Kurzfassung
- Das alte Bistum Basel
- Das ehemalige Bistum Konstanz
- Auf dem Weg zur Neuordnung
- Das neuumschriebene Bistum Basel
- Liste der Bischöfe des neuumschriebenen Bistums
Kurzfassung
Die Anfänge des Bistums Basel reichen zurück ins 4. oder 5. Jahrhundert. Bis zur Reformation residierte der Bischof in Basel; als besonderer Gönner trat damals Kaiser Heinrich II. (973 bis 1024) hervor; er ist heute Zweitpatron des Bistums.
1528 bis 1792 war Pruntrut Sitz des Bischofs. Nach einer Übergangszeit, in welcher der Bischof in Offenburg residierte, ist seit 1828 die Stadt Solothurn Amtssitz des Bischofs von Basel. Zum Bistum gehörte bis zur Französichen Revolution auch das obere Elsass.
Von 999 bis 1802 war der Bischof von Basel Fürstbischof, d. h. Bischof und zugleich Fürst des Heiligen Römischen Reiches und als solcher weltlicher Landesherr im heutigen Kanton Jura, im Berner Jura, im Birseck und im Laufental. Der Verlust dieser Stellung machte am Beginn des 19. Jahrhunderts eine Neuumschreibung der Bistumsgrenzen notwendig. Grundlage dieser Reorganisation bildete ein Staatsvertrag (Konkordat) zwischen den Regierungen der Kantone Solothurn, Luzern, Bern und Zug einerseits und dem Heiligen Stuhl andererseits. Der Vereinbarung sind im Laufe der Zeit die anderen sechs Bistumskantone beigetreten.
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts führte zu spürbaren Veränderungen. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 bis 1969) öffnete Seelsorge und Verkündigung den Herausforderungen unserer Zeit. Die Synode 72 (1972 bis 1975) sowie die "Europäische Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung" in Basel (1989) haben dem kirchlichen Leben in unserem Bistum neue Perspektiven gegeben.
1. Das alte Bistum Basel
Im Jahre 346, zur Zeit, als die Römer das Land beherrschten, fand in Köln am Rhein eine Provinz-Synode statt, an der Bischof Justinianus Rauricorum teilnahm: Justinian, Bischof der Rauriker. Die Rauriker bewohnten damals die Gegend am Rheinknie um Basel und bildeten die Civitas Rauricorum; die Hauptstadt war Augusta Rauricorum (Kaiseraugst). Hier und noch nicht in Basel residierte dieser erste uns namentlich bekannte Bischof. Der Stammbezirk (civitas) der Rauriker dürfte bereits den Umfang des alten Bistums vorgeprägt haben.
Fast 300 Jahre lang hören wir nichts mehr von einem Bischof. Inzwischen fegte der Sturm der Völkerwanderung die römische Herrschaft weg. Heidnische Alemannen siedelten sich an, Überreste der römischen, christlichen Bevölkerung mögen sich besonders in den befestigten Orten erhalten haben, so auch in Basel, nachdem Kaiseraugst zerstört war. Als Bischof dieser sicher nicht zahlreichen Christen begegnet uns im Jahre 615 Ragnacharius, Bischof von Basel und Kaiseraugst.
Und wiederum vergehen mehr als hundert Jahre, bis ein dritter genannt wird: Walaus (740), von dem sichersteht, dass er seinen Sitz in Basel hatte.
In der Karolingerzeit gewann das Bistum schnell an Bedeutung. Seine Grenzen wurden umschrieben: es umfasste das Gebiet zwischen Aare und Rhein, das obere Elsass und den Jura bis zum Doubs. Zwei berühmte Männer wurden von Karl dem Grossen mit der Leitung des Bistums beauftragt: Waldo (bis 805) und Haito (805 bis 823), die beide zugleich Äbte der Reichenau waren.
