Kirchliche Kulturgüter
Die kirchliche und klösterliche Landschaft der Schweiz befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Kirchgemeinden und Pfarreien stehen vor der Herausforderung, neue Nutzungen oder Umnutzungen für Kirchen und andere kirchliche Gebäude zu finden. Gleichzeitig werden Klöster aufgelöst oder Ordensgemeinschaften geben ihre Konvente auf. Weitere Schliessungen klösterlicher Niederlassungen sind absehbar. Diese Entwicklung betrifft verschiedene Orden und Regionen in der ganzen Schweiz. Mit der Auflösung oder Veränderung kirchlicher und klösterlicher Strukturen stellt sich zunehmend die Frage, was mit dem beweglichen Kulturgut geschieht. Während das Thema der Umnutzung von Kirchengebäuden bereits seit einigen Jahren auf Tagungen und in Fachpublikationen Aufmerksamkeit erfährt, ist die Frage, was mit dem Inventar dieser Sakralbauten geschehen soll, oft übergangen worden. Auch bei Renovationen und Umbauten ist das mobile Kulturgut gefährdet, da häufig Inventare des Kulturguts, sachgerechte Lagermöglichkeiten oder die Expertise zum Erkennen historisch bedeutender Objekte fehlen.
Fragen nach Sicherung, Erhalt, Dokumentation und künftiger Zugänglichkeit werden dadurch immer dringlicher. In der Schweiz beschäftigen sich bereits verschiedene Akteurinnen und Akteure mit diesen Herausforderungen. Ihre Arbeit findet jedoch vielfach auf lokaler, regionaler oder kantonaler Ebene statt. In Olten wurde deshalb im Mai 2026 der Arbeitskreis Kirchliche Kulturgüter (AKKG) gegründet.
Der Arbeitskreis möchte die vorhandene Fachkompetenz, Erfahrungen und laufenden Projekte zusammenführen, den Austausch fördern und damit zu einer nachhaltigen Sicherung kirchlicher Kulturgüter beitragen. Er führt dazu eine eigene Website und bietet Beratung für Institutionen und Einzelpersonen an. Zudem werden Dokumente und Empfehlungen zum Umgang mit mobilem, kirchlichem Kulturgut gesammelt und online zur Verfügung gestellt. Langfristig sollen weitere Hilfestellungen, zum Beispiel zur Inventarisierung, erarbeitet werden.
Das Bischöfliche Archiv unterstützt diese Initiative als Mitglied des Arbeitskreises.
Was sind Kirchliche Kulturgüter?
Kirchliche Kulturgüter sind Gegenstände, Werke und Zeugnisse, die mit dem kirchlichen und klösterlichen Leben verbunden sind.
Dazu gehören unter anderem:
- Liturgische Geräte und Ausstattungen wie Kelche, Monstranzen, Leuchter und liturgisches Mobiliar
- Kunst- und Bildwerke wie Altarbilder, Gemälde, Andachtsbilder, Skulpturen und Kreuze
- Textilien und Paramente wie Messgewänder, Altartücher und weitere liturgische Textilien
- Schriftgut wie Bücher, Handschriften und alte Drucke
- Prozessionsfiguren und Reliquienschreine
- Devotionalien und Gegenstände der persönlichen Andacht
Diese Objekte dokumentieren – ähnlich wie Archivgut – die einzigartige Geschichte einer Ortskirche oder eines Klosters. Sie geben Einblick in vergangene Epochen, in die Kultur und den Alltag ihrer Zeit und eröffnen zugleich einen künstlerischen Zugang zu Glaubensfragen. Als Kunst- und Handwerksobjekte zeugen sie zudem von der handwerklichen und künstlerischen Fertigkeit vergangener Generationen. In ihnen verbinden sich Geschichte, Glaube, Kunst und gelebte Tradition. Kirchliche Kulturgüter gehören dabei nicht nur einer einzelnen Generation. Sie sind Teil eines gemeinsamen und generationenübergreifenden Kulturerbes, das es zu bewahren, zu dokumentieren und für die Zukunft zugänglich zu halten gilt.
Diese Bedeutung wird auch von öffentlicher Seite zunehmend anerkannt. So erhielt der Konservator des Luzerner Stiftschatzes für seine Initiativen zum Erhalt des kirchlichen Kulturerbes im September 2026 den Anerkennungs- und Förderpreis des Regierungsrates des Kantons Luzern.