Bistum Basel
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Weltjugendtag

Bericht vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro im Juli 2013

von Weihbischof Martin Gächter

Seit 20 Jahren konnte ich an allen internationalen Weltjugendtagen teilnehmen, zu dem der Papst die Jugendlichen und Bischöfe der ganzen Welt alle 2 – 3 Jahre einlädt. Am 23.-29. Juli 2013 kamen in Rio de Janeiro über 1 Million Jugendliche aus 175 Ländern und allen Kontinenten zusammen, dazu 750 Bischöfe und Papst Franziskus. Aus der Schweiz kamen 400 Jugendliche: 200 aus der deutschen Schweiz mit Jugendbischof Marian Eleganti, 130 aus der Romandie mit Weihbischof Denis Theurillat, dazu Gruppen aus dem Tessin und verschiedenen Pfarreien. Ich selber besuchte in der Woche zuvor (15.-23. Juli) die Scalabrini Missionarinnen in ihrem Säkularinstitut in São Paulo.

Brasilien ist das grösste Land Lateinamerikas. Es ist das Land mit den meisten Katholiken der ganzen Welt: ca. 130 Millionen Katholiken unter den 196 Mio Einwohnern.
São Paulo ist die grösste Stadt Brasiliens und Lateinamerikas (mit ca. 20 Mio Einwohnern), mit zahlreichen Wolkenkratzern, in denen viele Leute wohnen. In ihr steht auch seit 1989 das grosse kulturelle Zentrum Memorial America Latina mit grossartigen Gebäuden des berühmten Architekten Oscar Niemeyer (1907-2012). Da treffen sich neben vielen Besuchern auch Politiker, Künstler und Wirtschaftsleute aus ganz Lateinamerika. Zahlreiche Einwanderer gibt es in Lateinamerika, darunter auch Deutsche und Italiener. Brasilien ist ein aufstrebendes Land mit viel Industrie (auch Autos und Flugzeuge) und grosser Landwirtschaft (Kaffee, Fleisch). Doch gibt es auch viele Arme und Arbeitslose. Neben der Korruption sind viele Diebstähle zu beklagen. Auffallend viele Obdachlose leben und schlafen auf den Strassen. Sie werden teilweise von Ordensleuten und Freiwilligen betreut, etwa im bewunderns-werten Projekt „Rua Minha – Casa Minha“. Die Scalabrini-Patres führen in São Paulo ein grosses Migranten-Zentrum, in dem sie jeden Tag über 100 Migranten aufnehmen, betreuen und beraten können.

Rio de Janeiro soll die schönste Stadt der Welt sein. Sie liegt am Meer, hat schöne Buchten und Strände mit Palmen und ist umgeben von Bergen und eindrücklichen Granithügeln, darunter der 396 m hohe Zuckerhut und der 710 m hohe Corcovado, auf dem seit 1931 die 38 m hohe Christusstatue steht, die mit offenen Armen uns alle empfängt. Jedes Jahr kommen Hunderttausende Besucher aus aller Welt, etwa zum berühmten Karneval von Rio. Am Silvesterabend (im heissen Sommer!) feiern jedes Jahr etwa eine Million Menschen am Strand von Copacabana. Dieser 4 km lange und etwa 200 m breite Sandstrand war auch der schöne Ort für die Treffen und Gottesdienste mit Papst Franziskus. Der Name „Copacabana“ kommt vom grössten Marienwallfahrtsort Boliviens. Auswanderer aus diesem armen Hochland haben am Strand von Rio eine kleine Kapelle für „ihre“ Muttergottes von Copacabana gebaut, die nun dem berühmten Hotel- und Strandquartier den Namen „Copacabana“ gegeben hat. In Brasilien kann man immer wieder den religiösen Ursprung von weltlichen Berühmtheiten entdecken. So ist auch das grosse São Paulo aus einer kleinen Missionsstation entstanden, welche die Jesuiten im Jahr 1554 gegründet hatten.