Unter Bischof Adalbero II. (999 bis 1025) begann ein neuer Aufschwung und zugleich die Entwicklung zum Fürstbistum: König Rudolf III. von Burgund übertrug dem Bischof eine Reihe von Gebieten im heutigen Jura. Nachdem später noch weitere Schenkungen hinzukamen, aber auch Rechte verloren gingen und Verluste - besonders durch die Reformation - entstanden, umfasste das Fürstbistum die weltliche Herrschaft des Bischofs, das Gebiet vom Bielersee bis vor die Tore Basels; der südliche Teil zählte, weil mit Bern verburgrechtet, zur Eidgenossenschaft, der nördliche Teil zum Deutschen Reich. Nicht alle Gebiete des Fürstentums standen auch unter der geistlichen Leitung des Bischofs: In Biel und St. Immer war der Bischof von Lausanne für geistliche Angelegenheiten zuständig, in Pruntrut und in der Ajoie der Bischof von Besançon und in den drei rechtsrheinischen Exklaven der Bischof von Konstanz.
Die Bedeutung der Bischofsstadt Basel im Mittelalter erkennen wir besonders daran, dass die Stadt zum Tagungsort eines Konzils ausgewählt wurde. Unter Papst Eugen IV. wurde 1431 das Konzil von Basel eröffnet. Es zählt nicht zu den berühmten Konzilien; denn schon bald geriet die Konzilsversammlung in Spannung zum Papst. Als das Konzil wegen der Union mit den Griechen in Italien weitergeführt werden sollte, brach der Konflikt offen aus; Papst Eugen verlegte das Konzil 1437 nach Ferrara, später nach Florenz. Die papsttreue Minderheit, darunter auch Nikolaus von Kues, einer der bedeutendsten Männer seiner Zeit, verliess Basel. Das Konzil jedoch - jetzt vom Papst getrennt - tagte bis 1448 in Basel weiter, erklärte 1439 Papst Eugen IV. als abgesetzt und wählte Amadeus VIII. von Savoyen zum letzten Gegenpapst der Geschichte. Amadeus nannte sich Felix V.
Im Jahre 1458 wurde Aeneas Silvio Piccolomini, ein berühmter Humanist und ehemaliger Sekretär des Konzils von Basel (bis 1442) zum Papst gewählt und nannte sich Pius II. Bischof Johannes V. von Venningen (1458-1478) nutzte seine Beziehungen und ersuchte den Papst um die Gründung einer Universität: 1460 konnte der Bischof die Universität einweihen, die heute noch von grosser Bedeutung ist.
Freilich gab es neben diesen Glanzpunkten in der mittelalterlichen Geschichte auch andere Zeiten: Das Bistum litt immer wieder unter der Not von Kriegen, es blieb von drückender Schuldenlast nicht verschont. Dennoch durfte das Bistum eine Reihe von eifrigen und tüchtigen Bischöfen sein eigen nennen.
Ein solcher Bischof war Christoph von Utenheim (1502 - 1527). Für die Reform der Kirche eifrig, galt seine Sorge besonders der Erneuerung des Klerus. Zeitgenossen haben seine Bescheidenheit, Gelehrsamkeit und Aufrichtigkeit hervorgehoben. Gegen den Reformwillen des Bischofs aber gab es starke Widerstände, die nicht zuletzt vom Domkapitel ausgingen. Die Stadt Basel, seit 1501 eidgenössisch, suchte die letzten Reste der weltlichen Gewalt des Bischofs abzuwerfen, nahm reformfeindliche Priester in ihren Schutz und öffnete sich unter der Führung von Oekolampadius, der Pfarrer und Professor an der Universität war, der Reformation.
Unter seinem Nachfolger, Bischof Philipp von Gundelsheim (1527-1533), trat Basel zur Reformation über. Bischof Philipp zog aus Basel, nahm endgültig in Pruntrut Wohnsitz und erklärte die Stadt zu seiner Residenz. Wie schon erwähnt gehörte Pruntrut unter die Jurisdiktion des Erzbischofs von Besançon. Erst 1779 kam Pruntrut im Tausch gegen französischsprachige Pfarreien an der burgundischen Pforte bei Belfort zur Diözese Basel. Auch das Domkapitel verliess Basel und liess sich in Freiburg im Breisgau nieder; 1678 kehrte es wieder auf Bistumsboden, nach Arlesheim, zurück. Der Dom von Arlesheim stammt aus dieser Zeit. Aber nicht nur die Stadt Basel und ihr Territorium gingen zur Reformation über, sondern die von Bern abhängigen Landschaften, ferner jene Teile des Fürstbistums, welche mit Bern und Basel verburgrechtet waren und Mühlhausen im Elsass. Damals stand die Diözese vor dem Untergang. Daher darf Bischof Christoph Blarer von Wartensee (1575-1608) als Neubegründer des Bistums bezeichnet werden. Er hat vor allen Bischöfen der näheren Umgebung den Reformwillen des Konzils von Trient zu seinem eigenen gemacht. Zur Überwindung der Misstände und zur Neubelebung der Kirche holte er Jesuiten und Kapuziner ins Land. Es gelang ihm auch, das Laufental und das Birseck zur katholischen Kirche zurückzuführen. Jene Teile des Fürstbistums, die mit Bern verburgrechtet waren: Biel, das Tal von St. Immer und das Gebiet der ehemaligen Probstei Münster-Granfelden, blieben reformiert.
