Bistum Basel

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«In die Pfarreiräume einzutreten ist wie ein Nachhausekommen.»

Peter Hirter ist reformiert aufgewachsen und wurde mit 16 Jahren konfirmiert. Im Interview berichtet er, was ihm Gott und Religion bedeuten und warum er 2017 zum katholischen Glauben übergetreten ist.

Herr Hirter, wie lebten Sie Ihren Glauben früher?
Ich erlebte den Glauben als Wechselspiel. Einerseits wurde ich zu Hause von meiner Mutter, einer Lehrerin und Religionspädagogin, positiv geprägt. Als Heranwachsender war ich fasziniert von der Geschichte Jesu. Andererseits begeisterte und beeinflusste mich die Beat- und Hippiebewegung in den späten 60ern. Ich war auch sehr interessiert an anderen Religionen wie dem Buddhismus und dem Islam. Ich bereiste asiatische Länder und hielt mich längere Zeit in Marroko auf. Mit dem Beginn meiner beruflichen Laufbahn liess das Interesse an anderen Religionen etwas nach. Bis zu meiner Heirat reduzierte sich mein Protestantendasein auf gelegentliche Kirchenbesuche an hohen Feiertagen. Der Glaube an Gott und an die Botschaft Jesu Christi blieben aber in meinem Innern gut abgespeichert. In schwierigen Lebenssituationen konnte ich immer wieder darauf zurückgreifen.

Was hat Ihr Interesse am katholischen Glauben geweckt? Gab es ein Schlüsselerlebnis?
Meine Frau ist katholisch und arbeitet im Sekretariat der katholischen Kirche in Ostermundigen. Obwohl reformiert getauft, besuchte unser Sohn den Religionsunterricht der katholischen Kirche, und feierte Erstkommunion und Firmung. Es war naheliegend, dass ich mit meiner Familie die Messen und Anlässe der katholischen Kirche besuchte. Dabei erfreute ich mich der feierlichen Handlungen, die in reformierten Gottesdiensten weitgehenst fehlen. Es war ein besonderer Schritt und ein wunderbares Erlebnis, am Heiligen Abend im Kirchenchor bei einer Schubertmesse mitzusingen. Nach und nach fühlte ich mich als Reformierter in der Kirchgemeinde heimisch. So war es schliesslich nicht nur die letzte Konsequenz, sondern viel mehr mein eigener Wunsch, zum katholischen Glauben überzutreten.

«Es war wunderbar, am Heiligen Abend im Kirchenchor mitzusingen.»

Warum und wann sind Sie zum katholischen Glauben übergetreten?
Den Zeitpunkt meines Übertritts zur katholischen Kirche setzte ich bewusst nach meiner Pensionierung. Mit einem neuen  Lebensabschnitt eröffnen sich auch neue Herausforderungen. Neben einer neuen Beschäftigung bei der örtlichen Spitex und meinen Hobbies Sport und Musik habe ich nun auch mehr Raum und Zeit für den religiösen und spirituellen Teil meines Lebens.

Wie erlebten Sie die Vorbereitung zu Ihrem Übertritt?
Es war für mich von Vornherein klar, dass ich nicht bloss administrativ übertreten möchte. So nahm ich an fünf Vorbereitungsabenden für die Erwachsenenfirmung in Bern teil. Zu meinem Erstaunen nahmen ca. 20 vorwiegend jüngere Personen teil. Der gut geführte Kurs bot thematisch viel Abwechslung und aktives Mitwirken an. Bald einmal trugen Team- und Gruppenarbeiten dazu bei, einander vertraut zu werden. Persönliche Erlebnisse mit Bezug zum Glauben wurden offen geschildert. Erfreut konnte ich feststellen, dass die Firmung für die jungen Teilnehmenden nicht nur ein Proforma als Voraussetzung für eine Heirat war, sondern dass ein echter und warmherziger Bezug zum Glauben vorhanden war. Für mich als Hobbysportler kam diese Vorbereitung einem Warm-Up für die bevorstehende Firmung gleich. Ich bin nun, nach einem interessanten Abend mit Bischof Felix Gmür und Frau Kückelmann vom Ordinariat, bestens für die Firmung vorbereitet.

«Ich bin bewusst nach meiner Pensionierung zur katholischen Kirche übergetreten.»

Wie leben Sie Ihren Glauben heute? Was ist anders?
Viele nicht katholische Menschen hegen Vorurteile und kritisieren die Hierarchien, Strukturen und den Machtdünkel. Diese werden aber nicht nur im kirchlichen Leben immer wieder in Frage gestellt. Oft sind Hierarchien und Strukturen unbeliebt und dennoch nötig. Sie ordnen und schaffen Klarheit. An der Basis erlebe ich eine in vielen Belangen offene und herzliche Kirche. In die Pfarreiräume einzutreten ist einem Nachhausekommen gleich. So wird die Nähe zu verschiedensten in der Pfarrei verkehrenden Menschen noch gelebt. - Mit Bedacht habe ich das Wort 'noch' gesetzt. Im Zeitalter der neuen Medien stelle ich ein stetes Entrücken und Auseinanderbrechen der Menschen und ihres Zusammenlebens fest. So vertraue ich auf Gott und schliesslich den Menschen, dass nicht E-Mail, Facebook, Twitter etc. die Oberhand über unser menschliches Miteinander gewinnen.