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Weihnachtsreportage der Kinderhilfe Bethlehem

Dr. Hiyam Marzouqa - Foto Meinrad Schade Chefärztin Marzouqa im besorgten Dialog mit dem Vater eines Neugeborenen, das aufgrund starker Unterkühlung intensivmedizinisch behandelt wird. - Foto Meinrad Schade

„Kinder jammern weniger als Erwachsene“ – Dr. Hiyam Marzouqa, seit 2006 Chefärztin des Caritas Baby Hospitals in Bethlehem, liebt ihre Arbeit trotz hoher emotionaler Belastungen und stressigen Situationen. Obwohl sie das Leben während ihrer zwei Studienaufenthalte in Deutschland sehr genoss, kehrte die Palästinenserin nach dem Abschluss in ihre Heimat zurück. Einerseits, weil sie die Wärme und Herzlichkeit ihrer Heimat vermisste, andererseits, weil es im Westjordanland an qualifiziertem Arztpersonal – vor allem an Kinderärzten – mangelt. Jährlich werden unter der Leitung der Christin rund 36.500 Kinder im Alter bis zu 16 Jahren im Caritas Baby Hospital behandelt. Die 1952 gegründete Klinik ist das einzige auf Neugeborene und Kinder spezialisierte Krankenhaus im gesamten Westjordanland, welches Mütter in das Behandlungskonzept miteinbezieht. Zur stationären Behandlung stehen insgesamt rund 90 Betten zur Verfügung, davon sieben auf der erst letztes Jahr gegründeten Intensivstation. In der Regel bleiben Kinder nur wenige Tage auf dieser Station, aber auch Aufenthaltszeiten bis zu drei Monate können bei schweren Erkrankungen vorkommen. Häufig werden vor allem Neugeborene eingeliefert, die an Atemwegserkrankungen, Infektionen oder Erbkrankheiten leiden.

Vier Tage mit Rasin

7.30 Uhr morgens, kurz nach Sonnenaufgang. Das Thermometer zeigt selbst jetzt im Dezember schon zehn Grad – im Verlauf des Nachmittags wird es bis auf angenehme 20 Grad klettern. Dr. Marzouqa ist gerade im Caritas Baby Hospital eingetroffen und bespricht die neuen Patientenakten mit den behandelnden Ärzten. Durchschnittlich werden im Caritas Baby Hospital täglich rund 100 Kinder behandelt. Letzte Nacht wurde ein zwei Tage altes Neugeborenes mit alarmierenden Blutwerten auf die Intensivstation eingeliefert. Diagnose: Neugeborenengelbsucht. Bei unzureichender Akutbehandlung hinterlässt sie häufig irreparable Hirnschäden. Dr. Marzouqa begleitet die behandelnden Ärzte auf die Station und wirft einen Blick auf den Neuankömmling, der regungslos und mit geschlossenen Augen in einem der beiden verfügbaren Brutkästen liegt. Seine Haut schimmert bläulich, denn er wird mit der sogenannten Phototherapie behandelt, bei der kurzwelliges, blaues Licht therapeutisch eingesetzt wird. Seine Eltern, Mohammed (25) und Fatemah (22), stehen gebannt neben dem Brutkasten und beobachten jeden Handgriff der Ärztin. Nach vier Tagen verbessern sich Rasins Werte, auch ohne Bluttransfusion. Der kleine neugeborene Junge hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Rasin bedeutet: der Widerstandsfähige. Dankbar und erleichtert dürfen seine Eltern ihn mit nach Hause nehmen. „Im Fall des kleinen Rasin ging alles gut, weil seine Eltern ihn rechtzeitig zu uns gebracht haben“, erklärt Dr. Marzouqa. „Wir werden ihn weiter beobachten und regelmässig zu Kontrolluntersuchungen einladen.“

Dr. Hiyam Marzouqa - Foto Meinrad Schade Dr. Hiyam Marzouqa - Foto Meinrad Schade

Grenzenlose Hilfe

Neben medizinischen Notfällen prägen auch logistische Probleme die Arbeit im Caritas Baby Hospital. Je nach Schwere des Falls, muss die Klinik Kinder trotz eigener Intensivstation in andere Krankenhäuser verlegen. „Kinder, die zum Beispiel chirurgische Eingriffe benötigen, müssen wir in eine nahegelegene Klinik in Jerusalem bringen“, erzählt Dr. Marzouqa. „Dazu benötigen wir eine Transfererlaubnis für die Strassensperren zwischen palästinensischem Autonomiegebiet und israelischem Boden.“ Obwohl das Krankenhaus in Jerusalem nur zehn Fahrtminuten von Bethlehem entfernt liegt, können Stunden verstreichen, bis die Bewilligung erteilt und der Patiententransport erfolgen kann. Wertvolle Zeit, die über Leben und Tod entscheiden kann.