Noch manche Nöte musste das Bistum über sich ergehen lassen. Der zum deutschen Reich gehörende Teil des Fürstbistums wurde im Dreissigjährigen Krieg verwüstet, das obere Elsass kam grösstenteils zu Frankreich, im Fürstbistum gab es im 18. Jahrhundert einige Aufstände gegen die Herrschaft der Bischöfe.
Dann kam die Französische Revolution: Unter Bischof Sigismund von Roggenbach (1782-1794) besetzten die Franzosen in ihrem Krieg gegen das deutsche Reich den nicht eidgenössischen Teil des Fürstbistums. Nach der Eroberung der Eidgenossenschaft wurde das ganze ehemalige Fürstbistum als Département Mont Terrible zu Frankreich geschlagen und später mit dem Département Haut-Rhin vereinigt. Von der Diözese wurde 1790 das Oberelsass abgetrennt, wenige Jahre später wurde das Gebiet des ehemaligen Fürstbistums - als zu Frankreich gehörend - dem Bistum Strassburg zugeschlagen.
Bischof Sigismund starb fern von seinem Bistum. Als sein Nachfolger wurde in Freiburg im Breisgau Franz Xaver von Neveu (1794-1828) gewählt. Er stammte aus Arlesheim, seine Familie hatte sich aber in Offenburg (Baden) niedergelassen. Er residierte zuerst in Konstanz, dann nach verschiedenen anderen Stationen in Offenburg. Sein Bistum bestand nur noch aus den katholischen Gebieten des Fricktals, das bis 1802 zu Österreich gehörte, und aus dem Anteil des Bistums am Kanton Solothurn.
2. Das ehemalige Bistum Konstanz
Von den 360 Pfarreien, welche das Bistum Basel bei seinem Neubeginn zählte, gehörten 160 zum alten Bistum, 6 waren ursprünglich lausannisch, 194 ursprünglich konstanzisch. Ein Grossteil unserer Pfarreien hat daher eine "konstanzische" Vergangenheit. Das berechtigt zu einem Rückblick auf das ehemals grösste Bistum nördlich der Alpen. Das Bistum Konstanz umfasste weite Teile des alemannischen Raumes; es reichte von Ludwigsburg nördlich Stuttgart bis zu den Quellen der Aare und von Kleinbasel bis nach Kempten im Allgäu. Seine Gründung fällt in die Völkerwanderungszeit; im Mittelalter war es in 10 Archidiakonate aufgeteilt; auf heute schweizerisches Gebiet fielen die Archidiakonate Thurgau, Zürichgau, Aargau und Burgund. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zählte man vier "Quartiere": Schwaben, Allgäu, Breisgau und die schweizerische Quart.
Unter seinen Bischöfen hatte Konstanz zwei Heilige: Konrad (934-975) und Gerhard (979-995). Seit der Reformation residierten die Bischöfe in Meersburg; dort wurde später auch das Priesterseminar der Diözese errichtet. Das Ordinariat blieb in Konstanz. Trotz der Grösse und Bedeutung ihres Sprengels konnten sich die Konstanzer Bischöfe nur ein kleines unzusammenhängendes Fürstbistum schaffen. Zu diesem Fürstbistum gehörten links des Rheins Arbon, Bischofszell, Gottlieben, Zurzach. Allerdings waren die Bischöfe gezwungen, an diesen Orten die Oberhoheit der Eidgenossenschaft anzuerkennen.
