Bistum Basel

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5. Massnahmen zur Intervention bei sexuellen Übergriffen

Der Bischof errichtet auf Empfehlung des diözesanen Fachgremiums und nach Rück­sprache mit den staatskirchenrechtlichen Körperschaften zwei Stellen zur Intervention bei Verdacht auf einen sexuellen Übergriff.

  • Beratungspersonen gegen sexuelle Übergriffe im Bistum Basel;
  • Koordinationsperson.

Beratungspersonen gegen sexuelle Übergriffe im Bistum Basel
Neben den staatlichen Opferberatungsstellen (siehe Adressen auf www.bistum-basel.ch) stehen Beratungspersonen[1] gegen sexuelle Übergriffe im Bistum Basel zur Verfügung. Sie beraten Frauen und Männer, die im kirchlichen Kontext Opfer, Vertrauensperson, Mitwisser/-in, Zeuge/-in oder beschuldigte Person geworden sind. Die Beratungspersonen stehen Personen im pastoralen Dienst, Anstellungsbehörden, Freiwilligen und/oder Angehörigen der direkt betroffenen Personen zur Verfügung. Im Unterschied zu den staatlichen Opferberatungsstellen kennen die Beratungs­personen die innerkirchlichen Strukturen. Sie können z.B. auch über kanonische Ver­fahren informieren. Die Beratungspersonen sind vom Bischof beauftragt, sind aber in ihrer Beratungstätigkeit unabhängig von Weisungen kirchlicher Amtsträger.
Die Beratungspersonen wissen um die Scham der Opfer und dass es Betroffenen schwerfällt, über sexuelle Vorkommnisse zu sprechen. Sie versuchen, mit den Betroffenen ihre Situation zu klären und Handlungsfähigkeiten zu stärken und sie zu schützen. Sie beraten Betroffene über das angemessene oder gebotene Vorgehen. Sie empfehlen, mutmassliche sexuelle Belästigungen oder Übergriffe der Koordina­tionsperson zu melden. Die Beratungspersonen sind verpflichtet, vermutete Offizial­delikte der Koordinationsperson auch gegen den Willen der Ratsuchenden zu melden. Die Beratungspersonen sind nicht an das Berufsgeheimnis gebunden. Die ratsuchenden Personen sind zu Beginn des Beratungsgespräches entsprechend zu informieren.
Opfer, Vertrauenspersonen, Mitwisser/-innen und Zeugen werden darauf hinge­wiesen, dass sie auch direkt bei der Polizei eine Strafanzeige erstatten können; beschuldigte Personen können sich dort selbst anzeigen. Auch Anstellungsbehörden können direkt bei der Polizei eine Strafanzeige erstatten, wenn Mitarbeiter/-innen in mutmassliche sexuelle Übergriffe involviert sind. Die Beratungspersonen empfehlen jedoch den Weg über die Koordinationsperson.
Die Beratungspersonen vermitteln zusätzlich der ratsuchenden Person Zugang zu therapeutischer Hilfe oder zu Seelsorgern/-innen und klären die Finanzierung ab.

Koordinationsperson für Interventionen bei sexuellen Übergriffen[2]
Die Koordinationsperson ist offizielle Meldestelle für sexuelle Übergriffe im Bistum Basel. Sie nimmt die Meldung eines mutmasslichen sexuellen Übergriffs durch Opfer, Vertrauenspersonen, Mitwisser/-innen, Zeugen oder beschuldigte Person entgegen und ist dafür verantwortlich, dass der mutmassliche sexuelle Übergriff vollständig geklärt wird. Dazu koordiniert sie straf-, personal- und kirchenrechtliche Mass­nahmen. Die Koordinationsperson achtet darauf, dass die Öffentlichkeitsarbeit durch die zuständigen Kommunikationsverantwortlichen wahrgenommen wird. Zur Klärung eines Vorfalls kann sie Verantwortungspersonen und Fachpersonen in ein Interven­tionsteam[3] berufen. Steht der Vorwurf eines Offizialdelikts im Raum, fordert die Koordinationsperson den zuständigen Ordinarius (Bischof, Generalvikar, Bischofs­vikar) unabhängig von der Einwilligung des Opfers auf, eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft einzureichen. Wenn die Anzeige nicht innert Monatsfrist erfolgt, ist die Koordinationsperson verpflichtet, die Anzeige selbst einzureichen.

Verfahren
Bei Unsicherheiten über die Beurteilung eines Vorfalles oder über das Verfahren stehen die Beratungspersonen zur Verfügung. Betroffene können sich auch direkt bei der unabhängigen Koordinationsperson des Bistums Basel melden. Personen, die sich bei einem Ordinarius melden, weist dieser an die Koordinationsperson weiter.
Wird der Bischof durch die Staatsanwaltschaft über einen mutmasslichen sexuellen Übergriff durch eine Person, die von ihm ernannt oder mit einer Missio canonica beauftragt ist, informiert, so leitet er den Fall an die unabhängige Koordinations­person weiter. Sie berät die Anstellungsbehörden über Konsequenzen für das Arbeitsverhältnis; sie sorgt dafür, dass der Bischof eine kanonische Voruntersuchung einleitet und leistet die Koordination zwischen den verschiedenen involvierten kirchlichen, staatskirchenrechtlichen und staatlichen Behörden; sie sorgt dafür, dass die Öffentlichkeitsarbeit koordiniert ist.
Die Koordinationsperson erarbeitet ein standardisiertes Vorgehen bei Verdacht auf einen sexuellen Übergriff, um möglichen Opfern gerecht zu werden, mutmassliche sexuelle Übergriffe zu ahnden, niemanden vorzuverurteilen sowie ein objektives und unabhängiges Verfahren zu garantieren.

Genugtuungszahlung verjährte Fälle
Opfer, bei denen der Übergriff verjährt oder/und der mutmassliche Täter verstorben ist, haben das Recht, einen Antrag auf Zahlung einer Genugtuungssumme zu stellen. Der Antrag wird bei der Abteilung Personal eingereicht. Diese stellt das Dossier zu­sammen und reicht es zur Prüfung bei der Arbeitsgruppe «Genugtuung Bistum Basel» ein. Die Arbeitsgruppe leitet das Dossier mit Antrag auf Zahlung oder Ablehnung an die «Kommission Genugtuung der Schweizer Bischofskonferenz» weiter. Diese entscheidet abschliessend.

Unentgeltliche Dienste
Die Kosten für die Beratungspersonen und die Koordinationsperson werden durch die Bischöfliche Ordinariatsstiftung getragen. Die Beratung ist deshalb für alle Ratsuchenden unentgeltlich.

 


[1]     Siehe Anhang 2: Beratungsperson gegen sexuelle Übergriffe im Bistum Basel.

[2]     Siehe Anhang 3: Koordinationsperson.

[3]     Siehe Anhang 4: Interventionsteams (Kernteams).

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