Auch die Behandlung von Kindern aus Gaza, in der Geschichte des Krankenhauses früher keine Seltenheit, gestaltet sich mittlerweile sehr schwierig. Nur in sehr seltenen Fällen erhalten Patienten eine Ausreisegenehmigung. So konnten beispielsweise während der Feuerpausen der jüngsten Gewalteskalation zwischen Israel und Hamas im Sommer 2014 insgesamt fünf schwerkranke Patienten aus Gaza ins Caritas Baby Hospital gebracht werden. Die Krankenhäuser in Gaza waren aufgrund der beschädigten Infrastruktur nur bedingt funktionsfähig und überdies wegen der vielen zivilen Opfer völlig überfüllt. Eines dieser fünf Babys war die kleine Ghazal. „Zwar hat ihr Transport unser Team vor eine große logistische Herausforderung gestellt. Doch zum einen kann sie hier im Caritas Baby Hospital wesentlich besser behandelt werden, zum anderen bedeutet ihre Verlegung nach Bethlehem eine Entlastung der Beatmungsmaschine in Gaza zugunsten anderer Patienten“, erklärt Dr. Marzouqa. Sie wisse, dass dieses Engagement nur „ein Tropfen auf den heissen Stein“ sei. „Aber da auch Gaza ein Teil Palästinas ist, ist es für uns selbstverständlich zu helfen, wo es möglich ist.“

Hoffnung spenden

Dr. Marzouqa bezeichnet das Caritas Baby Hospital als „eine funktionierende Kinderklinik in einem faktisch nicht funktionierenden Staat“. Leid und Resignation gehören zum Alltag. Leider sei das Aufklärungsniveau gerade junger Eltern trotz intensiver Bemühungen teilweise noch sehr gering. Oft werde sie mit Situationen konfrontiert, bei denen Kinder zuerst nach alten Bräuchen und Sitten behandelt wurden, bevor ihre Eltern sie in die Klinik brachten. So weisen beispielsweise Babys mit schweren Magen-Darm-Erkrankungen oftmals Verbrennungen auf, weil ein alter Brauch das Auflegen heißer Gegenstände bei Bauchschmerzen empfiehlt. Neben medizinischen Notfällen und alten Sitten sieht sich das Ärzte- und Pflegeteam des Krankenhauses immer wieder auch mit menschlichen Herausforderungen konfrontiert: „Täglich erleben wir harte Schicksale. Manchmal kostet es mich viel Kraft, mit den Eltern zu sprechen, wenn ich weiss, dass die Lebenserwartung ihres Kindes sehr gering ist. In solchen Momenten muss ich mich manchmal, trotz vieler Jahre Berufserfahrung, für ein paar Minuten zurückziehen“, so Dr. Marzouqa.
Die Chefärztin sieht es als essenzielle Aufgabe an, Eltern kranker Kinder zu motivieren, zu bestärken und ihnen Sicherheit zu geben. Die Klinikmitarbeitenden müssten die Menschen richtiggehend an die Hand nehmen, denn die unsichere Lage im Westjordanland zwinge sie zur Vorbildfunktion. Um dafür Kraft zu schöpfen, besuche sie oft morgens die Geburtskirche. Dort entzünde sie für sich, ihre Familie und die benachteiligten Menschen im Heiligen Land eine Kerze und bete, dass möglichst viele ihrer Patienten die Klinik wieder gesund verlassen mögen. „Medizinische Hilfe zu leisten ist das Eine. Der Umgang mit persönlichen Ängsten um manchmal hoffnungslose Behandlungsverläufe einiger Patienten ist das Andere. Wenn ich aber sehe, wie oftmals Kinder schwerkrank auf die Intensivstation kommen und diese mit einem Lächeln wieder verlassen können, sogar nach Hause entlassen werden dürfen, motiviert mich das immer wieder von Neuem.“

(Kinderhilfe Bethlehem)
 

Caritas Baby Hospital Bethlehem
Finanziert und betrieben wird das Caritas Baby Hospital im Westjordanland von der Kinderhilfe Bethlehem. Das Behandlungskonzept bindet Mütter eng in den Heilungsprozess ihrer Kinder mit ein. Darüber hinaus versteht sich die Kinderklinik als Hoffnungsträgerin und Insel des Friedens für Kinder, Mütter und ihre Familien in einer politisch unsicheren Region. 2013 wurden 36.500 Kinder und Babys behandelt und betreut. Alle Kinder erhalten Hilfe, unabhängig ihrer Herkunft und Religion. „Wir sind da“, das Leitwort der Kinderhilfe Bethlehem und des Caritas Baby Hospitals, ist Anspruch und Verpflichtung zugleich. Nur dank Spenden kann die Kinderhilfe Bethlehem ihre hoffnungsvolle Mission erfüllen und Kinderleben retten.

http://www.kinderhilfe-bethlehem.ch/spenden/

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