Die Eidgenossen haben den Konstanzer Bischöfen oft ihre Aufgabe erschwert: vor der Glaubensspaltung widersetzten sich die eidgenössischen Orte unter Berufung auf ihre Rechte und das "alte Wesen und Herkommen" vielen bischöflichen Reformversuchen. Seit dem 16. Jahrhundert gab es immer wieder Pläne, die schweizerische Quart zu lösen und ein eigenes Bistum zu gründen. Die Errichtung einer Nuntiatur in Luzern (1579) trug nicht dazu bei, die Verbindung zum Bischof zu stärken, doch besserte sich das Verhältniss zur Diözese seit der Errichtung bischöflicher Komissariate in der Innerschweiz, zuerst 1605 in Luzern. Die Neuregelung der staatlichen und kirchlichen Verhältnisse brachte dem Bistum Konstanz den Untergang. Der letzte Fürstbishof von Konstanz, Karl Theodor von Dalberg (1800-1817), der noch Bischof anderer Diözesen war, überliess die Leitung des Bistums weitgehend seinem Generalvikar Ignaz Heinrich von Wessenberg. Wessenberg war eine der umstrittensten Gestalten der damaligen Zeit. Er war geprägt von der katholischen Aufklärung und hatte die Überzeugung, dass eine stärkere Eigenständigkeit der deutschen Kirche gegenüber Rom anzustreben sei. Deshalb warfen ihm viele Rationalismus und mangelnde Kirchlichkeit vor. Wessenberg setzte sich vor allem für eine gute Ausbildung des Klerus und für die Erneuerung der religiösen Unterweisung ein; er verlangte, dass jeden Sonntag gepredigt und zugleich Christenlehre gehalten werde; er führte neue - auch deutschsprachige - Formulare für kirchliche Feiern und für die Spendung der Sakramente ein.
Auf den 1. Januar 1815 trennte Papst Pius VII. die schweizerische Quart vom Bistum Konstanz ab. Das losgetrennte Gebiet wurde dem Stiftsprobst von Beromünster, Franz Bernhard Göldin von Tiefenau, unterstellt; nach dessen Tod 1819 übergab der Papst dem Churer Bischof Karl Rudolf Buol von Schauenstein die Verwaltung. Die solothurnischen Gebiete der Diözese Konstanz wurden zum Bistum Basel zugeordnet, 1820 auch Luzern. Die nicht zu den Diözesen Basel und St. Gallen gehörenden ehemals konstanzischen Gebiete in der Schweiz sind seither beim Bistum Chur. 1821 wurde das Bistum Konstanz als erloschen erklärt.
3. Auf dem Weg zur Neuordnung
Mit den wenigen katholischen Gebieten war das Bistum Basel kaum mehr lebensfähig. Der Bischof war fern von seiner Diözese. Anderseits musste die Bistumsfrage in der Schweiz neu geregelt werden wie in anderen Ländern auch.
1814 unterstellte Papst Pius VII. das Territorium des ehemaligen Fürstbistums wieder der geistlichen Leitung des Bischofs von Basel; durch den Wiener Kongress fiel es 1815 an die Schweiz, der grössere Teil an den Kanton Bern, ein kleinerer, das Birseck, an den Kanton Basel. Auch der Kanton Solothurn, der bis anhin drei verschiedenen Bistümern unterstand (rechts der Aare zu Konstanz, links der Aare bis zur Sigger einschliesslich der Stadt Solothurn zu Lausanne, das übrige Gebiet zu Basel) wurde dem Bistum Basel zugeordnet. 1820 schloss sich der Kanton Luzern provisorisch dem Bistum Basel an. An einer Regelung der Bistumsfrage mit Anschluss an das Bistum Basel waren ebenfalls interessiert die Kantone Bern, Basel, Zug, Aargau und Thurgau.
