Bistum Basel

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«Strukturen schaffen eine gewisse Richtung, damit alle auf das gleiche hin arbeiten.»

Hélène Walzik-Holliger ist reformiert aufgewachsen. Im Interview berichtet sie, was ihr das Christentum bedeutet und warum sie im Februar 2017 zum katholischen Glauben übergetreten ist.

Frau Walzik, welche Rolle spielte der Glaube früher für Sie?
Ich wurde zu Hause bereits von meiner Grossmutter stark geprägt. Sie hatte immer die schwarze Bibel auf dem Tisch und las mir schon vor meiner Einschulung Psalmen vor. Insbesondere den Psalm „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln“ konnte ich bereits mit sechs Jahren auswendig. Er hat mich geprägt und war auch mein Konfirmationsspruch. Als Jugendliche war ich in der Sonntagsschule unseres Wohnorts engagiert. In der Sekundarschule habe ich jene Kamerad/-innen beneidet, die am Mittwochnachmittag im Firmunterricht so viel Interessantes lernen durften. Später konnte ich beruflich viele Länder in Europa bereisen und habe dabei immer wieder schöne Kirchen besucht. An einem frühen Morgen im Frühling sass ich alleine vorne in einer Bank im Wiener Stephansdom. Ich betete still für mich, dass ich für diesen Tag viel Kraft mitbekäme, denn ich hatte zwei wichtige Termine mit Grosskunden vor mir. Plötzlich setzte sich eine Ordensschwester zu mir und begann ein Gespräch. Nach einer halben Stunde verabschiedeten wir uns und tauschten die Adressen aus. Schon im November des gleichen Jahres kam sie eine Woche zu uns in Ferien. Seitdem sind wir gute Freunde und telefonieren sicher 2-3 Mal im Monat.

«Eine Ordensschwester setzte sich zu mir und begann ein Gespräch.»

Was hat Ihr Interesse am katholischen Glauben geweckt?
Mein Mann ist praktizierender Katholik. So bin ich am Sonntag immer wieder mit ihm in die Stadtkirche gegangen, in den letzten Jahren eigentlich immer. Er weiss sehr viel über die verschiedenen Orden, vor allem ist er sehr von den Zisterziensern geprägt, die sich in seiner ehemaligen Heimat Schlesien niedergelassen hatten. Überhaupt hat mein Mann mein Interesse am katholischen Glauben geweckt, da er mir so viel erklärt und gezeigt hat. Er hat einige Klassenkameraden, die Ordensleute und weltliche Priester geworden sind, diese gingen bei uns ein und aus. Wir waren sicher schon 14 Mal in der ewigen Stadt und haben in Rom auch kirchlich geheiratet. Ich habe viel über die Philosophin Edith Stein gelesen, die als Jüdin konvertiert und 1942 in Auschwitz umgekommen ist. Bei ihrer Heiligsprechung am 11. Oktober 1998 durch Papst Johannes Paul II. waren mein Mann und ich auf dem Petersplatz dabei. Ich fühlte mich schon seit mehreren Jahren in der katholischen Kirche sehr heimisch – vor allem die feierlichen Handlungen, die Eucharistiefeier und die wunderschönen Bilder und Stuck. Inzwischen kamen mir die evangelischen und protestantischen Kirchen so leer und ohne Leben vor. „Geschockt" hat mich vor ein paar Jahren, als ich feststellte, dass dort manchmal nicht mal mehr ein grosses Holzkreuz hängt.

«Protestantische Kirchen kamen mir leer und ohne Leben vor.»

Wie haben Sie sich auf Ihren Übertritt zum katholischen Glauben vorbereitet?
Ich wusste schon längst, dass dieser Schritt richtig für mich wäre. Nach Weihnachten 2016 habe ich das Gespräch mit unserem Stadtpfarrer, Dekan und Domherrn Josef Stübi gesucht. Er hat sich Zeit genommen für ein wirklich gutes Gespräch, und so war ich bestens für die Firmung vorbereitet. Er hat mir dann den 2. Februar 2017, Maria Lichtmess, für die Firmung in der Krypta vorgeschlagen. Mein Mann war Firmpate, und die Sigristin hat die Feier festlich mit wunderschönem Blumenschmuck vorbereitet.

Wie leben Sie Ihren Glauben heute? Was ist anders, neu?
Ich weiss jetzt, wo ich hingehöre. Ich erlebe die Kirche heute noch schöner. Es gibt viele Vorurteile von nicht katholischen Menschen, welche die Strukturen, Hierarchien usw. kritisieren. Aber ohne Strukturen geht es nicht – sie schaffen eine gewisse Richtung und Ziele. Ich vergleiche dies mit einem Unternehmen: Auch dort gibt es ein Leitbild, ein Organigramm, damit jeder Mitarbeiter auf das gleiche Ziel hin arbeitet. Ich bin sehr glücklich, diesen Schritt gemacht zu haben – bin aber auch froh, dass ich mir eine sehr lange Zeit für diesen Entschluss gegönnt habe.

«Ich weiss jetzt, wo ich hingehöre.»