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Statement Bischof Felix Gmür

Bischof Felix Gmür
Bischof Felix Gmür stellt sich anlässlich der Medienkonferenz zur Veröffentlichung des Berichts der Uni Zürich den Fragen der Medienschaffenden.

betreffend den Bericht zum Pilotprojekt zur Geschichte sexuellen Missbrauchs im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts

Die sexuellen Übergriffe durch Kleriker belasten mich schwer. Ich bin erschüttert und sprachlos über die Vorkommnisse; sie sind mit der Heilsbotschaft Jesu nicht vereinbar.

Die aktuellen Berichterstattungen und Diskussionen haben sehr viel Leid und Belastung ausgelöst, zuallererst bei den Betroffenen sexuellen Missbrauchs und ihren Angehörigen, aber auch bei den Gläubigen.

Meine Gedanken sind bei den Betroffenen. Was sie durch Übergriffe von Klerikern erlebt haben, ist schwer vorstellbar: Die Erlebnisse haben verstört und zerstört, haben Vertrauen zu Menschen und ins Leben gebrochen und viele an ihrer Lebensentfaltung, am Aufbau tragfähiger Beziehungen gehindert. Manche Betroffene können erst nach vielen Jahren über das Vorgefallene sprechen. Ich versichere ihnen, dass ich mich für die vollständige Aufarbeitung einsetze. Alles Geschehene muss ans Licht kommen. Denn die Betroffenen haben Anspruch auf Gerechtigkeit. Ich bin mir bewusst, dass erlittenes Unrecht und Verletzungen nicht rückgängig gemacht werden können. Ich kann die Betroffenen nur um Vergebung bitten und versuchen, meinen Beitrag zur Heilung der Wunden zu leisten. Ich anerkenne die Fehler, die im Bistum Basel geschehen sind, übernehme für die Schuld unserer Bistumskirche die Verantwortung und bitte für den zugefügten Schmerz um Verzeihung.

Und meine Gedanken sind auch bei den Gläubigen. Viele sind verunsichert durch die Nachrichten der letzten Tage und Wochen und fragen sich, welchen Seelsorgenden sie noch vertrauen können. Mir ist es sehr wichtig, Vertrauen in der Kirche wiederzugewinnen. Ich bemühe mich nach Kräften, dass Menschen in einer glaubwürdigen Kirche den Seelsorgenden mit Vertrauen begegnen können. Daher ist es mir auch ein Anliegen, dass alles, was in den letzten Jahren unternommen wurde, nicht übersehen wird. Durch ein Klima der Offenheit und Prävention wird im Bistum Basel seit langem das diözesane Schutzkonzept «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld: Prävention und Intervention» umgesetzt. Diese Massnahmen gilt es weiter zu verbessern und sie auch innerlich überzeugt mitzutragen zur gegenseitigen Wertschätzung und Achtsamkeit, gerade im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Es ist mein Ziel, im Bistum stets aufmerksamer zu werden für Situationen, die Missbrauch begünstigen, um sofort adäquat reagieren zu können. Ich will alles dazu beitragen, dass immer mehr eine Kultur der Achtsamkeit und des respektvollen Umgangs miteinander wächst – und das Leben in unseren Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen prägt.

Allen, die in der Seelsorge stehen und ihren Dienst achtsam, sorgfältig und verantwortungsbewusst ausüben, danke ich sehr. Den Forschenden der Universität Zürich danke ich für die Erstellung des Berichts und den Medienschaffenden dafür, dass sie den Betroffenen eine Stimme geben, die auch ich in der Vergangenheit nicht immer rechtzeitig gehört habe. Die Perspektive der Betroffenen einzunehmen, wird für mich künftig noch mehr die erste Leitlinie sein.