Nach verschiedenen und schwierigen Verhandlungen unter den Kantonen und mit Rom kam es im März 1828 zum Konkordat zwischen den Ständen Luzern, Bern, Solothurn und Zug. Als Sitz des neuerrichteten Bistums wird Solothurn bestimmt: Den Kantonen Aargau, Thurgau und Basel wird der Beitritt zum Konkordat offengehalten und deren Anteil am Domkapitel bestimmt. Zudem wird dem Bischof, sollten diese Kantone beitreten, zugesichert, dass er einen Weihbischof ernennen könne. Den übrigen ehemals zum Bistum Konstanz gehörenden Ständen wird der Anschluss an das Konkordat ebenfalls ermöglicht, sofern von päpstlicher Seite die Einwilligung dazu gegeben werde.
Am 7. Mai 1828 wurde durch Papst Leo XII. das Bistum Basel mit der Bulle "Inter praecipua Nostri Apostolatus" reorganisiert und neu umschrieben. Neben den Konkordatsständen werden auch jene Gebiete der Kantone Aargau und Basel als Bestandteile aufgezählt, die schon zum alten Bistum Basel gehörten.
Noch im selben Jahr schloss sich der Kanton Aargau dem Konkordat an, im Jahre 1829 folgten der Thurgau und Basel.
Die Kantone Bern und Basel hatten dem Konkordat aber nur die Gebiete des ehemaligen Fürstbistums angeschlossen, die ihnen durch den Wiener Kongress zugeteilt worden waren.
Nach der Trennung Basels in zwei Stände gingen die Rechte und Pflichten eines Diözesanstandes auf die Landschaft über, in deren Gebiet das Birseck lag. Kleinbasel, das Gebiet rechts des Rheins gehörte zum Bistum Konstanz. 1798 gab der Rat von Basel den Katholiken die St. Clarakirche in Kleinbasel zur Benutzung, 1815 übertrug eine päpstliche Anordnung die geistliche Verwaltung dieses Gebiets dem Bischof von Basel.
In Bern gehörten die Gebiete links der Aare, also auch die Stadt Bern, zum Bistum Lausanne. Auch in der Stadt Bern hatte sich eine katholische Gemeinde gebildet. Nach Zwistigkeiten mit dem Bischof von Lausanne, dessen Sitz seit 1613 in Freiburg im Uechtland ist, führten Verhandlungen 1864 dazu, dass auch die Pfarrei der Stadt Bern und das ganze Gebiet des Kantons Bern dem Bistum angeschlossen wurde.
Der Kanton Schaffhausen hatte nur eine einzige katholische Gemeinde: Ramsen. Sie kam, wie alle anderen konstanzischen Gebiete, unter die Administration des Bischofs von Chur. Nach der Neuerrichtung des Bistums Basel wollte die Schaffhauser Regierung Ramsen dem Bischof von Basel unterstellen. Der Plan kam nicht zur Ausführung. Als sich aber in der Stadt eine katholische Gemeinde bildete, kam es 1841 zu einer Übereinkunft zwischen Schaffhausen und dem Bischof von Basel, die von den Diözesanständen unterzeichnet wurde, der die römische Kurie aber die Genehmigung versagte: Da der Bischof von Chur die Annerkennung der Wahl des ersten Pfarrers von Schaffhausen verweigerte, schaltete sich der Nuntius ein und gab die Anweisung, die Pfarrei dem Bischof von Basel zu unterstellen, der dann dem gewählten Pfarrer erlaubte, sein Amt anzutreten. 1858 kam es zu einem neuen Vertrag, der den ganzen Kanton an das Konkordat anschliessen sollte. Er wurde zwar von Regierung und Bischof unterzeichnet, von Rom aber nie ratifiziert. Seit dieser Zeit steht auch Ramsen faktisch unter der Verwaltung des Bischofs von Basel. Aber noch 1882 lässt die Organisation, welche sich die Kirchgemeinde Ramsen gab, die Frage nach der Bistumszugehörigkeit offen.
1978 schlossen sich die Kantone Basel-Land, Basel-Stadt und Schaffhausen vollumfänglich dem Konkordat an.
Das Territorium des am 1. Januar 1979 neu konstituierten Kantons Jura ist seit 1828 dem Konkordat angeschlossen. Der Kanton Jura tritt aber nicht automatisch die Rechtsnachfolge des Konkordats an, sondern muss den Beitritt durch eine Zusatzvereinbarung regeln.
