Bistum Basel

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Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Rückverbindung

Christina Wachter wuchs in einem kirchenkritischen, reformierten Elternhaus ungetauft und mit humanistischen Werten auf. Als Erwachsene entdeckte sie ihre christliche Spiritualität neu und fand im katholischen Glauben Zugehörigkeit und Rückverbindung.

Frau Wachter, welcher Konfession gehörten Sie vor Ihrer Taufe an?
Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Alle meine Vorfahren waren protestantisch-zwinglianisch geprägt. Meine Eltern waren der reformierten Kirche gegenüber aber kritisch eingestellt und liessen uns Kinder nicht taufen, was ich als Kind sehr schade fand. Das Selbstverständnis meiner Eltern war aber eindeutig christlich-humanistisch und die zehn Gebote – insbesondere das vierte „Du sollst Vater und Mutter ehren“ – wurden mir „eingeimpft“. Mein Vater ist in einer Luzerner Vorortsgemeinde aufgewachsen und gehörte als Reformierter einer konfessionellen Minderheit an. Beide Eltern waren der katholischen Kirche gegenüber stets sehr offen eingestellt.

Welche Rolle spielte der Glaube früher für Sie? Wie lebten Sie ihn?
Als Kind glaubte ich, dass „der liebe Gott“ es in der Hand hätte, wie es auf der Erde zu und hergehe, und dass er über Gut und Böse richte. Es dauerte 50 Jahre, bis ich erkannte, dass auch ich ein Kind Gottes bin und ich mich deshalb mit meinen Schattenseiten versöhnen kann. Früher glaubte ich genau zu wissen, was gut und böse, richtig und falsch ist, heute bin ich achtsamer, toleranter und mitfühlender. Ich bilde mir nicht mehr ein, die Welt „retten“ zu müssen.

Was hat Ihr Interesse am katholischen Glauben geweckt?
Ein Schlüsselerlebnis war, als ich mir 2014 in einem ökumenischen Gottesdienst in Baden tiefer bewusst wurde, mit welcher Grausamkeit sich die Reformierten und Katholiken bekämpft hatten. Ich hatte mich bis anhin trotz meines Ungetauftseins als Reformierte wahrgenommen – und in mir wuchs der Wunsch, mich quasi rückzuverbinden. Ebenso wurde mir bewusst, dass die Ahnen meiner protestantisch-zwinglianischen Vorfahren Katholiken waren. Ausserdem erinnere ich mich meiner unerklärlich spontanen Freude, als ich 2013 am Radio von Papst Franziskus’ Wahl erfuhr. Damals stand die Frage nach einer Taufe noch überhaupt nicht im Raum.

Warum und wann sind Sie getauft worden?
Ich bin in der Osternacht 2015 getauft worden. Noch einen Tag zuvor dachte ich, noch nicht „gut“ genug zu sein. Aus meiner Sicht war es eine Gnade, dass ich auf einen Priester stiess, der mich sehr ernst nahm und auch feinfühlig war. Es war auch die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Rückverbindung, die mich katholisch werden liess.

Wie gestaltete sich die Vorbereitung dazu? Inwiefern war diese wichtig für Sie?
Meine eigentliche Vorbereitung begann mit der intensiven Beschäftigung mit dem Enneagramm, einem psycho-spirituellem „Werkzeug“ im Jahre 2009. Ich besuchte nach und während einer längeren Krisenzeit eine vierjährige Ausbildung beim reformierten Dr. Samuel Jakob und seiner Gattin. Dabei spürte ich immer mehr, dass ich der christlichen Spiritualität nahe bin und erinnerte mich auch wieder, wie mich bereits als Jugendliche geistig-seelische Fragen (Medizin, Psychiatrie, Psychologie) sowie Theologie und Philosophie sehr interessierten. Als konkrete Vorbereitung für die katholische Kirche traf ich den Priester regelmässig, um die einzelnen Kapitel des Buchs „Suchen und fragen. Lebensorientierung am katholischen Glauben“ zu besprechen.

Wie leben Sie Ihren Glauben heute? Was ist anders, neu?
Das Eingeständnis meines eigenen Leidensweges war Voraussetzung, um die Gnade Gottes zu spüren. Natürlich ist es so, dass ich immer wieder zweifle und hadere. Wenn ich aber zu meiner Verletzlichkeit stehe und sie nicht überspiele, weiss ich, dass sich immer wieder ein Weg zum Guten hinzeigt. Heute besuche ich regelmässig die Messe am Sonntagmorgen. Ausserdem singe ich mit Freude im Kirchenchor. So banal es auch klingen mag: Es entspricht der Tatsache, dass ich heute unvorstellbar dankbarer bin, was sich auch im Gebet ausdrückt. Nicht zuletzt geniesse ich die wunderschönen Kirchenbauten und die Rituale der katholischen Kirche.