäude», so der Bischof. In Afrika gebe es dafür oft keine Gebäude.

Auch ein Erhalt alter Kirchen um jeden Preis sieht der Bischof als nicht unbedingt erstrebenswert an. «Viele grossartige Gebäude entstehen nur, weil alte abgebrochen wurden», sagte er und verwies auf den Petersdom in Rom, dem eine alte Basilika weichen musste.

Bischof hofft auf christliche Gemeinschaft

Die optimale Lösung für Don Bosco sehen der katholische und der reformierte Geistliche darin, die Kirche einer anderen christlichen Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Bischof Gmür verwies auf eine katholische Kirche in einer Luzerner Vorortsgemeinde, in die eine christlich-orthodoxe Gemeinschaft einziehen werde. Er hofft aber, dass man bei Don Bosco auch die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt, die mit der Kirche durch Erstkommunion oder Heirat verbunden sind. «Unter der Kirche gibt es eine Krypta. Vielleicht könnte man diese für religiöse Zwecke erhalten»«, schlug er vor.

Wie es weiter geht mit Don Bosco, darum kümmert sich der Basler Kirchenrat in Absprache mit Bischof Gmür. Aktuell laufen Gespräche mit einer evangelischen Freikirche, einer anglikanischen Kirche und einer Kunstschule. Die Pfarrei Heiliggeist, zu der Don Bosco gehört, wünscht die Umwandlung in eine Begräbniskirche. Die Verhandlungen mit der Musik-Akademie Basel im vergangenen Jahr scheiterten an Fragen zur Finanzierung, erklärte Christian Griss, Präsident des Kirchenrats der RKK Basel-Stadt, gegenüber kath.ch. (rp)

 

 

 

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