Auch die Kantone Obwalden, Nidwalden und Uri wollten sich dem Bistum Basel anschliessen: 1831 wurde der Vertrag zwischen beiden Ständen und Rom abgeschlossen, doch weigerten sich die Diözesanstände, diesem Vertrag zuzustimmen.
4. Das neuumschriebene Bistum Basel
Nur wenige Monate nach der Neuerrichtung des Bistums, am 23. August 1828, starb Bischof Franz Xaver von Neveu in Offenburg. Als erster Bischof des neuen Bistums wurde bereits am 10. Dezember 1828 Josef Anton Salzmann von Luzern gewählt. Bischof Salzmann hatte die für die damalige Zeit notwendige Fähigkeit, mit den sich oft und gern in kirchlichen Angelegenheiten einmischenden Regierungen umzugehen. Nicht an allen Orten wurde seine - manchmal auch unentschiedene - Haltung anerkannt. So wurde der Bischof in einem Breve Papst Gregors XVI. getadelt. Salzmann überlegte sich damals ernsthaft, sein Amt niederzulegen. Anlass zu Spannungen mit den Regierungen boten besonders die Badener Artikel vom Jahre 1834, kraft derer die radikalen Kantone versuchten, die Kirche unter ihre Aufsicht zu bringen: So sollten alle römischen und bischöflichen Erlasse dem obrigkeitlichen Plazet unterstellt werden und alle Priester einen Treueid leisten. Damals besetzten Berner Truppen den Jura, Aargauer Truppen das Freiamt, weil Geistliche und Volk sich weigerten, die Artikel anzunehmen. Nachdem Bischof Salzmann zuerst die Badener Artikel mit Schweigen überging, musste er später dennoch seine Missbilligung kundtun. Noch schwieriger wurde seine Situation zur Zeit der Klosteraufhebungen und den Wirren des Sonderbundskrieges: 1841 hob der Aargau sämtliche Klöster auf, drei Frauenklöster mussten wieder hergestellt werden; 1847 kam es zum Sonderbundskrieg, in welchem die radikalen Kantone die konservativen überwanden und Luzern und Zug besetzten. 1848 folgte der Thurgau mit der Aufhebung der Klöster (St. Katharinental erst 1869), Luzern beschloss den Untergang der Zisterzienserabtei St. Urban und der Zisterzienserinnenabtei Rathausen.
Innerkirchlich haben es weder die Anlagen Salzmanns noch die Umstände der Zeit zugelassen, das Bistum neu aufzubauen und ihm eine gute Administration zu geben. Dennoch darf Bischof Salzmann als Neubegründer des Bistums gelten, hat er doch seine eher auf Milde ausgerichtete Art mitgeholfen, das Bistum Basel durch die ersten schweren Kämpfe hindurchzuführen.
Die kurze Amtszeit des Nachfolgers Salzmanns, Bischof Karl Arnold-Obrist (1854-1862) galt der Sorge, den Frieden wieder herzustellen und das Verhältnis zu den Regierungen zu verbessern. Seine Jahre waren wie eine Ruhe vor dem Sturm. Aber auch er hatte Schwierigkeiten: Hirtenbriefe wurden verboten und der neue Katechismus von 1859 von mehreren Kantonen abgelehnt. Unter ihm erfolgte eine gründliche Visitation aller Pfarreien; in den Kantonen Solothurn, Basel-Land und im Berner Jura führte der Bischof Pastoralkonferenzen ein. Am 4. Januar 1860 konnte er das auf dem Konkordat beruhende Priesterseminar im aufgehobenen Franziskaner-Konvent in Solothurn eröffnen.
