Gemeinsames Hirtenwort der Bischöfe von Freiburg, Strassburg und Basel
Am Montag 3. Juli 2006 stellten die Erzbischöfe Robert Zollitsch von Freiburg i.Br., Joseph Doré von Strassburg und Bischof Kurt Koch von Basel ihr neues gemeinsames Hirtenwort zur Frage des Sterbens anlässlich einer Medienkonferenz der Öffentlichkeit vor.
Seit über 20 Jahren treffen sich die Bischöfe der Regio Basiliensis um sich über verschiedene aktuelle Themen zu unterhalten. Vor vier Jahren haben sie ein gemeinsames Hirtenwort („Leben am Oberrhein“) zu biomedizinischen und gentechnischen Fragen vorgestellt. Mit dem neuen Hirtenwort „Die Herausforderung des Sterbens annehmen“ soll die öffentliche Auseinandersetzung zu den Fragen um Leben und Tod einen Impuls erhalten, der die uneingeschränkte Achtung der Menschenwürde in den Mittelpunkt rückt.
Der Tod gehört zum Leben
Der Tod gehört zum Leben, betonte Erzbischof Zollitsch, heute jedoch wird der Tod zu oft verdrängt. Die Lebenserwartung ist allgemein grösser geworden. Wie gehen wir mit dem Sterben und dem Zeitpunkt des Todes heute um? Die Frage nach einem Sterben in Würde beschäftigt viele Menschen über die Ländergrenzen hinweg. So scheint es angebracht, sich erneut als Bischöfe gemeinsam zu Wort zu melden im Interesse der Würde des Menschen und eines menschenwürdigen Umgangs mit Sterben und Tod. In Deutschland gibt es eine neue Gesetzesinitiative, die die geschäftsmässige Beihilfe zum Sterben verbieten will. „Wir wollen nicht durch die Hand eines Menschen – sondern an der Hand eines Menschen sterben.“
Aktive Sterbehilfe kommt für die katholische Kirche nicht in Frage, das heisst jedoch nicht, dass wir Menschen nicht auch sterben lassen können. Da stehen wir vor der entscheidenden Frage – dass Leben und Sterben nicht in unserer Hand liegen – menschliches Leben für uns nicht verfügbar ist. Eine menschliche Gesellschaft nimmt den Menschen als Ganzes an, auch wenn er krank ist. Eine menschliche Gesellschaft ist da um zu helfen, zu unterstützen, zu begleiten.
Leben als Geschenk
Erzbischof Doré zeigte die Situation in Frankreich auf. Diese unterscheidet sich zwar in der öffentlichen Debatte und in der Auseinandersetzung unter den Fachleuten kaum von den Diskussionen in den anderen europäischen Ländern. Die Haltung der katholischen Kirche wurde durch Interventionen einer „Groupe de réflexion“ dokumentiert. Für sie gilt: Das Leben als ein Geschenk zu betrachten – auch an seinem Ende. Die Würde des Menschen akzeptieren. Die Würde ist nicht etwas das Kranke verteidigen müssen, sondern die Gesunden sind dazu aufgefordert. Daher gilt: Keine Sterbehilfe – aber auch keine Hindernisse dem Sterbenden gegenüber.
Kirchen haben etwas zu sagen
Bischof Kurt Koch wies darauf hin, dass die Situation in der Schweiz ungeklärt bleibt. Der assistierte Suizid sei erlaubt, sofern er nicht durch einen Arzt vollzogen werde. Die Bundesbehörden hätten es verpasst eine gesetzliche Regelung zu verabschieden.
Er betonte im weiteren, dass durch die Kirchen sehr viel geleistet wird in der Begleitung von kranken und sterbenden Menschen. Die ehrenamtlich Tätigen die sich in der Hospizbewegung engagierten, bezeugen, welche Art von Hilfe Sterbende vor allem benötigen. Gesellschaftlich und politisch wäre es zu begrüssen, wenn es eine ökumenische oder gar interreligiöse gemeinsame Position zu diesen Fragen geben würde.
Hans-E. Ellenberger
Informationsbeauftragter
Das gemeinsame Hirtenwort im ganzen Umfang finden Sie auf unserer Homepage unter „Dokumente“
www.bistum-basel.ch/seite.php?na=2,1,0,0,d