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Diakonie ist das Herzstück

Bischof Felix an der Fachtagung DDK 2025
Bild: Christian Geltinger

Regelmässig treffen sich Sozialarbeitende und Fachverantwortliche Diakonie des Bistums Basel zu einer Fachtagung. In Bern diskutierte man das Thema Diakonie vor dem Hintergrund des Kulturwandels, wie er im Pastoralentwicklungsplan PEP to go formuliert wird.

«Die Diakonie ist das Herzstück unseres kirchlichen Grundauftrags», so Bischof Felix in seinem einleitenden Referat. In einer Zeit, in der sich die Gesellschaft rasant verändere, sei dieses Bewusstsein wichtiger denn je. Kirche brauche einen Kulturwandel, um auch in Zukunft Antworten auf die Fragen der Zeit geben zu können. Bischof Felix hielt ein Plädoyer für eine synodale, partizipative und diakonische Kirche.

Haltung zum Menschen

Ein Arbeitsinstrument hierfür sei der PEP to go. Er sei aber kein «Dogma, kein Gesetzbuch, keine Regel», so Bischof Felix. Es sei wichtig, ihn mit Leben zu füllen und in einem ständigen kritischen Dialog zu sein. Das Verbindende sei dabei stets die Haltung zum Menschen, wie sie im Evangelium formuliert werde. Auf die Frage einer Teilnehmerin, wie er persönlich das Evangelium verstehe, berichtet Bischof Felix von einem Besuch bei Franziskus, den er nach der Essenz des Evangeliums befragt habe. Franziskus habe die berühmte Stelle aus dem Matthäus-Evangelium zitiert: «Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.»

In der Zusammenarbeit vor Ort warb Bischof Felix für Pastoralteams als geistliche Gemeinschaften. Er teile die Auffassung, dass die Diakonie in manchen Kirchgemeinden finanziell zu kurz käme, obwohl teilweise die finanziellen Mittel vorhanden wären, und sagte den Zuhörer:innen in diesem Bereich seine Unterstützung zu.

In der Kontingenzfalle

Dass sich Kirche in einer kritischen Situation befindet, dürften wohl wenige bezweifeln. Neben dem Missbrauch und der damit verbundenen Glaubwürdigkeitskrise sind die selbstverschuldeten strukturellen Probleme bekannt. Zugleich stellt Gregor Scherzinger von der Caritas St. Gallen-Appenzell eine generelle Kontingenzkrise fest. «Wir leben in einer Zeit, in der wir zahlreichen Krisen ausgesetzt sind, die äusserst kontrovers diskutiert werden. Für viele Menschen wird es immer schwieriger, gesellschaftliche, politische oder religiöse Institutionen zu finden, die ihnen verbindliche Antworten liefern können.» Die Kirche sei gewissermassen in der doppelten Kontingenzfalle. Sie wird als Institution und in ihrem Wahrheitsanspruch in Frage gestellt.

Relevanz und Professionalität

Im diakonischen Handeln sieht der St. Galler eine Chance, diese Lücke zu überwinden. Freilich müsse diakonisches Handeln immer zweckfrei bleiben. Damit das gelingen kann, plädiert er für eine professionelle Autonomie der diakonisch Tätigen, die die Relevanz und Professionalität der diakonischen Arbeit in den einzelnen Seelsorgeteams anerkennt. Im Umkehrschluss könnten die diakonisch Tätigen ein wichtiges Verbindungsglied sein, wo Seelsorge heute zu weit von den Menschen entfernt ist, und könnten den spirituellen Alltag durch ihre Erfahrungen bereichern.

Mut zur Innovation

Prof. Dr. Silke Müller-Hermann von der FHNW formulierte in ihrem Vortrag die Voraussetzungen, die für diesen Dialog nötig sind. Oft fehle es nämlich schon an einer gemeinsamen Sprache. Aus den Erfahrungen im ausserkirchlichen Kontext zeige sich, wie wichtig der Wissenstransfer und das interdisziplinäre Bewusstsein für die Zusammenarbeit in einem Team sind. Für eine Organisation, die sich verändern möchte, brauche es aber auch die Bereitschaft zur echten Innovation, die Freiräume zum Experimentieren, die Bereitstellung von Ressourcen und das Arbeiten gegen Widerständen.

Mut zum Experiment, das Denken out of the box, das Arbeiten in gemischten Teams auf Augenhöhe und nicht zuletzt eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung waren auch die zentralen Punkte, die am Nachmittag bei den gemeinsamen Diskussionen noch einmal zum Ausdruck gebracht wurden.

Christian Geltinger,
Leiter Kommunikation Katholische Kirche Region Bern