Bischof Eugen Lachat (1863-1885) wurde besonders von der Berner Regierung zur Wahl als Bischof empfohlen. In seine Amtszeit fallen die schärfsten Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Staat, unter denen Bischof Lachat auch persönlich zu leiden hatte. In den ersten Jahren seiner Tätigkeit gelang es ihm, einen einheitlichen Katechismus für das ganze Bistum einzuführen, aber schon meldeten sich erste Sturmzeichen: Einzelne Kantone verboten die Verkündigung des päpstlichen "Syllabus", eines Dokumentes, das auf unnötige Weise Spannungen zwischen der Kirche und vielen Regierungen im europäischen Raum verschärfte. Noch während Bischof Lachat am Ersten Vatikanischen Konzil (1869/70) weilte, hoben die Diözesanstände das Priesterseminar in Solothurn auf. Die Berner Regierung wies die Lehrschwestern aus dem Jura. Als im Gefolge des Ersten Vatikanischen Konzils einzelne Priester gegen die Ergebnisse des Konzils, inbesondere gegen die Unfehlbarkeitserklärung, Stellung nahmen, gab die Diözesankonferenz der Stände bekannt, dass sie die Unfehlbarkeit des Papstes ablehne und es verbiete, Geistliche wegen ihrer Stellungnahme abzusetzen. Weil der Bischof aber einzelne Geistliche ihres Amtes enthob, setzten ihn im Januar 1873 die Diözesanstände gegen die Stimmen von Luzern und Zug ab. Bischof Lachat wurde die bischöfliche Amtswohnung in Solothurn entzogen, er musste seinen Sitz im Kanton Luzern nehmen. Weil sich das Domkapitel weigerte, einen neuen Bischof zu wählen, wurde es im Dezember 1874 aufgelöst. Der Kulturkampf entfachte sich besonders im Berner Jura, wo über 80 Geistliche ausgewiesen wurden; im Kanton Aargau, wo die letzten Klöster mit Ausnahme von Fahr aufgelöst und im Fricktal eine Reihe von christ-katholischen Gemeinden gebildet wurden; im Kanton Solothurn, wo sich die Katholiken in Olten und Umgebung, in Solothurn und in Grenchen entzweiten, dem Kloster Mariastein ein weiteres Leben unmöglich gemacht und die Chorherrenstifte Solothurn und Schönenwerd aufgehoben wurden.
1878 errichtete Bischof Lachat das Priesterseminar in Luzern. In den zwölf Jahren des Luzerner Exils zogen aus jenen Kantonen, in denen der Bischof keine Amtshandlungen ausführen durfte, "Firmzüge" nach Luzern und Zug; diese wurden zu Kundgebungen der Treue gegenüber Bishof Lachat. In der katholischen Welt war Bischof Lachat als "Bekenner-Bischof" hoch angesehen. Durch Vermittlung des Bundesrates gelang es, die verfahrene Situation zu lösen: Bischof Lachat dankte 1884 ab und übernahm die Apostolische Administration des Tessins; der Tessin wurde 1888 nominell den Basler Bischöfen unterstellt, die bis und mit Bischof Franziskus von Streng den Titel eines Bischofs von Lugano trugen.
Der Nachfolger Lachats, Bischof Friedrich Fiala (1885-1888) wurde als "Friedensbischof" begrüsst. Er suchte im Bistum wieder geordnete Zustände herzustellen und das Verhältnis zu den Diözesanständen zu verbessern.
Auf dem Weg, den Bischof Fiala vorbereitet hatte, konnte sein Nachfolger Leonhard Haas (1888-1906) weitergehen. Nach einer Zeit der Kämpfe folgte nun eine Zeit des Aufbaues. Bischof Haas besuchte alle Pfarreien des Bistums und berief 1896 die erste Diözesansynode des neuerrichteten Bistums Basel ein. Im Jahre darauf veröffentlichte er die Diözesanstatuten und gab ein neues Diözesanrituale heraus, das damals als Meisterwerk galt. Zahlreiche Kirchen, besonders in den Diasporagebieten, wurden von ihm eingeweiht; er förderte die würdige Feier der Liturgie und in ihr besonders den Volksgesang. In den Jahrzehnten vor und nach der Jahrhundertwende standen die katholischen Verbände in hoher Blüte und prägten das Bild der Kirche auch im Bistum Basel. Einige der Verbände verdankten ihr Entstehen der Initiative weitsichtiger Laien; in ihnen begann sich bereits die Vorstellung von der Mitverantwortung der Laien in der Kirche zu verwirklichen.
Wie sein Vorgänger unterhielt Bischof Jakob Stammler (1906-1925) gute Beziehungen zu den Ständen, ein weiteres ruhiges Wachstum war gewährleistet, doch meldeten sich neue Sorgen an: Die Vorkriegszeit brachte einen grossen Aufschwung, der von soziale Nöten nicht frei war, ausländische Arbeiter kamen in die Schweiz, die Errichtung von weiteren Pfarreien wurde notwendig. Unter Bischof Stammler zog der erste Weltkrieg über die Nachbarländer hin und es folgten die schwierigen Nachkriegsjahre mit ihren Spannungen.