Papst Franziskus wurde mit grossem Enthusiasmus empfangen. Er faszinierte mit seiner Einfachheit und Herzlichkeit. Er wurde nicht müde, möglichst jedem zuzuwinken, viele Hände zu schütteln, Kinder zu küssen und Menschen zu umarmen. Mit dem Papst kamen die Jugendlichen am Donnerstag Abend zur Begrüssung zusammen, am Freitag zum eindrücklichen Kreuzweg, am Samstag Abend zur grossen Vigilfeier und am Sonntag Morgen zum Abschiedsgottesdienst, an dem 3 Millionen Menschen teilgenommen haben, darunter auch bekannte Politiker wie die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff, Cristina Kirchner (Argentinien), Evo Morales (Bolivien). Grosse Bildschirme und gute Lautsprecheranlagen ermöglichte allen eine gute Teilnahme an diesen lebendigen Gottesdiensten. Vorher haben an 3 Morgen 300 Bischöfe in 27 Sprachen Katechesen gehalten in verschiedenen Kirchen und Schulen. Dazu gab es viele Anlässe mit Musik, Theater, Tänzen und Unterhaltung, die von Jugendlichen und Künstlern gestaltet wurden.

Besonders eindrücklich war die Vigilfeier am Samstag Abend, an der Jugendliche auf dem grossen Podium vor dem Papst unter schöner Musikbegleitung eine Kirche aus Holzbalken aufbauten, um dazustellen, wie der hl. Franz von Assisi die Aufforderung Christi verstand, seine Kirche wieder aufzubauen. Dazwischen hörten sie eindrucksvolle Lebenszeugnisse von jungen Menschen, die berichteten, wie Christus erlösend in ein langweiliges oder problematisches Leben eingedrungen ist, um es mit Sinn und Freude zu erfüllen. Auf die Frage, wie die Jugendlichen heute die Kirche wieder aufbauen sollen, antwortete der Papst, dass dazu jeder Christ seinen Beitrag leisten muss. Darauf haben alle Jugendlichen einen Balken ihrer Kirche gepackt und sind damit voll Freude zu den anderen Jugendlichen getanzt. So kann die Kirche auch heute wieder lebendig werden!

Wiederum hat der Weltjugendtag viele Begegnungen ermöglicht, viel menschliche Liebe und neue Begeisterung ausgelöst.  Ich hatte viele interessante Begegnungen: etwa mit maronitischen Bischöfen, die in Libanon die Tradition der verheirateten Priester schätzen. Mit dem Redemptoristen-Bischof Raymundo von Aparecida (dem grossen Marienwallfahrtsort Brasiliens, den ich auch besuchen konnte) konnte ich gut über die Probleme der Enzyklika Humanae vitae diskutieren. Ich traf eine brasilianische Ordensschwester, die 20 Pfarreien betreut, Kinder tauft, Hochzeiten feiert, weil im grossen Priestermangel der Pfarrer in jeder Pfarrei nur einmal im Monat eine hl. Messe feiern kann. Die Schwester ist glücklich und denkt nicht daran, dass sie selber zum Priester geweiht werden sollte! Vor dem Abflug traf ich im Flughafen Kardinal Ouellet, der in Rom die Kongregation der Bischöfe leitet. Er erzählte uns, dass er oft nach Basel komme, weil er unseren grossen Theologen Hans Urs von Balthasar kannte und über ihn seine Doktor-Arbeit geschrieben hat. Ihm konnten wir auch unsere Grüsse an Kardinal Kurt Koch mitgeben, den er gut kennt.

Wiederum gingen vom Weltjugendtag unzählige neue Anregungen aus, etwa mit dem guten Büchlein über aktuelle Fragen der Bioethik von der Abtreibung, der Stammzellenforschung bis zur Euthanasie. Jeder hat auch ein Heft mit praktischen Anregungen zum Jüngersein und zur Neuevangelisierung erhalten. Man kann nicht abmessen, wie viel Stärkung des Glaubens und wie viele Anregungen für ein frohes Christsein verschenkt worden sind. Alle waren sich einig, dass wir wieder einen grossartigen Papst geschenkt bekommen haben.

 

Offizielle Homepage vom Weltjugendtag in Rio

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