Bischof Stammler sorgte sich besonders auch um eine gute Ausbildung der künftigen Priester: Seine neue Studienordnung für die Theologiestudenten des Bistums Basel bestimmte, dass nur Studenten mit bestandener eidgenössischer Maturitätsprüfung zum Theologiestudium zugelassen wurden. Ebenso lag ihm an einem guten Religionsunterricht: Er gab einen neuen Katechismus für die Volksschulen heraus. Die liturgische Bewegung, die damals aufzublühen begann, trug auch im Bistum Basel eine erste Frucht: 1909 erschien zum erstenmal ein für die ganze Diözese bestimmtes Gesangs- und Gebetbuch. Um den veränderten Verhältnissen gerecht zu werden, reorganisierte Bischof Stammler das Bistum und errichtete eine Anzahl neuer Dekanate.
In den wirtschaftlichen Krisenjahren bewährte sich Bischof Josephus Ambühl (1925-1936), als "Bischof der Caritas". Er führte das Bistumsopfer ein, gründete das diözesane "Kinderhilfswerk" und sorgte sich besonders um Strafentlassene und gefährdete Jugendliche. Während seiner Amtszeit nahm die Zahl der Priesterkandidaten sehr stark zu. 1928 konnte Bischof Ambühl das Priesterseminar für den Weihekurs eröffnen. Die spirituelle und pastorale Schulung des Klerus war ihm ein besonderes Anliegen: Er schuf die monatliche Recollectio (Geisteserneuerung) in den Dekanaten und rief alljährlich die Dekane zusammen, um mit ihnen pastorale Fragen zu besprechen. Unter ihm erschien das Gesang- und Gebetbuch in neuer Bearbeitung mit dem Titel "Laudate". Seine besondere Sorge galt der Diaspora, er gründete den Kirchenbauverein.
Die dreissig Jahre der Amtszeit von Bischof Franziskus von Streng (1937-1967) sahen eine alte Welt untergehen und eine neue, noch ungewisse entstehen: Der Zweite Weltkrieg ging nicht spurlos an der Schweiz vorüber und gegen Ende der Amtszeit meldete sich vielerorts ein neuer Geist an. Bischof von Streng setzte das Schwergewicht seiner Tätigkeit auf die Sorge um Ehe, Familie und Jugend: Durch Schriften und zahlreiche Vorträge setzte er sich mit Ehe- und Familienproblemen auseinander, für die Schulentlassenen erklärte er die Sonntagschristenlehre als obligatorisch, am Herzen lagen ihm die Verbände, darunter besonders die Jugendvereine. Die im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), an dem Bischof von Streng teilnahm, zum Durchbruch gekommene liturgische Erneuerung bereitete er vor durch ein Rituale, welches die Volkssprache stärker berücksichtigte, und durch eine Neubearbeitung des "Laudate". Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte eine für die Verhältnisse des Bistums beinahe "stürmische" Zunahme der Pfarreien, besonders in den Diasporagebieten. Bereits waren aber auch Anzeichen eines kommenden Priestermangels zu bemerken. In seinen letzten Amtsjahren gründete Bischof von Streng den Priesterrat und den Seelsorgerat; erster Präsident beider Räte war der spätere Bischof Otto Wüst.
Anton Hopp, in: Im Dienst des Heiles - Das Bistum Basel in Geschichte und Gegenwart, Solothurn 1979
Fortsetzung folgt
5. Liste der Bischöfe des neuumschriebenen Bistums
Josef Anton Salzmann (1829–1854)
Karl Arnold-Obrist (1854–1862)
Eugène Lachat (1863–1884)
Friedrich Fiala (1885–1888)
Leonard Haas (1888–1906)
Jakob Stammler (1906–1925)
Josef Ambühl (1925–1936)
Franziskus von Streng (1937–1967)
Anton Hänggi (1968–1982)
Otto Wüst (1982–1993)
Hansjörg Vogel (1994–1995)
Kurt Koch (1996–